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Die Bonifatius-Kirche in Oberrot

Die Geschichte der Kirche
Kitsch oder Kunst
Veränderungen
Kostbarkeiten
Die Orgel
Kontakt


Die Geschichte der Kirche

Urkundlich erstmals im Jahr 788 erwähnt, zählt die Oberroter Bonifatius-Kirche zu den ältesten Kirchen im Landkreis Schwäbisch Hall. Von dem Gründungsbau ist jedoch nichts mehr sichtbar. Der älteste heute noch erhaltene Bauteil ist der Turm. Er stammt aus dem frühen 10. Jahrhundert.

Im Lauf ihrer über 1200jährigen Geschichte wurde die Kirche immer wieder umgebaut und vergrößert. So wurde sie etwa unter Pfarrer Röckhlin 1513 erweitert. Aus dieser Zeit stammt oberhalb der Südpforte eine Reliefplatte mit den Wappen des Murrhardter Abts Oswald Binder, der Schenken von Limpurg und der Herren von Rot. Auch die Verkündigungsszene mit Maria und dem Erzengel Gabriel entstand vermutlich damals.

So sah die Kirche vor dem großen Umbau 1887 aus.

Zum 1100-jährigen Jubiläum wurde die Kirche 1887 nach Plänen des württembergischen Stararchitekten Heinrich Dolmetsch im Stil des „Historismus“ umgebaut. Vom vorherigen Innenausbau blieben keinerlei Spuren übrig. Eine reiche Ornamentik schmückte die zweigeschossigen Emporen und die Spitzgiebeldecke im Kirchenschi . Biblische Szenen wurden im Holzgewölbe des Chors frei aufgemalt.


Kitsch oder Kunst?

Wie die Oberroter Bonifatius-Kirche wurden viele von Dolmetschs Kirchbauten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tiefgreifend verändert. Hintergrund für solche Umbauten war auch die Tatsache, dass man in Dolmetschs Arbeiten keinen künstlerischen Wert mehr sah.

Dolmetsch und viele andere Architekten des vorletzten Jahrhunderts hatten Stilelemente vergangener Kunstepochen aufgegri en. Für Kirchen, Kaufhäuser, Banken wurden historische Dekorationsformen aus der Romanik, der Gotik, der Renaissance und dem Barock entnommen. Teilweise konnte der Bauherr seinen Wunschstil aus Katalogen zusammenstellen.

Deshalb wurde der „Historismus“ in der Nachkriegszeit oft als Kitsch angesehen - ohne dass man zwischen den einzelnen Architekten und deren jeweiligen Leistungen unterschied. So heißt es noch 1974 in einem Schulbuch für den Kunstunterricht pauschal über den Historismus: „In der zweiten Jahrhunderthälfte sank die „Nachahmung der Alten“ zur bloßen Nachmacherei herab, die Architektur wurde zu einem wahren Jahrmarkt der Stile, die nur noch als leere Dekorationsformeln verwendet wurden.”

Erst in den letzten Jahren hat man Werke des Historismus als qualitativ hochwertige und auch eigenständige Arbeiten erkannt. Bauten von Dolmetsch gehören zu solch wieder entdeckten Werten.


Veränderungen

1955 wurde der Innenraum der Bonifatius-Kirche grundlegend „modernisiert“. Im Schi wurde eine Zwischendecke eingezogen. Die Emporenbrüstungen wurden mit einer Holzvertäfelung versehen.

Fast alle Bemalungen und Verzierungen wurden überstrichen oder abgelaugt. Balkenköpfe, Holzpro le sowie plastische Ornamente wurden abgesägt. Die Empore im Chor wurde entfernt.

An ihrem ehemaligen Platz erstellte man eine neue Orgel. Die Kirche erhielt durch den Umbau ein schlichteres Erscheinungsbild. Nur das Chorgewölbe blieb von den „Säuberungen“ verschont.

Von 1992 bis 1994 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Kirchenraums. Das Holzwerk erscheint nun weitgehend wieder in der Gestalt von 1887. Somit gehört die Oberroter Bonifatius-Kirche zu den wenigen noch erhaltenen „Dolmetsch-Kirchen“. Im weiten Umkreis stellt sie eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit dar.


Kostbarkeiten

Ein besonderes Kleinod sind die Deckenmalereien im Chor der Bonifatius-Kirche. Entstanden sind sie im Zug der „Generalsanierung“ unter Architekt Heinrich Dolmetsch.

Bauleiter A. Stechert hat sie größtenteils in Freihandmalerei ausgeführt. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts  elen sie fast der „Modernisierung“ durch Architekt Stenzel zum Opfer.

Durch Intervention von Pfarrer Alfred Kull konnten sie jedoch gerettet werden: „Ich bin erneut vom Kirchengemeinderat und von vielen Gemeindegliedern gebeten worden, dafür besorgt zu sein, die Deckenmalereien im Chor zu erhalten ... Mag der künstlerische Wert der Malereien gering sein, so ist dieser Bildschmuck meines Erachtens doch noch weit besser als gar keiner ...“. Versuche in den fünfziger Jahren, die Gemälde von der dicken Rußschicht, die sie überzog, zu befreien, schlugen damals fehl.

Seit der letzten Renovierung in den Jahren 1992-1994 strahlen sie jedoch wieder in neuem Glanz.

Konzipiert sind die Gemälde als „Abglanz“ des Paradieses. Sie beginnen mit einem Fries, auf dem feuerspeiende Drachen aufgemalt sind. Diese stellen die Urtiere dar. Danach folgt ein Streifen mit Mineralien, den Urbausteinen des Lebens. Tiere, die im feuchten Bereich beheimatet sind oder im Wasser leben, wie Quallen, Seesterne und Korallen, bilden einen weiteren Abschnitt, gefolgt von einem Fries mit Fischen. Den breitesten Raum nehmen Malereien mit biblischen Szenen ein. Dabei hat der Maler auch eine reiche Vielfalt von Insekten dargestellt. Über diesen Motiven  nden sich Vögel, Wolken und der Sternenhimmel mit Mond und Sonne. In der Mitte ist in einem großen Strahlenkranz das Christusmonogramm dargestellt, Hinweis darauf, dass Jesus die Krönung der Schöpfung ist.

Das Gesamtthema des Chorfensters geht auf eine Idee von Alfred Kull zurück (1951-1964 Pfarrer in Oberrot). Biblischer Bezug ist die Erzählung von der Sturmstillung (Mk 4,35-41). Der Kirchengemeinderat hat den Schwäbisch Haller Künstler Dieter Franck mit dem Entwurf des Glasfensters beauftragt.
Im Winter 1961/62 hat dieser es in seinem Atelier im Originalmaßstab gezeichnet.
Ausgeführt wurde es in der Werkstätte Wilhelm Derix, Rottweil.

Das Schi , Symbol für die Kirche, bildet das Zentrum. Angetrieben wird es von einem großen roten Segel, der Farbe des heiligen Geistes und der Liebe. Jesus schläft friedlich. Die Jünger aber sind aufgeregt und voller Angst, denn um das Schi toben die Wellen. Das Schi ist auch bedroht von dem Drachen der Tiefe, dem Tier mit den sieben Häuptern und Kronen (O b 13,1). Es ringelt sich unten in der Dunkelheit. Über dem Schi auf hellerem Blau sind Sonne und Mond zu sehen, Symbole der Zeit und des Kosmos. In der Rosette ist das himmlische Jerusalem mit Mauern, Zinnen und Türmen in warmen Farben dargestellt. Es bildet das Ziel, das die Kirche bei ihrem Weg durch die Zeit hat. Hier entspringen die vier Ströme des Paradieses. Aus der himmlischen Stadt ragt das Lamm empor, Symbol des Geopferten und Auferstandenen.


Kontakt:

Evang. Pfarramt Oberrot
Pfarrer Andreas Balko

Rottalstr. 70
74420 Oberrot

Tel.: 07977/236
Fax: 07977/1403

Email: oberrot(at)evangelisch-in-hohenlohe.de und pfarramt(at)kgo.info
Homepage: www.kgo.info


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
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