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Evangelische Kirchengemeinde Alt - Duisburg - Salvatorkirche

Entstehung
Konzeption der Kirchenmusik
Geschichte der Musik


Die Entstehung der Salvatorkirche
verdankt ihre Entstehung der Tatsache dass die fränkischen Könige an der Stelle des heutigen Burgplatzes einen Königshof als "Verwaltungszentrum" ihres Machtbereiches einrichteten und unterhielten.
"Zu Duisburg ist eine Kirche, von der jährlich 30 Schilling geleistet werden müssen."
"Der Prümer Kirche gehören in Duisburg 2/3 des Zehnten (wie es Rechtens ist), den der Pfarrer dieser Kirche behält"

Das ist die erste Erwähnung einer Kirche und zugleich eines Pfarrers in Duisburg. Sie findet sich in einem Heberegister der Abtei Prüm in der Eifel vom Jahre 893. Da diese, etwas 130 Jahre früher eingerichtete Abtei ebenfalls dem Salvator geweiht war, liegt der Gedanke an eine Übertragung des Patroziniums von dort auf unsere Kirche nahe. Dagegen spricht jedoch, dass nach anderen chronikalischen Quellen der Königshof "Thusburg", zu dem ja die Kirche gehörte, bis zum Jahre 887/888 im Besitz oder in der Nutzungsgewalt der Abtei St. Salvator zu Herrieden an der Altmühl stand. Als König Arnulf die Abtei in dem genannten Jahr dem Bistum Eichstätt übertrug, behielt er sich den Königshof Duisburg ausdrücklich vor und wird ihn erst dann, also um 890 an die Abtei Prüm gegeben haben.

Wahrscheinlich geht das Duisburger Salvator Patrozinium also auf die Abtei Herrieden zurück, es kann aber auch schon älter sein da der Salvator häufig als Patron für Pfalzkapellen gewählt wurde. Spuren dieser ältesten Kirche aus dem 9. Jahrhundert, eines einfachen Holzbaues, konnten unter der heutigen Salvatorkirche nachgewiesen werden. Im 10. Jahrhundert wurde sie durch einen schlichten Steinbau ersetzt, der in direktem baulichem Zusammenhang mit den groß angelegten Pfalzbauten dieser Epoche stand. Nur geringe Baureste die bei archäologischen Untersuchungen aufgedeckt wurden, lassen einen weiteren entschieden größeren Nachfolgebau aus der Zeit um die Jahrtausendwende vermuten. Mit größter Wahrscheinlichkeit aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt dann die große romanische Kirche, die bis ins 14. Jahrhundert stand. Sie wird in der gleichen Zeit errichtet worden sein wie auch die Häuser am Burgplatz, deren Erbauung König Konrad III. 1145 nachträglich genehmigte. Die Entwicklung Duisburgs zur Stadt war damals in vollem Gange, eine Entwicklung, zu der die Salvatorkirche in enger Beziehung stand. Das älteste (vor 1234 bis 1275) überlieferte Stadtsiegel zeigt den thronenden Salvator mit erhobener rechter Segens- oder Schwurhand, in der linken ein Buch haltend. Die Umschrift lautet: SALVATOR MUNDI PATRONUS IN DUSBURG (Erlöser der Welt, Patron Duisburgs).

Die jetzige, die gotische Salvatorkirche bauten wahrscheinlich die Deutschen Ordensritter, an die 1254 das Patronat von Salvator gefallen war (bis 1553). Eine Anzahl von Stadtrechnungen sowie einige Notizen späterer Chroniken sind die einzigen Quellen zur Baugeschichte.


Konzeption der Kirchenmusik
in der Ev. Kirchengemeinde Duisburg-Innenstadt, Salvatorkirche
Zur Situation der Kirchenmusik in der Gemeinde - eine Beschreibung eines Arbeitsfeldes
Kirchenmusik in der Ev. Kirchengemeinde richtet sich an Musizierende und Hörende. Sie verwirklicht die stetige Verknüpfung von Wort und Musik und ist somit wesentlicher Bestandteil des Verkündigungsdienstes in der Gemeinde. Sie erfüllt darüber hinaus pädagogische, wie soziale Aufgaben.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Mitgestaltung von Gottesdiensten. Hierzu zählt die musikalische Gestaltung von Trauungen, Schul-, Wochenschluß- und von sonn- und feiertäglichen Hauptgottesdiensten. Zentrales Medium ist hier die Orgel. Im Gottesdienst erklingt neben Orgelliteratur auch Improvisation. Mit dem Musizieren aus dem Stehgreif nutzt der Organist die Möglichkeit, direkt auf Inhalte und Stimmungen musikalisch einzugehen, zu interpretieren und somit zu verkündigen. Alles rankt sich musikalisch um den Gesang der Gemeinde, der geleitet werden will. Zusätzlich erklingt wenigstens einmal im Monat besondere Musik im Gottesdienst (größer angelegte Kirchenmusik, Chormusik, Instrumentalmusik, Solisten, Kantaten).

Einen weiteren kirchenmusikalischen Schwerpunkt in der Salvator-Gemeinde bildet das Singen und Musizieren in Gruppen verschiedener Altersstufen. Folgende Kreise musizieren regelmäßig:

Die Kinder im Kindergarten:
Die Kindergartenkinder am "Burgacker" singen wöchentlich mit dem Kantor. Ziele sind ein selbstverständlicher Umgang mit Gesang, das Kennenlernen weltlicher und geistlicher Lieder, die Beratung und Hilfe für Erzieherinnen und auch das persönliche Kennenlernen für die spätere Weiterarbeit in der Schule. Eine Kindergarten-CD ist kürzlich in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen erschienen.

Die Kinderchöre:
etwa 50 Kinder treffen sich einmal wöchentlich in zwei Gruppen aufgeteilt. Die "Kinderkantorei der Salvatorkirche" vereinigt sich mit dem Schulchor der Grundschule Obermauerstraße. In den Proben und an Kinderchorwochenenden werden weltliche und geistliche Lieder und Kinderkantaten einstudiert. Spielerisch geschieht Stimmbildung und allgemeine Musiklehre. Auch Gehörbildung steht auf dem Programm. Die Kinder treten in der Gemeinde bei Gemeindefesten, Adventliedersingen, beim jährlichen Kurrendesingen, in Gottesdiensten und bei Schulveranstaltungen auf. Höhepunkte waren bisher mehrere von Uwe Maibaum komponierte szenische Kinderkantaten, so z.B. das "Mäusemusical", "Noahs Arche", "Der Rattenfänger" und "Israel in Ägypten".

Das Seniorensingen:
etwa 12 Damen singen aus 'Spaß an der Freud' - Choräle, Neue geistliche Lieder, Kanons, weltliche Lieder und bis zu dreistimmige Kompositionen. Die wichtigste Abmachung ist: 'jeder singt so gut er kann, aber niemals öffentlich!"

Verschiedene Gruppen, die vom Kantor der Gemeinde kirchenmusikalisch angeleitet und motiviert werden. Hierzu zählt gemeinsames Singen in verschiedenen Gemeindegruppen (Frauenhilfe, Konfirmanden, Frauenfrühstück, Krabbelgottesdienst, Mitarbeiterkreis), aber auch Orgel- und musikalische Kirchenführungen z.B. mit Schulklassen.

Die Kantorei der Salvatorkirche:
70 bis 80 Sängerinnen und Sänger treffen sich zu wöchentlich ein bis zwei Proben ( montags die Hauptprobe, donnerstags nach Absprache die 'Tönelernprobe' und 'Chorschule') und zu unregelmäßig stattfindenden Chorwochenenden. Die Gruppe setzt sich aus auch aus der Region kommenden chorerfahrenen Sängerinnen und Sängern verschiedenster Altersstufen (14 - 70) zusammen, die sich bewußt zum Machen von Kirchenmusik entschieden haben. Sie wollen das im Raum der Salvatorkirche tun. Sie sind besonders daran interessiert, Kirchenmusik in großer Form und hoher Qualität zu machen. Sie investieren hierfür Zeit und auch Geld (Mitgliedsbeiträge für die Förderer / Fahrtkosten). Sie sind gerne bereit, an Gottesdiensten in Salvator teilzunehmen und diese aktiv mitzugestalten. Viele der Sängerinnen und Sänger fühlen sich der Innenstadtgemeinde eng verbunden, einige seit Jugendzeiten. Die Kantorei der Salvatorkirche ist die die Kirchenmusik der Gemeinde am meisten prägende Gruppe. Mit diesem Chor fungiert die Salvatorkirche als erste Duisburger Kirchenmusikadresse.

Das Niederrheinische Vocalensemble Duisburg:
ist ein der Innenstadtgemeinde eng verbundener selbstständiger Chor. 20 erfahrene Chorsängerinnen und Chorsänger spezialisieren sich vorwiegend auf A-capella-Musik. Musik des 20sten Jahrhunderts spielt in den Arbeitsphasen eine große Rolle, aber auch die Mitwirkung bei großen Kantoreiaufführungen (Brahms, Ein deutsches Requiem / Bach, Matthäuspassion) stehen auf dem Programm. Eine CD mit dem Titel DUISBURGER KIRCHENMUSIK ist erschienen.

Neben der kirchenmusikalischen Ausgestaltung der Gottesdienste und dem Angebot, verschiedenster musizierender Gemeindegruppen sind ein dritter Schwerpunkt kirchenmusikalischer Arbeit die KONZERTE IN DER SALVATORKIRCHE. Ein breitgefächertertes Angebot von Jazz bis Klassik, von der alten bis zur zeitgenössischen Musik, von Orgel- über Kammermusik bis hin zu groß besetzten Oratorien verteilt sich mit 15-20 Konzerten über das Jahr. Es wird konsequent der Anspruch verfolgt, daß Konzerte Gottesdienste sind. Es findet eine enge Verknüpfung von Musik und Theologie statt, somit eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Theologen (Carl Dieter Hinnenberg, Dr. Dirk Siedler, Dr. Martin Petzold, Prof. Ton Veerkamp, Dr. Mitri Raheb). Insbesondere die Projekte der Kantorei zeugen hiervon, so z.B. der Schöpfungstag auf dem Hüttengelände in Meiderich, das Projekt ‚Joshua' in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde, das Elia-Projekt mit der Konzertreise nach Israel.

Eine enge Kooperation findet mit der Stadt Duisburg (z.B. DUISBURGER AKZENTE, Musikfestivals), mit dem Filmforum der VHS (Film, Predigt und Musik) und mit dem Festivalbüro, auch in Zusammenarbeit mit dem Konzertbüro U. Fild, ("Jazz in Salvator") statt. Die Zusammenarbeit mit hochrangigen Solisten wie Peter Lika, Wilfried Jochens, Monika Frimmer, Barbara Dennerlein, Ludwig Güttler und vielen anderen, das gemeinsame Musizieren mit den Duisburger Philharmoniker, aber auch mit Musikern, die auf historische Aufführungspraxis spezialisiert sind (Concerto Köln, La Stravaganza Köln, Musica Antiqua Köln), gewährleisten ein hohes musikalisches Niveau, ein abwechslungsreiches Angebot und einen festen Stammplatz im kulturellen Angebot der Region.

Nähere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen erhalten sie bei der Kirchengemeinde oder unter www.salvatorkirche.de


Geschichte der Musik in der Salvatorkirche
1359 Meister Wilhelm gilt als der frühest bekannte Duisburger Musiker. In den Quellen taucht er als vedeler und citarista auf. Er ist von der Stadt angestellt und wird einmal jährlich zur Fortbildung auf die Spielmannsschule in Utrecht geschickt. Neben weltlichen Auftrittsorten ist auch sein Musizieren in Salvator und bei der Fronleichnamsprozession belegt. Ende des 14. Jahrhunderts Spielleute, die bei der Stadt Duisburg im Dienst stehen, musizieren nachweislich mehrstimmige Musik im Gottesdienst der Salvatorkirche - ein wichtiger Beweis dafür, daß mehrstimmige Musik zu dieser Zeit nicht nur an Königs- und Kaiserhöfen stattfand. Aus den Stadtrechnungen erfährt man: ... den Speeloyden in Sancto Salvatoriskirchen 14 Pfennig.

10. September 1515
Eine neue Orgel wird in Auftrag gegeben. Der angesehene Orgelbauer Hans Süß aus Köln baut ein Instrument mit einem kunstreichen Orgelkasten von Alt-Gothischer Arbeit und Facon und fordert bei der Übergabe neben dem vereinbarten Lohn die grothe Pype vollgefüllt mit Wein. 1554 Der Organist Meister Johann Wilack wird von der Stadt angestellt und soll zu stillen Zeiten, also an Sonn- und Feiertagen die Orgel spielen. Er erhält hierfür eine Vergütung von 20 Talern und 2 Fudern Brennholz jährlich und das Recht - wenn es genügend Eicheln gibt - 4 Schweine im Wald zu mästen.

16. Juni 1744
Der Organist meldet dem Rat, daß die Orgel ganz durch die Ratzen verdorben sei. Man könne nicht mehr spielen und sich im Singen nicht mehr danach richten. 1751 wird eine neue Orgel bei Johann Wilhelm Schöler in Auftrag gegeben.

1852
Der Duisburger Gesangsverein wird gegründet. Der Emmericher Pastorensohn Albrecht zur Nieden führt in Duisburg - meißt in der Tonhalle, aber auch in der Salvatorkirche - sämtliche großen Oratorien auf (u.a. Haydn, Schöpfung; Händel, Joshua, Judas Maccabäus; Mendelssohn, Elias). Teilweise wird wegen des Geldmangels der Orchesterpart von einem kleinen Ensemble mit Klavier, Klarinette, Flöte, Violine und Baß musiziert. Die Solopartien sangen Choristen. Der Nachfolger Albrecht zur Niedens, Carl Laue, beginnt die Zusammenarbeit mit der Brandtschen Kapelle, dem Vorläufer der Duisburger Symphoniker.

1904
Im Rahmen einer Generalüberholung wird eine neue Orgel gebaut. Die Firma Walker, eine der besten Orgelbaufirmen der deutschen Romantik, stellt das Instrument auf die neu errichtete Empore. Die Orgel wird im Krieg ausgelagert und zerstört.

1910
Das 5. Bach-Fest findet in Duisburg statt. Kantor Paul Fischer leitet zu dieser Zeit den Salvatorkirchenchor und gibt alle 3 Monate eine musikalische Feierstunde.

1951
Der aus Leipzig stammende Kichenmusiker Konrad Voppel gründet die Kantorei der Salvatorkirche. 1952 findet das erste Weihnachtsliedersingen nach dem Vorbild der Leipziger Tradition statt. Unter der Leitung von KMD Konrad Voppel entwickelt sich die Salvatorkirche zum kirchenmusikalischen Zentrum Duisburgs. Solisten wie Peter Schreier, Hans Joachim Rotzsch, Karl Ridderbusch und Adalbert Kraus musizieren mit der Kantorei sämtliche große Oratorien der letzten Jahrhunderte unter besonderer Berücksichtigung der Musik von Bach und Mendelssohn. Eine Orgel mit 4 Manualen und 68 Registern wird von der Firma Hammer 1964 fertiggestellt.

1991
Nachfolger im Kantorenamt ist Uwe Maibaum. Er versucht eine möglichst vielfältige Kirchenmusik in der Gemeinde zu initiieren. Das Singen mit Kindergartenkindern und dem Kinderchor, das Musizieren mit Senioren und Gemeindegruppen und die Erarbeitung großer Chorliteratur mit der Kantorei der Salvatorkirche geschieht neben ausgeprägter Kirchenmusik im Gottesdienst und vielseitigem Angebot von Kirchenkonzerten.

Neben Orgel- und Kammerkonzerten erklingen in Salvator Oratorienaufführungen auf hohem Niveau, aber auch experimentelle Veranstaltungen wie ‘Jazz in der Kirche’, die ‘Poetische Nacht’ oder der ‘Gesangbuchmarathon’, eine Veranstaltung, an der etwa 500 Aktive - Gemeindemitglieder, Kirchenmusiker und Pfarrer des Kirchenkreises Duisburg-Süd - das gesamte neue Gesangbuch zu dessen Einführung durchmusizierten.

Das Zusammenwirken von Kunst, Literatur und Musik soll neben dem klanglichen Erlebnis eine inhaltliche Auseinandersetzung ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist der "Schöpfungstag ‘93" mit der zweimaligen Aufführung von Haydns Schöpfung in einem stillgelegten Hochofen auf dem Hüttengelände in Meiderich und in der Salvatorkirche. Ein Rahmenprogramm gibt der alten klassischen Komposition neue Blickwinkel.

Ähnliches geschah 1998 mit dem ‘Elias’ von Felix Mendelssohn Bartholdy und einer inhaltlich darauf abgestimmten Reise nach Israel .

Ein Fördererverein unter dem Vorsitz des Direktors der Stadtsparkasse Duisburg - Alfred Reifenberg - hilft, den hohen kirchenmusikalischen Anspruch der Kirchengemeinde Duisburg - Innenstadt zu finanzieren.

Im Jahre 2002 wurde die neue Salvatororgel eingeweiht. Es ist ein Instrument mit 41 Registern auf 3 Manualen. Gebaut wurde es von der Firma Kuhn / Männedorf.

Seit April 2007 ist Marcus Stümpe neuer Kantor der Salvatorkirche. Weitere Informationen zu seiner Person finden sie hier >>