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Die Dreifaltigkeitskirche zu Aachen

Die Geschichte der Gemeinde
Kirche geschlossen
Informationen zur Orgel


Presbyterium und Gemeinde der Dreifaltigkeitskirche heißen Sie herzlich willkommen!

Unsere Kirche liegt auf der historischen Grenze zwischen Aachen und Burtscheid, die erst 1897 zu einer Stadt fusionierten. Als die Kirche am Rande Burtscheids erbaut wurde, war sie der erste evangelische Kirchbau in Burtscheid nach der Reformationszeit, der Bestand hatte. Jahrhunderte lang hatten die wenigen evangelischen Christen unter der Regierung der Burtscheider Abtei zu leben und ihren Glauben zu gestalten versucht. Ein Kirchbau wurde ihnen mal gestattet, mal verwehrt, so oft er auch begonnen wurde - je nach politischer "Großwetterlage" war die Errichtung eigener Gebäude möglich oder unmöglich. Das älteste Grundstück, das die Protestanten genutzt hatten, lag an der Hauptstraße in Burtscheid; dort gab es für eine gewisse Zeit eine Kirche, sogar mit Turm, doch in die hintere Zeile gesetzt, so dass sie von der Straße aus nicht sichtbar war. Es grenzten ein Schulhaus, ein Pfarrhaus und ein ev. Friedhof an (von ihm stammen die Grabsteine an der Nordseite), doch wurde von den damals Regierenden immer wieder verlangt und polizeilich durchgesetzt, diese Gebäude abzutragen, einmal mussten die Evangelischen sogar die Fundamente aller Gebäude entfernen.

So wechselhaft also die räumlichen Bedingungen evangelischen Lebens "unter dem Krummstab" der Burtscheider Äbtissinnen war, evangelisches Leben konnte sich seit seinen Anfängen im 16. Jahrhundert doch bescheiden etablieren. Als die Rheinlande nach der napoleonischen Freiheitszeit an Preußen gingen, bedeutete dies für die Evangelischen ein großes Aufatmen. Teile des Rheinlands - die ehemaligen Grafschaften Kleve, Jülich, Berg und Mark - waren schon länger preußisch regiert gewesen, aber für Aachen und Burtscheid begann eine neue Zeit, die an die Freiheit unter der französischen Regierung anknüpfte. Allerdings bekam die Kirche eine neue Verfassung: Aus einer freikirchlich organisierten, wurde eine königlich-konsistoriale Kirche mit einer Kirchenleitung in Berlin. Städtebaulich begann diese neue Zeit ("Gründerzeit") Gestalt zu gewinnen im Bau der Eisenbahnstrecke und des Viadukts, des Frankenberger Viertels und seiner zugehörigen Kirchen. Die römisch-katholische Kirche wurde ins Herz des neu entstandenen gutbürgerlichen Viertels gebaut, die evangelische Kirche als Flucht- und Wechselpunkt auf dem Weg über die damals so benannte "Kaiserallee" in den Aachener Stadtkern.

Bahnhof und Kirche lagen und liegen nahe beieinander, aber ursprünglich war wohl vor allem das städtebaulich typische Ensemble "Kirche/Rathaus/Schule" vorbildgebend, denn die Dreifaltigkeitskirche wurde in einem Dreieck zur (ev.) Viktoriaschule und zum (preußischen) Landratsamt gebaut, es wurde also eine "evangelische Enklave" nach historischen Vorbildern geschaffen.

So kam es nach königlicher Genehmigung zum Beschluss und zur Errichtung eines neuen, eigenen Kirchbaus. Der (Berlin-) Charlottenburger Architekt Heinrich Reinhardt gewann den ausgeschriebenen Wettbewerb mit seinem Entwurf, der umgesetzt und 1899 als Bau vollendet wurde.

Ursprünglich war auch hier ein größeres Konzept verwirklicht: Die Dreifaltigkeitskirche auf der spitzen Ecke von Zollernstraße und Herzogstraße war umgeben von weiteren kirchlichen Gebäuden: Rechts von ihr lag das Pfarrhaus im gleichen Baustil wie die Kirche, mit gleicher Ausschmückung und identischem historisierenden Material ausgestattet. Links, in der Herzogstraße, schloss sich das Küster- und Gemeindehaus an. Beide Nebenhäuser hatten Zugang zur Kirche über die Sakristei, die hinter der Apsis liegt; der Pfarrer konnte von seinem Arbeitszimmer über einen separaten Gang in die Kirche gehen.

Das Äußere der Kirche entspricht etwa dem bei der Eröffnung im Juli 1899, lediglich die verzinkten Wasserspeier, der Giebelaufsatz über der Apsis und die Turmhöhe mussten nach dem 2. Weltkrieg verändert bzw. entfernt werden. Die Fenstergröße entspricht der originalen, wenngleich die Anordnung der einzelnen Fensterflächen erst 1955 vorgenommen wurde; die originale Flächenaufteilung ist nur noch in den Chorfenstern gegeben.

Im Juli 1899 wurde die Kirche in Dienst genommen und entsprach dem Geschmack ihrer Zeit: Historisierend und von allen Epochen Anleihen machend, war sie im Ganzen, vor allem in der inneren Ausschmückung, vom "Jugendstil" geprägt. Die Wände waren allesamt verputzt und überwiegend auch bemalt mit figurativem Schmuck.

Die bunten Glasfenster im Schiff zeigten neutestamentliche Szenen der Jesus-Geschichte, die Fenster im Chorraum die drei kirchlichen Hauptfeste Weihnachten, Ostern, Pfingsten. (Heute sind die abstrakten Fensterbilder thematisch vom Namen unserer Kirche abgeleitet: Sie zeigen Symbole für den dreifaltigen, dreieinigen Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist).

Die Decke schloss ursprünglich in jedem der drei Joche als Kreuzgewölbe, ähnlich wie heute noch im Ostchor und in der Westempore (Orgelseite); die Apsis wurde bewusst als halbes Oktogon ausgeführt, ebenso wie der ursprüngliche, schmiedeeiserne und elektrifizierte Leuchter in der Mitte des Kirchenschiffs ein Gegenüber zu seinem "großen Bruder" im Dom sein wollte.

Die Kirche war eine "unierte" Kirche in einer Gemeinde mit ursprünglich überwiegend calvinistischer Tradition; aber durch den Zuzug der meist aus lutherischen Landen Preußens stammenden neuen Gemeindeglieder wurde es nötig und alsbald selbstverständlich, dass die beiden evangelischen Konfessionen, die lutherische und die calvinistische, die auch im Rheinland seit 1817 zwangsvereinigt worden waren, einträglich und lernfähig miteinander lebten.

So wurde auch der Kirchbau ein "Unions"-Gebäude mit Anleihen an Traditionen beider ev. Konfessionen: Der steinerne Altar war von fast lutherischer Art, kein calvinistischer (hölzerner) Abendmahlstisch. Er hatte eine bildhauerisch geschmückte Mensa, die zur Schauseite als Relief das Letzte Abendmahl zeigte (vgl. die Pala d'oro!) und die oben mit kleinen steinernen Aufsätzen abschloss, auf denen die Leuchter zu stehen kamen. Allerdings hatte er kein Retabel (Tafelbild), auch kein Kreuz (!) wie in lutherischen Kirchen üblich - an diese Stelle trat die Hochkanzel (ursprünglich ohne Schalldeckel): Wo im "katholischen" Altar das Tabernakel war und im "lutherischen" Altar die Bibel und ein Bild, blickte die Gemeinde hier auf die Kanzel, hörte sie das gepredigte Gotteswort im Menschenmund.

Wie ein Chorgestühl - und ebenso reich mit Schnitzereien und neugotischen Giebelchen verziert - umgab die Presbyterbank gemäß reformierter Tradition die (damals um zwei weitere Stufen erhöhte) Altarinsel in der Apsis. Anstelle des ausgesonderten, geweihten Klerus in römischer Tradition saßen die seit Reformationszeiten gewählten Vertreter der Gemeinde als Leiter und Vorsteher auch des Gottesdienstes um den Altar, in ihrer Mitte der Prediger.

Da der Gottesdienst nach der Ordnung jener Zeit faktisch nur vom Pfarrer geleitet wurde, war ein Lesepult unnötig: Alle Lesungen wurden vom Altar bzw. von der Kanzel aus vollzogen, ebenso auch die Gebete allein vom Pfarrer gesprochen - allerdings war es dem Liturgen nicht möglich, hinter den Altar zu treten, so dass nach tridentinischer Tradition der Altar die Blick- und Sprechrichtung blieb.

Einen Taufstein aus dieser Zeit vermissen wir, wohl weil überwiegend Haustaufen praktiziert wurden und allenfalls mit einer dann aufgestellten Taufschale im Hauptgottesdienst getauft wurde.

Von den Geräten (vasa sacra) jener Zeit ist nichts mehr vorhanden, ebenso wenig wie vom ursprünglichen Schmuck. Geblieben sind uns nur das Mosaik im Chorraum und einige Säulen und Kapitelle im Schiff, wie auch der Bodenbelag in den Seiteneingängen. Von den ursprünglichen Glocken ist nur noch eine, die kleinste, aus der Anfangszeit unserer Kirche, die übrigen drei sind Neugüsse der Nachkriegszeit.

Im Juli 1943 wurde die Kirche durch Bombentreffer so schwer beschädigt, dass sie wie ein hohler Backenzahn dastand. Nur der Turm und die Umfassungsmauern waren stehen geblieben, das Innere war ganz zerstört und wurde offensichtlich in den folgenden Monaten und Jahren ausgeplündert. Auch Pfarr- und Küsterhäuser waren so stark beschädigt, dass sie nicht wieder aufgebaut, sondern an ihrer Stelle Miethäuser errichtet wurden.

Die Kirche wurde nach Plänen des Architekten L. von Schwartzenberg in einer bescheideneren Gestalt wieder aufgebaut. Der Verputz wurde vollständig entfernt und der rote Backstein als Sichtmauerwerk freigelegt, z.T. auch ergänzt; die Fenster bekamen ihre jetzige Form, die Kirchenbänke, das Presbytergestühl und die Emporenverkleidung wurden wie die Kanzel in massiver Eiche ausgeführt. Als die Kirche im Juli 1955 wieder in Dienst genommen wurde, war sie im Inneren stark verändert - so, wie Sie sie heute sehen können.

Die jetzige Orgel mit ihren 44 Registern auf drei Manualen und einem Pedal stammt aus dem Jahr 1987 und wurde von der Bonner Orgelbaufirma Klais errichtet.

1993 wurde das Altarraummosaik wieder freigelegt, das 1962 wie auch der Mittelgang mit Teppichboden überklebt worden war.

Die heutige Ausstattung und Gestaltung der Prinzipalstücke Altar, Taufe und Ambo (Pult) stammen aus den Jahren 1993-1997; das Altarkreuz (Glas/Aluminium) von dem niederländischen Künstler Theo Lennartz aus dem Jahr 1998.


Kirche geschlossen

Seit 2006 ist die Dreifaltigkeitskirche für den regelmäßigen Gebrauch geschlossen worden. Lediglich zu Großgottesdiensten wie Konfirmationen oder Heiligabend wird sie liturgisch genutzt.

Die Klais-Orgel von 1987 wurde im Jahr 2009 an die Ev. Trinitatiskirche in Köln, Filzengraben, verkauft und dort von Fa. Klais neu eingebaut; dort erklingt sie seit Anfang 2010 als Konzertorgel in einem sehr ansprechenden Raumgefüge.

Pfr. Armin Drack


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde

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