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Die Gemeinde der St. Marienkirche Ziegenhain

Die Marienkirche Ziegenain


Die Marienkirche Ziegenhain

Am Rande einer großen Stadt liegt unterhalb des Fuchsturmes die alte Wallfahrts- und Wehrkirche zu Ziegenhain im schönen Ziegenhainer Tal. Die alte Marienkirche ist bis heute unvollendet geblieben. Im geplanten hohe Chor befindet sich jetzt die heutige Dorfkirche. Die Außenmauern des Querschiffes und der Wehrturm bilden ein romantisches Atrium, das sich in der Sommerzeit besonders gut für Soireen und Chorkonzerte eignet.

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Marienkirche zu einem beliebten Ort der Besinnung und Einkehr mit kulturellen Schwerpunkten am Rande des pulsierenden Jenas entwickelt. Eine lebendige christliche Gemeinde fehlt um die Kirche herum, aber gern kommen Menschen auf den alten Wallfahrtspfaden hinaus. Als Trau- und Taufkirche ist sie schon lange ein Geheimtipp. Eine kleine Gruppe bemüht sich das Flair der Marienkirche umzusetzen und den Altar "warm" zu halten. Der Schwung von der Restaurierung der Gerhard-Orgel wurde versucht aufrecht zu erhalten und mit den Ziegenhainer Abendmusiken, musikalischen Andachten und erlebnisbetonten Gottesdiensten traditioneller liturgischer Form mit Gottes Hilfe der Kirche neues Leben für Kirchennahe und Kirchenferne ökumenisch einzuhauchen. Noch vor 20 Jahren fanden nur gelegentlich hier Gottesdienste statt. Inzwischen sind allsonntäglich am Spätnachmittag die Kirchentüren für Gottesdienste und musikalische Andachten geöffnet.

Wanderer und Spaziergänger schauen gern herein und nehmen in den Kirchbänken Platz. Aus den verschiedenen Stadtteilen Jenas pilgern vor allem auch ältere Menschen nach Ziegenhain. Die Besucherzahlen sind sehr unterschiedlich. Je nach Programm und Wetterlage ist der Kreis manchmal sehr klein, was uns nicht entmutigt, oder man drängt sich bis zur Empore. In diesem Jahr stand immer wieder der Wallfahrtsgedanke im Mittelpunkt.

Der Kirchenbesucher wandert aus der Enge der Stadt heraus durch die grünende Natur, um im kühlen Kirchenraum Ruhe und Besinnung zu finden. Das weitet die Seele. Traditionell um den Sonntag Rogate herum finden meist die Kirchgangsgottesdienste statt, die an dem Wallfahrtsgedanken unmittelbar anknüpfen. Die Kirchenbesucher treffen sich an der Busendstelle Ziegenhainer Tal und nach Gebet und Lied "pilgert" man gemeinsam zur Kirche. An verschiedenen Punkten begrüßen Posaunen oder andere Instrumente, finden Lesungen statt. Von dem gemeinsam Erlebten erfüllt, betritt man die Kirche, wo der Gottesdienst fortgesetzt wird. "Das Kirchejahr bewusst erleben" zählt zu den sehr geschätzten Gottesdienstreihen. Seit vielen Jahren werden in besonderer Form der heute oft in Vergessenheit geratenen kirchlichen Feste gedacht. Dazu gehören u. a. Epiphanias und Lichtmess. Hier fühlen wir uns besonders mit unseren katholischen Brüdern und Schwestern verbunden. Besonders gestaltet wird Lätare, was zu meist den Schlesiern nur noch bekannt ist. Palmarum nehmen wir Abschied von der Winterkirche und ziehen mit Palmwedeln hinter dem Vortragekreuz wieder in die Hauptkirche. In der Predigt wurden dabei in den vergangenen Jahren immer wieder andere Gruppen betrachtet, die Jesus Einzug beobachteten. Das Trinitatisfest eröffnete in diesem Jahr die Konzertsaison. Zur Erinnerung an das Kriegsende und die Zerstörung Dresdens vor 60 Jahren erklang die eindrucksvolle Trauermottete des Kreuzkantors Rudolf Mauersberger nach den Klageliedern.

In den meisten Konzerten steht unsere mit viel Liebe restaurierte Gerhard-Orgel im Mittelpunkt. An ihr spielten u.a. Matthias Grünert, Matthias Eisenberg.

Alle Konzerte begleiten Lesungen und Kurzpredigten. Eine Besonderheit ist in jedem Jahr der Ziegenhainer Advent, der eine hohe Anziehungskraft ausstrahlt. Er beginnt mit einem Chorkonzert des Madrigalkreises und endet mit einem Lichtergottesdienst zum Beginn der Weihnachtswoche. Letzterer wird sehr gern auch von ältern Menschen angenommen, denen Heiligabend die Kirche zu voll ist, oder die über Weihnachten verreist sind. Das sind nur ein paar Splitter vom Ziegenhainer Kirchgeschehen, um das sich eine kleine Gruppe unermüdlich bemüht, um die Kirche für die Stadt und zur Stadt zu öffnen.