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Pleyel, Ignaz Joseph

Vielseitiges Talent ~ Komponist, Verleger und Klavierbauer

Der am 18.06.1757 in Ruppersthal/NÖ als Sohn eines Vollblutpädagogen und Chorleiters geborene Ignaz Joseph Pleyel - um das Jahr 1800 einer der meist gespielten Komponisten Europas - erlernte sehr früh das Spiel auf Geige und Orgel. Sein unglaubliches Talent blieb dem Vater nicht verborgen - in Wien fand Ignaz Joseph in Johann Baptist Vanhal seinen ersten Lehrer. Dessen Mäzen, Graf Ladislaus Erdödy, finanzierte dem begabten Knaben alsbald ein Studium bei Franz Joseph Haydn.

In dieser Zeit schrieb Pleyel eine seiner beiden Opern - die Marionettenoper „Die Fee Urgele“ -oder - "Was den Damen gefällt", die nach der Uraufführung in Esterháza auch im Nationaltheater zu Wien dargeboten wurde. Gleichzeitig entstanden die ersten von insgesamt 41 Sinfonien. Sein Förderer Graf Erdödy - bei dem Ignaz Joseph Pleyel Kapellmeister in Pressburg wurde - finanzierte ihm Bildungsreisen nach Italien, wo man die Kompositionen des "feurigen und sehr geschickten" Pleyel sehr positiv aufnahm.

Acht Jahre lang war er zunächst Vizekapellmeister, dann Domkapellmeister am Münster in Straßburg. In dieser Zeit komponierte Pleyel zahlreiche Sakralwerke (ein Requiem, Messen sowie weitere diverse Kirchenmusik - seine Orgelkompositionen sind leider einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen). 1791 nahm er die Einladung an, die "Professional Concerts" in London zu leiten. Von Revolutionsgarden verhaftet, rettete er sich, indem er eine effektvolle Revolutions-Kantate auf die Französische Revolution schrieb.

Seine vielfältigen Kompositionen - vor allem auf kammermusikalischem Gebiet - zeichnen sich durch Charme, liebenswürdige musikalische Noblesse und Reichtum an thematischem Erfindungsgeist aus. Es sind lebendige und leuchtende Werke - voller Eleganz und angenehmer Frische. Mozarts Brief vom 24.4.1784 an seinen Vater Leopold ist wohl nichts hinzuzufügen:

„Dann sind dermalen Quartetten heraus von einem gewissen Pleyel; dieser ist ein Scolar von Joseph Haydn. Wenn sie selbige noch nicht kennen, dann suchen Sie sie zu bekommen; es ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben und sehr angenehm. Er wird seinen Meister gleich heraus hören. Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit imstande ist, uns Haydn zu remplacieren.“

Pleyel widmete diese seine Streichquartette Opus 2 (Ben 307-312) von 1784 seinem Lehrer Haydn als Zeichen der ewigen Dankbarkeit mit folgenden Worten: „Sei quartetti composti e dedicati al celeberrimo e stimatissimo fu suo Maestro il signor Gius. Haydn in segno di perpetua gratitudine.“

Pleyels Musik erfreute zu seinen Lebzeiten das Publikum von St. Petersburg bis New York. In 2000 Ausgaben bei 250 Verlagen in etwa 50 Städten Europas und Nordamerikas wurden seine Kompositionen in Umlauf gebracht. Auch zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften aus Pleyels Periode beweisen, das er beliebt war.

Inzwischen seit sieben Jahren verheiratet, übersiedelt Ignaz Joseph Pleyel 1795 mit seiner Familie nach Paris und gründet zwei Jahre später dort einen marktbeherrschenden Musikverlag. Die „Maison Pleyel“ verlegt 4000 Musikstücke, darunter die gesamten Streichquartette Haydns, Werke von Beethoven, Mozart, Hummel und Boccherini. Zusammen mit dem damals berühmten Pianisten Jan Ladislaus Dussek verfasste Pleyel 1797 eine originelle Klavierschule („Nouvelle Mehtode de Pianoforte contenant les principes du doigte“). Diese sowie eine preiswerte „Taschenpartitur“ machten Furore.

1807 eröffnet Pleyel in Paris Europas größte Klaviermanufaktur. Die innovative Technik der Klaviere entspricht dem „Sound“ der Zeit - die Marke Pleyel steht für vollen Klang und weichen Anschlag. Mit ihrer englischen Mechanik wurden die Klaviere besonders von den Komponisten der Romantik - wie z.B. Chopin, später von Rubinstein, Grieg oder Cortot hoch geschätzt.

1824 übernimmt Sohn Camille, selbst Klaviervirtuose, das florierende Unternehmen, welches auch Harfen und Cembali fertigt. Später übersiedelt die Manufaktur ins südfranzösische Alès, wo sie noch heute unter dem jetzigen Besitzer Hubert Martigny jährlich etwa 1000 Klaviere erzeugt.

Gemeinsam gründeten Ignaz Joseph und Camille Pleyel die „Salle Pleyel“ (zunächst Salon Pleyel), die in den 1830er Jahren zur Pariser Institution wurden. Die „Attraktion“ des Eröffnungskonzertes war eine Komposition von Kalkbrenner für sechs (!) Klaviere - welche allerdings bei der Einweihung des zweiten Pleyel-Saales im Dezember 1839 von einem Konzertstück für acht (!) Klaviere noch „übertroffen“ wurde. In den Sälen nahe der Manufaktur debütierten César Franck und Camille Saint-Saens - hier brillierte Chopin.

Ignaz Joseph Pleyel starb am 14. November 1831. Seine letzte Ruhestätte fand Pleyel in einem Ehrengrab auf dem Pariser Prominentenfriedhof Père-Lachaise.

Seit 1995 befaßt sich die Internationale Ignaz-Pleyel-Gesellschaft (IPG) (gegründet von ihrem Präsidenten, Adolf Ehrentraud) mit Leben und Werk des Ruppersthaler Tonkünstlers, birgt seine Schätze aus den Archiven in aller Welt und spielt sie ein - darunter wahre Edelsteine, die sowohl die Zuhörer, als auch die ausübenden Musiker zum Staunen bringen.

Verschiedene Sätze aus den begeisternden Werken von Ignaz Joseph Pleyel sind bei YouTube zu hören:


Quellen: Adolf Ehrentraud - www.pleyel.at
Ingeborg Waldinger - Wiener Zeitung - 16.06.2007