- Beiträge - Bericht Orgeltagung GDO

60. Internationale Orgeltagung Karlsruhe 29.07.-04.08.2012
Ein ganz persönlicher Bericht


Eine anstrengend schöne Tagung begann am 29.07.2012, einem sonnigen Sonntag, vor der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe. Das Tagungsbüro hatte seine Tische erstmals im Freien unter dem Baldachin der frisch renovierten Stadtkirche aufgeschlagen. Dort wurden dann auch die 209 Teilnehmer begrüßt und mit dem notwendigen Informationsmaterial versorgt.

Nachdem die eigentlich geplante Limburger Tagung abgesagt werden musste, haben Prof.Dr. Michael Kaufmann, Dr. Martin Kares und der Domorganist zu Speyer Markus Eichenlaub in nur einem Jahr die 60. Tagung in Karlsruhe vorbereitet. Hut ab!

Nach der Stadtführung, die unter anderem durch den Botanischen Garten führte und dann am Schloss endete, wurde die Tagung dort im schönen Gartensaal eröffnet. Das Eröffnungskonzert an den beiden Orgeln der Stadtkirche wurde von dem schwedischen Organisten Gunnar Idenstam aus Kiruna hervorragend bestritten. Die neue Chor-Orgel, die Remy Mahler 2005 fertigstellte, erweckte nicht nur wegen seinem filigranen Outfit (Gehäuse und vor allem der Spieltisch) ein besonderes Interesse. Remy Mahler ließ es sich nicht nehmen, persönlich anwesend zu sein und versprühte in zahlreichen Gesprächen seinen Elsässer Charme gepaart mit seinem besonders kreativen Humor.

Highlights hatte diese Orgeltagung aus meiner Sicht viele. Ich möchte aber im Folgenden nur Einige besonders erwähnen.

Montag ca. 14:45 Uhr: Mannheim, Kath. Jesuitenkirche. Das Innere der Kirche überraschte durch Helligkeit, Größe und homogene Ausstattung. Das Gehäuse der Hauptorgel nach einem Entwurf des Hofbildhauers Paul Egell für ein Instrument 1752-55 von Johann Georg Rohrer fügt sich sehr gut ein.

Das heutige Werk wurde 1965 durch Johannes Klais erbaut, 2004 durch die Erbauerfirma technisch und durch Firma Lenter auch klanglich optimiert. Sie hat 56 klingende Stimmen auf 4 Manualen und Pedal. Der Kantor der Jesuitenkirche Tobias Breitner stellte mit Stücken von Bach, Mozart und Messian seine Orgel den Tagungsteilnehmer sehr gut vor.

Montag 20:00 Uhr: Mannheim-Oststadt Evang. Christuskirche. Johannes Matthias Michel (geb.1962) lieferte mit seinem öffentlichen Konzert einen bravourösen und humorvollen Abschluss dieses ersten Tages der Tagung ab. Ob an der Marcussen-Orgel von 1988 (2 Manuale u. Pedal , 31 Register ), der Steinmeyer-Orgel von 1911 (4 Manuale u. Pedal, 92 Register ), der Truhen-Orgel von Daniel Gruber von 2004 (5 Register) oder auf dem Kunstharmonium von Johannes Tietz 1912 konnte er das Publikum immer aufs Neue begeistern.


Dienstag 16:30 Uhr: Heidelberg Stadthalle. Martin Sander (geb.1963) spielte auf der wunderbaren Konzertorgel von Voit & Söhne (1903, 56 Register auf 3 Manualen und Pedal) Werke von Philipp Wolfram, Robert Schumann und Max Reger. Er verabschiedete sich mit diesem gelungenen Konzert zugleich von seiner Tätigkeit in Heidelberg als Betreuer der Voit-Orgel.


Dienstag 19:15 Uhr : Alle Tagungsteilnehmer, die bei Ihrer Anmeldung die Verlängerung angekreuzt hatten, wurden mit einer wundervoll entspannenden Schiff-Fahrt auf dem Neckar und einem ebenso schönen Konzert an der Stumm-Orgel (1785, 28 Register auf 2 Manualen und Pedal) gespielt von Joachim Schreiber wirklich ausreichend belohnt.


Am Mittwoch stand der „ Karlsruher Orgelspaziergang an der Straßenbahnlinie 1“ auf dem Plan.

Neben dem Konzert in der Durlacher Evangelischen Stadtkirche (Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm 1759, 1999 Neubau des Werkes durch Goll) bleibt mir die Orgel der Evangelischen Lutherkirche besonders im Gedächtnis. Die Orgel des Orgelbaumeisters Mönch aus Überlingen, der selbst anwesend war, überzeugte mich besonders durch die hervorragende Intonation. Die Kantorin der Gemeinde, Frau Dorothea Lehmann-Horsch präsentierte dieses beachtenswerte Instrument mit Werken von Bach, Lukas Grimm (geb. 1986) und Jean Alain.


Der Donnerstag wurde von dem Ausflug in die Pfalz (Ettlingen, Gaggenau und Rastatt) und in das Elsass geprägt.

14:30 Uhr Röschwogg , Kath.St.Bartholomäuskirche. Christian von Blohn (geb.1963) stellte mit Werken von Bach, Murschhauser und Boelly die Stiehr-Orgel von 1808 (31 Register auf 3 Manualen und Pedal) vor.

16:30 Uhr Maursmünster / Marmourtier Kath. Kirche. Diesem Besuch hatten die meisten Teilnehmer mit Sicherheit besonders entgegengefiebert. Und sie wurden nicht enttäuscht. Kein anderer als der Straßburger Organist Daniel Maurer ließ die Orgel von Andreas Silbermann (1707-10, 27 Register auf 3 Manualen und Pedal) erklingen.

21:30 Uhr !! Karlsbad-Langensteinbach, Ev.Ludwigskirche. Im Rahmen der 2.Verlängerung lauschten ca. 50 Teilnehmer dem fasst schon nächtlichen Konzert von Christoph Keggenhoff an der Ferdinand Stieffel-Orgel von 1796 (für die Schloßkirche Karlsruhe erbaut). Sie hängt in luftiger Höhe in einem schmalen, sehr hohen und modern und sparsam ausgestatteten Kirchenraum.

Die Orgel füllt den Raum erstaunlich gut aus, und das trotz der Raumcharakteristik und der Tatsache, dass sie ja nicht für diese Kirche gebaut wurde. Das Instrument hat 30 Register auf 2 Manualen und Pedal. Besonders klangvoll präsentierte sich nach der Überarbeitung von Martin Vier, Friesenheim das Register Gamba 8 ‘.



Freitag 20:00 Uhr: Der unschlagbare Höhepunkt der Tagung am Freitag war das Konzert im Dom zu Speyer. Beide Instrumente der Firma Seiffert aus Kevelaer (Chororgel von 2008 und Hauptorgel von 2011) harmonieren mit dem mächtigen Kirchenraum und miteinander großartig. Die drei Intonateure haben meines Erachtens Großartiges geleistet.

Als erstes ließ der Domorganist Markus Eichenlaub auf beiden Orgeln Louis Vierne „ Les Cloches de Hinckley“ aus Pieces de Fantasie op.54 erklingen. Ein unbeschreibliches Raumklangerlebnis, das mich Erschauern und Schwärmen ließ. Krönender Abschluss dieses großartigen Konzertes im Rahmen der Widor - Reihe dann die Symphonie Nr.5 f-Moll op.42 Nr.1.

Sonnabend 9:30 Uhr: Der Abschluss der Tagung erfolgte dann tratitionsgemäß mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Karlsruhe-Bulacher St. Cyriakuskirche. Dabei wurde der Gemeindegesang von Dr. Martin Kares an der Voit-Orgel von 1887/1906 begleitet. Das Instrument mit 25 Registern auf 2 Manualen und Pedal wurde durch Voit in das Gehäuse der Johann Andreas Silbermann-Orgel der Schlosskirche Baden-Baden (1753) eingebaut.

Für die „Nimmersatten“ verlängerte sich die Tagung unter dem Titel „Offene Orgel“ um drei weitere Instrumente.

Somit ging die 60. Internationale Orgeltagung 2012 insgesamt erfolgreich, erlebnisreich und kommunikativ zu Ende und das mit nur wenigen Problemen in der Durchführung (die bei einer Vorbereitungszeit von nur einem Jahr absolut entschuldbar waren).

Den Tagungsleitern Prof. Dr. Michael Kaufmann, Dr. Martin Kares und Markus Eichenlaub an dieser Stelle Hochachtung und Dank!

Hans Adler


Mit freundlicher Genehmigung von Hans Adler - Welt-Orgel-Archiv



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