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Der Berliner Dom

Geschichte des Doms
Kunstwerke im Dom
- Altarraum
- Kanzel und Orgel
- Sarkopharge und Grabdenkmäler
- Hauptkuppel
Kirchliches Leben
Aus dem Leben des Doms
Musiken zum Tagesausklang


Geschichte

1465 begann die Geschichte des - auf der Spreeinsel gelegenen — Doms, dessen eigentlicher Name “Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin“ ist. Damals erhob Pabst Paul II. die mit einer Pfarrstelle ausgestattete St. Erasmus Kapelle im neu erbauten kurfürstlichen Schloss zu Cölln an der Spree zum Kollegialstift. Aus der damals üblichen Bezeichnung solcher Stiftskirchen als “Domkirche“ rührt der heutige Name her.

Ansicht von Berlin und Cölln 1652
Ansicht von Berlin und Cölln 1652

1536 verlegte Kurfürst Joachim II. das Domstift in die ehemalige Dominikanerkirche südlich des Schlosses. Die Mönche wurden nach Brandenburg/Havel umgesiedelt.
1539 führte der Kurfürst mit Luthers Unterstützung die Reformation ein und der Dom wurde zu einer lutherischen Kirche.
1608 wurde das Domkapitel aufgelöst und der Dom zur obersten Pfarrkirche in Cölln an der Spree erklärt.

1613 trat Kurfürst Johann Sigismund mit seinem Sohn und einem Teil des Hofstaates zum Calvinismus über, so wurde der Dom reformierte Hof- und Pfarrkirche.

1747-1750 ließ Friedrich der Große nördlich des Stadtschlosses (am heutigen Standort) von Johann Boumann d. A. einen barocken Neubau errichten. Nachdem die Särge aus der Gruft des alten bau fälligen Dorns umgesetzt waren, wurde dieser ab gerissen.


Der erste Dombau am Lustgarten um 1750

1817 initiierte und verkündete König Friedrich Wilhelm III. anlässlich der 300. Wiederkehr des Reformationstages die Kirchenunion zwischen Lutheranern und Reformierten in Preul3en. Gleich zeitig ließ er den Dom durch Karl Friedrich Schinkel innen und außen erneuern.
1822 ist der klassizistische Umbau abgeschlossen.

Schon im 19. Jahrhundert sind verschiedene Projekte eines Domneubaus im Lustgarten entworfen und begonnen worden. Realisiert wurde erst unter Kaiser Wilhelm II. der Plan des Dombaumeisters Julius Carl Raschdorff (1823-1914). Nach Sprengung des alten Doms entsteht an seiner Stelle von 1894 bis 1905 ein repräsentativer, wenngleich nicht unumstrittener Zentralbau im Stil einer barock beeinflussten italienischen Hochrenaissance.

Dem Überdimensionalen dieses protestantischen Kirchenbaus (6.270 qm bebaute Fläche) lagen zwei Gedankengänge zugrunde. Zum einen der Dank der Hohenzollern für die erwiesene göttliche Gnade bei den politischen Erfolgen der letzten Jahrzehnte, besonders bei den Ereignissen der Jahre 1870/71, zum anderen die Idee, einen Zentralbau des Protestantismus über Konfessionsgrenzen (Kirchenunion von 1817) hinweg zu errichten. Flankiert von vier Ecktürmen erhob sich die Domkuppel mit Laterne, Wetterfahne und Kreuz 114 m über dem Straßenniveau. In der Länge (114 m) ist der Bau von Süden nach Norden dreigeteilt: Tauf- und Traukirche (ca. 140 Sitzplätze), kuppelbekrönte Predigtkirche (ca. 2100 Sitzplätze) und Denkmalskirche. Dreigliedrig ist auch die Höhendominante: Gruftgeschoß, Kirchraum und Turm- bzw. Kuppelgeschoß. Außen wie im Innern ist der Dom mit einem umfangreichen neutestamentlichen und kirchenreformatorischen Bildprogramm geschmückt.

Während des 2. Weltkrieges wurde der Dom stark beschädigt. Eine Flüssigkeitsbrandbombe traf den Fuß der Kuppellaterne und verwandelte die Predigtkirche mit der darunter befindlichen Hohenzollerngruft in eine Ruine. Erst 1951 kann die verbliebene Bausubstanz durch eine Notbedachung der Domkuppel gesichert werden. Gottesdienste und Kirchenmusiken fanden in dieser Zeit im Gruftbereich unterhalb der Denkmalskirche statt.

Luftbildaufnahme des Lustgartens

Der Dom von Nordwesten nach seiner Zerstörung

Mit finanzieller Unterstützung der Evangelischen Kirche Deutschlands und der Regierung der Bundesrepublik begann 1975 der Wiederaufbau des noch kriegszerstörten Doms. Die Denkmalskirche an der Nord- und die Kaiserliche Unterfahrt an der Südseite des Doms wurden abgerissen. Seit 1980 wird die restaurierte Tauf- und Traukirche wieder für Gottesdienste und Veranstaltungen von der Domgemeinde genutzt. 1992 erhielt dieser Kirchenraum eine neugestaltete Außentür nach dem Entwurf von Siegfried Krepp "Der verlorene Sohn".

Der Dom von Osten 1990

Die Wiederaufbauprojekte

Die Bauarbeiten an der Außenhaut des Doms wurden - mit gravierenden Veränderungen im Kuppelbereich - im wesentlichen 1983 abgeschlossen. 1984 begannen die Arbeiten am Innenausbau. 1989 ist das Kaiserliche Treppenhaus originalgetreu restauriert. Am 6. Juni 1993 wird die Predigtkirche in einem feierlichen Gottesdienst wiedereröffnet. In den letzten Jahren wurden die von Anton von Werner entworfenen Glasmalereien im Altarraum sowie die Mehrzahl der Mosaikgemälde im Kuppelraum der Predigtkirche rekonstruiert. Am 29. Juni 2002 wurde das achte und letzte Kuppelmosaik feierlich enthüllt. Damit sind die Restaurierungsarbeiten in der Kuppel des Berliner Domes abgeschlossen und es können neue Aufgaben, wie z. B. die Überholung der Orgel in Angriff genommen werden. Seit dem 20. November 1999 ist die wiederhergestellte Hohenzollerngruft der Öffentlichkeit zugänglich.


Kunstwerke im Dom

Blick auf den Altarraum
1983
heute
Der Altarraum ist durch eine siebenstufige Treppenanlage erhöht. Die Einrichtung stammt im wesentlichen aus den Vorgängerbauten: das Lesepult, wahrscheinlich von Andreas Schlüter, der Altartisch von Friedrich August Stüler. Die in der lutherischen und reformierten Kirche durch abweichendes Abendmahlverständnis entstandenen unterschiedlichen Formen des Altartisches (lutherisch = Kasten- oder Sargform, reformiert = Tischform) sind hier zu einem Altar zusammengefasst.

Ebenfalls aus den Vorgängerbauten: ein Taufstein von Christian Daniel Rauch, die Kandelaber und die Apostelschranke von Karl Friedrich Schinkel, das Mosaikbildnis des Apostels Petrus nach einem Gemälde von Guido Reni. Dieses Petrusmosaik war ein Geschenk Papst Leos XII. an König Friedrich Wilhelm III. Es ging in den Nachkriegsjahren verloren und wurde durch den Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, dem heutigen Kardinal Lehmann, 1996 dem Dom übereignet. Das Mosaik konnte nach vorhandenen Vorlagen in den Vatikanischen Werkstätten neu gefertigt werden.

Die Altarfenster
Der Berliner Dom war eine der ersten Kirchen, die von den Ende August 1940 einsetzenden britischen Luftangriffen auf die deutsche Hauptstadt in Mitleidenschaft gezogen wurden. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember 1940 wurden u.a. die Glasfenster im Chor der Predigtkirche des Domes, die Altarfenster, erheblich beschädigt.

Die Gemälde der drei Hauptfenster stellen Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Christi dar; und in den darüber befindlichen Ovalfenstern sind Bilder von Engeln mit Palmenzweig, mit Kelch und mit Siegesbanner zu sehen - deutbar als bildkünstlerische Darstellungen der drei christlichen Begriffe Glaube, Liebe, Hoffnung.

Geburt Christi
Kreuzigung
Auferstehung

Engel mit Palmzweig

Engel mit Kelch
Engel mit Siegesbanner

Die Originalfenster waren nach Entwürfen von Professor Anton v. Werner durch die Fa. Sanders in Barmen in der Luce-floreo-Ätztechnik hergestellt worden. Die Rekonstruktion erfolgte von 1987-1997 durch die Glasmalerei Peters in Paderborn in einer Art Siebdrucktechnik, die der Qualität der Originalfenster sehr nahe kommt.

Ein Tipp: Nie sind die Fenster so schön, wie bei bedecktem Himmel oder in der Dämmerung. Nur dann entwickeln sie die volle Leuchtkraft ihrer Farben. Bei Sonnenlicht, das durch das Südfenster auf die Fenster fällt, wirken die Farben flacher. In der Dunkelheit sind sie dann vollends verschwunden, denn die Fenster werden nicht beleuchtet. Sie leben nur durch das Tageslicht, das durch sie hindurch scheint.

Die Kanzel und Orgel in der Predigtkirche sind Schnitzwerke in Eichenholz nach Entwürfen von Otto Raschdorff (1854-1915), dem Sohn und Mitarbeiter des Dombaumeisters. Die hochromantische Orgel zählt zu den größten ihrer Art in Deutschland. Das Orgelwerk mit 7269 Pfeifen, 113 Registern, 4 Manualen wurde von Wilhelm Sauer 1904 in Frankfurt/0der gebaut und von derselben Firma in den letzten zehn Jahren originalgetreu restauriert und unterhalten.


Die Sarkophage und Grabdenkmäler

Grundriß des Domes
mit Denkmalskirche
Der Dom mit Denkmalskirche
In der Predigtkirche befinden sich die sechs Grabmäler und Prunksarkophage der Hohenzollern aus der ehemaligen Denkmalskirche: Bronzegrabmal für Kurfürst Johann Cicero aus der Peter-Vischer-Werkstatt, die Sarkophage für den Großen Kurfürsten und Kurfürstin Dorothea von Johann Arnold Nehring, die Sarkophage für König Friedrich I. und Königin Sophie Charlotte von Andreas Schlüter, das Marmorgrabmal für Kaiser Friedrich III. von Reinhold Begas.


Sarkophag Friedrichs I.
und Sophie Charlotte
in der Denkmalskirche
Die Denkmäler in der Denkmalskirche
Sarkophag des Kurfürsten
Friedrich Wilhelm

Grabmal des
Kaisers Friedrich III.

Die Prunksarkophage und Grabdenkmäler in der Predigtkirche befanden sich ursprünglich in der 1975 gesprengten Denkmalskirche der Hohenzollern. In den Raumnischen waren separat die Grabdenkmäler für Kurfürst Johann Cicero und Kaiser Friedrich III. und paarweise die Prunksarkophage für den Großen Kurfürsten und Kurfürstin Dorothea aufgestellt, alle vier befinden sich jetzt unter der Orgelempore. Gemeinsam in einer Nische standen auch die Prunksarkophage des ersten preußischen Königspaares, Friedrich I. und Sophie Charlotte, jetzt unter der SüdemporeAußer den Grabmälern der Hohenzollern waren noch weitere Kunstwerke in de Denkmalskirche zu besichtigen. Das Marmordenkmal für den Fürsten Bismarck wurde von Reinhold Begas geschaffen. Von dem Denkmal konnte nur der Kopf gerettet werden.

Die Hauptkuppel der Predigtkirche erhielt Darstellungen der 8 Seligpreisungen aus der Bergpredigt (Mt. 5, 1-12).

Die je 39 m² großen, aus ca. 500.000 einzelnen farbigen Glassteinchen bestehenden Mosaiken wirkten aufgrund der Entfernung und der feinen Nuancierung des verwendeten Materials wie Gemälde. Ausgeführt wurden sie von der Berliner Mosaikfirma Puhl & Wagner und der italienischen Firma Johann Odorico.


Kirchliches Leben im Dom zu Berlin

1. Die Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin - offizieller Name der Domgemeinde - führt in ihrem, das Zentrum der Stadt dominierenden Gotteshaus ein dichtes gottesdienstliches Leben. Neben dem Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr, der für ausländische Gäste in die englische Sprache übersetzt wird, und dem Abendgottesdienst um 18 Uhr werden wochentags um 12 Uhr Mittagsandachten und um 18 Uhr Abendandachten von etwa einer Viertelstunde gehalten. Jeden Mittwoch führt der Kunstdienst der evangelischen Kirche eine Kunstdienstandacht durch. Jeden Donnerstag um 18 Uhr halten wir einen Evensong (ein musikalisches Abendgebet in englischer und deutscher Sprache). Jeden 2. Donnerstag im Monat findet um 20:00 Uhr (in den Sommermonaten um 21.00 Uhr) eine Taizé - Andacht statt. Ab 19:30 Uhr werden die Lieder angesungen.

2. Gottesdienste halten der eigenen Pfarrer der Gemeinde mit der offiziellen Bezeichnung Domprediger und einem Pfarrer im Entsendungsdienst. Predigtrecht haben nach der Domordnung der Leiter der Kirchenkanzlei der Union Evangelischer Kirchen in der EKD Präsident Dr. Dr. Wilhelm Hüffmeier und der Bischof von Berlin-Brandenburg Prof. Dr. Wolfgang Huber , der zugleich Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland ist . Der Domprediger lädt im Auftrag des Domkirchenkollegiums die Bischöfe der Landeskirchen sowie andere kirchliche Persönlichkeiten und Kirchenlehrer unseres Landes und der Ökumene ein, im Dom zu predigen.

3. Domorganist ist Andreas Sieling. In Gottesdiensten singen die Domkantorei unter Domkantor Tobias Brommann sowie der Staats- und Domchor unter der Leitung von Prof. Kai-Uwe Jirka.

Die Domkantorei veranstaltet mehrmals im Jahr Kantate-Gottesdienste. Domorganist Sieling und von ihm eingeladene Kirchenmusiker aus Berlin und anderen Städten spielen im 14-tägigen Turnus am Samstag um 18 Uhr eine Domvesper.

4. Alle Vormittagsgottesdienste werden mit Heiligem Abendmahl gefeiert, eine sonst in der Evangelischen Kirche seltene Übung. Kommen mehr als 500 Gottesdienstbesucher, feiern wir das Abendmahl als Wandelabendmahl. Die Gläubigen kommen vom Mittelgang der Predigtkirche in zwei Reihen, empfangen das Brot und gehen einige Schritte weiter und empfangen den Wein. Von dort gehen sie über die Seitengänge zu ihren Plätzen zurück. Das wandernde Gottesvolk in Bewegung, auf Wanderschaft - so wird dieses Abendmahl angekündigt. Am Altar teilen wir das Abendmahl mit acht Helfern aus. Es werden alle getauften Christen zum Abendmahl eingeladen. Unter den Gottesdienstbesuchern befinden sich Christen aus allen Teilen Berlins, aber auch viele auswärtige Besucher. Nicht nur der Dom als Gebäude, sondern auch die in ihm gehaltenen Gottesdienste ziehen viele Menschen an.

5. Gegenwärtig zählt die Domgemeinde 830 Mitglieder aus allen Teilen der Stadt und ihrer nahen Umgebung. In der Domgemeinde gehen laufend Anträge auf Aufnahme ein. Die Domgemeinde ist eine Personalgemeinde. Alle evangelischen Einwohner Berlins können ihr beitreten. Dazu ist ein schriftlicher Antrag an die Domgemeinde erforderlich. Dem schließt sich ein Gespräch mit dem Domprediger oder dem Pfarrer im Entsendungsdienst an. Das Domkirchenkollegium beschließt die Aufnahme.

6. Domprediger ist Friedrich-Wilhelm Hünerbein, der am 21.Mai 2000 in sein Amt eingeführt worden ist. Seit dem 1.Juni 2003 arbeitet Pfarrer im Entsendungsdienst Privatdozent Dr. Ralf K. Wüstenberg für eine begrenzte Zeit bei uns.


Aus dem Leben des Doms

Im ersten Halbjahr 2005 hat das Domkirchenkollegium 55 Gemeindeglieder und 8 Mitglieder in den Freundeskreis aufgenommen.

Die Zukunft vorbereiten
Im vergangenen Jahr hatte das Domkirchenkollegium beschlossen, eine Organisationsuntersuchung durch eine Unternehmensberatung durchführen zu lassen. Die vereinbarten Interviews mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Veranstaltungsbüro und dem Bereich Kirchliches Leben wurden im April und im Mai durchgeführt, die Ergebnisse und Empfehlungen der Berater dem Domkirchenkollegium Ende Mai übergeben. Auf seiner Sitzung am 22.Juni beschloss das Domkirchenkollegium die Empfehlungen so weit als möglich umzusetzen, um noch besser für die Aufgaben eine wachsenden Gemeinde gerüstet zu sein und im Veranstaltungsbereich die Ausstrahlung nach außen weiter zu verbessern. Dieser Prozess, der die Erfahrungen und Ideen der Mitarbeiter einbeziehen soll, wird die Bedeutung unseres Domes als einem Anziehungspunkt für anspruchsvolle Kirchenmusik und theologische und historische Vorträge und Veranstaltungen weiter ausbauen, stärker profilieren und gezielter in die Öffentlichkeit bringen.

Dom-Museum wird eingerichtet
Das Domkirchenkollegium hat entschieden, dass in den Räumen, die bei der Erbauung des Berliner Doms als Museum vorgesehen waren, wieder ein Dom-Museum eingerichtet wird. Es soll in einem ersten Schritt mit vorhandenen Modellen die Diskussion über die Bedeutung des Doms im 19. Jahrhundert dokumentieren, in einem weiteren Schritt dann auch die über 500-jähige Geschichte der Gemeinde, bedeutende Domprediger und die Entwicklung der Kirchenmusik am Dom.


Donnerstag, 07.06.07, 19.00 Uhr

Eröffnungskonzert der "Musiken zum Tagesausklang"

auf den Stufen des Berliner Doms.
Von Juni bis August jeden Donnerstag um 19 Uhr.