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Die Gemeinde St. Petrus
in Recklinghausen

Die Geschichte
Ausstattung
Die Glocken


Die Geschichte
Warscheinlich ist die Kirche St. Petrus in Recklinghausen aus einer Kapelle der an den Hauptverkehrswegen angelegten Haupthöfe entstanden. Dies belegen Ausgrabungen, die Anfang des 20. Jahrhunders gemacht wurden. Das genaue Datum und Aussehen ist jedoch nicht bekannt.

1247 wütete ein furchtbarer Brand in der Stadt, der viele Häuser und auch die Kirche zum Teil stark beschädigte. Die Menschen bauten erst ihre Hauser wieder auf, Geld für einen Kirchenneubauz war nicht vorhanden. Der Erzbischof schrieb an die Umliegenden Pfarrer, die Almosensammler freundlich aufzunehemn und sie vor allen anderen zu bedienen und versprach den Spendern Ablaß.

Im Jahre 1500 fand erneut ein verherender Stadtbrand statt, bei dem jedoch einen Teil der Kirche erhalten blieb, so daß Gottesdienste abgehalten werden konnten. Lediglich der Turm wurde schnell wieder aufgebaut, da er auch als Wachturm diente, der die Stadt und das Umland übersah.

Dieser Turm erhiehlt dann auch neue Glocken, sie wurden vom sehr bekannten Glockengießer Gerhard van Wou gegossen (siehe unten).

Den Grundstein des Kirchenwiederaufbaus und Erweiterung legte der Baumeister, Hendric de Suer aus Coersfeld, im Frühjahr 1519 persönlich.

Die Einweihung fand am 17. September 1525 statt, die Petruskirche wurde feierlich eingesegnet.

Im 17. Jahrhundert litt die Bevölkerung von Recklinghausen stark unter dem Dreißigjährigen Krieg, es gab eine schwere Petwelle, die viele Menschen hinwegraffte und eine erneute Feuererstbrunst erschwerte den Aufbau und die Instandhaltung der Gebäude. Viele Häuser wurden nach dem Krieg nicht weider aufgebaut, der Kirche fehlten die Mittel zur Renovierung iund der Handel und Handwerk satnden still. 1652 stürzte der baufällig gewordene Turm der kirche ein. Trotz der Finanznot beschloß die Kirche, einen neuen Turm zu bauen und beauftrage noch im selben jahr einen Baumeister, dessen Arbeit jedoch nicht vollendet wurde. Erst im Jahre 1670 stand der Turm fertig wieder errichtet.

In der Zeit danach erfuhr die Kirche immer wieder Erneuerungen und Renovierungen, da durch die Brände auch die Substanz angegriffen war.

1931 wurde die herausragende Stellung der Kirche in den Anfängen des Christentum gewürdigt, indem sie zur Probsteikirche erhoben wurde, eine bis dahin seltene Auszeichnung einer Industriestadtkirche.

Im zweiten Weltkrieg versank die Kirche dann fast ganz in Trümmern, eine Luftmine detonierte nahe des Gebäudes und beschädigte es schwer. Die Aufbauarbeiten wurden jedoch schon 1949 eingeleitet.

Ausstattung
Die Ausstattung der Kirche an Kunstschätzen ist recht gering, da die Feuerstbrünste von 1247 und 1500 vieles der alten Schätze zerstörten. Doch ein paar sehr vertvolle Dinge gibt es zu sehen.

Der sogenannte Baumeisterkopf, der hoch unter dem Gewölbe sitzt, ist nicht ganz eindeutig dem Baumeister zuzuordnen. Dem Platz nach muss des der erbauer nach 1500 gewesen sein, dem Kunststil nach kommt er aus dem 13. Jahrhundert. Vielleicht wurde er einfach als Stützstein wieder verwendet.

Weitere Kunstgegenstände sind einer kostbaren Sammlung sakraler Geräte - Monstranz, Meßkelch, Ziborien und ein Weihrauchfaß. Einige ertvolle Figure und Bilder sind zu sehen, sowie ein frühbarocker Taufstein.

Die Glocken
Der Kirchturm von St. Peter in Recklinghausen beherbergt seit 500 Jahren drei ganz besondere Kostbarkeiten. In kultur- und musikgeschichtlicher Hinsicht sind sie nicht nur für die Region, sondern auch deutschland- und europaweit äußerst bedeutsam. Es handelt sich dabei um die im Jahre 1500 von dem niederländischen Meister Gerard van Wou gegossenen Glocken, die die Namen St. Peter, St. Johannes und Maria tragen.

Gerard van Wou, der unter den Glockengießern einen ähnlichen Ruf genießt wie Antonio Stradivari unter den Geigenbauern, verstand es - wie niemand vor und nur wenige nach ihm - Glocken zu fertigen, die in ihrer Tonfülle und formalen Schönheit ihresgleichen suchen. Klanganalysen zeigen, dass sie eine Klangfarbenpalette aufweisen, die sogar modernen Schöpfungen häufig überlegen ist. Die Van-Wou-Glocken hat man deshalb auch lange nach dem Tode ihres Gießers' immer wieder versucht zu kopieren. Insgesamt existieren von diesem bedeutenden und einst sehr produktiven Meister in Deutschland noch fünfzig Glocken.

Die St.-Peter-Glocke in Recklinghausen ist die achtgrößte Van-Wou-Glocke in Deutschland und die vierzehntgrößte in ganz Europa. Die drei alten Glocken im Turm der Recklinghäuser Petruskirche - St. Peter, St. Johannes und Maria -bilden zusammen schließlich eines von nur noch zwei vollständig erhaltenen (Dreier-) Geläuten Gerard van Wous in ganz Deutschland. Das andere befindet sich im Braunschweiger Dom. Selbst die Gloriosa in Erfurt, die wohl bekannteste und größte Glocke dieses niederländischen Glocken- und Geschützgießers hat heute keine Original-Geschwister mehr.


St. Peter ist die größte der drei Glocken, die Gerhard van Wou und seine Helfer im Jahre 1500 gegossen haben.

St. Johannis, die zweitgrößte der drei Van-Wou-Glocken.

Maria ist die kleinste der drei Recklinghäuser Van-Wou-Glocken.

Foto: aus "Eine kleine Geschichte der Glocken und die Glocken von St. Peter in der Geschichte" von Christoph Thüer
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Bilder: Gerd Demes, Recklinghausen