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Orgelkonzert in St. Wenzel Naumburg
am 16.06.2017 um 14 Uhr

Zum wiederholten Mal findet im Rahmen des Bachfestes Leipzig ein Konzert in St. Wenzel Naumburg statt: Am Freitag, dem 16. Juni 2017, führt eine Orgelfahrt unter dem Motto „Wie enstehen Meisterwerke? – Der Naumburger Meister und »Bachs« Orgel in St. Wenzel“ die Gäste des Bachfestes in den Naumburger Dom und 14 Uhr zu Kirchenführung, Orgelkonzert und Orgelführung in die Stadtkirche St. Wenzel.

Nach einführenden Worten zur Kirche von Pfarrerin Christina Lang (Naumburg) gestaltet Wenzelsorganist David Franke ein Programm mit Werken Johann Sebastian Bachs an der weltberühmten Hildebrandt-Orgel von 1746, der einzigen heute noch in ihrer Gesamtheit erhaltenen Orgel, an deren Planung Johann Sebastian Bach beteiligt war. Bach war es auch, der das Instrument mit seinen 53 Registern auf drei Manualen und Pedal am 27. September 1746 gemeinsam mit Gottfried Silbermann prüfte und abnahm. Das originale Abnahme-Gutachten mit Unterschriften und Siegeln beider Examinatoren befindet sich noch heute im Naumburger Stadtarchiv.

Als Rahmen des Konzertes dient Bachs Werkpaar „Fantasie und Fuge g-Moll“ BWV 542, bei dem jeweils der volle Orgelklang, das „Organo pleno“ zu hören ist. 
Die zu Konzertbeginn erklingende Fantasie in g-Moll geht in ihrer schmerzlichen Chromatik weit über die Harmonik der Barockzeit hinaus. Vermutlich hängt das Werk biografisch zusammen mit dem Tod von Bachs erster Ehefrau Maria Barbara (gest. d. 7. Juli 1720). Neben dem Plenoklang der Orgel - mit tiefer Posaune 32’, die dem Werke eine beeindruckende Gravität gibt - erklingt in der Fantasie auch eine besondere Registrierung mit vier 8-Fuß-Grundtonregistern, die einer durch den Bachschüler Johann Friedrich Agricola beschriebenen Registrierung nachempfunden ist, welche „eine schöne und fremde Wirkung that“.
Als Schlussstück des Konzertes erklingt die Fuge in g-Moll, von der man annimmt, dass Bach sie anlässlich seiner Bewerbung um die Organistenstelle an St. Jacobi Hamburg 1720 improvisierte und erst später zu Papier brachte.

Innerhalb dieses Rahmens von „Fantasie und Fuge g-Moll“ kommen Werke Johann Sebastian Bachs zur Aufführung, die in engem zeitlichen Zusammenhang zu seiner 1746 erfolgten Abnahme der Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel Naumburg stehen. 
Johann Sebastian Bachs "Schübler-Choräle", auch bekannt als "sechs Choräle von verschiedener Art", wurden vermutlich zwischen 1747 und 1749 durch den Verleger Johann Georg Schübler veröffentlicht. Man kann sich vorstellen, wie inspiriert Bach von den kammermusikalischen Klangfarben der Hildebrandt-Orgel, etwa dem Fagott 16’ oder den Streichern 8’ und 4’ im Rückpositiv (Klangfarben, die Bach auch schon Jahrzehnte früher bei seinem Gutachten zum Umbau der Wender-Orgel in Divi Blasii in Mühlhausen 1708 empfohlen hatte), gewesen sein muss. Vielleicht war dies auch ein möglicher Anlass für die Schübler-Choräle, denn fünf der sechs Choräle sind Transkriptionen eigener Kantatensätze Bachs. Die instrumentalen Klangfarben aus Bachs Kantaten lassen sich jedenfalls mit den kammermusikalischen Registerfarben der Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel - von Agricola wurden solche Register als „Galanteriestimmen“ bezeichnet - hervorragend umsetzen und bringen bezaubernde Klangwelten hervor. Lassen Sie sich überraschen, Bachs Schübler-Choräle auf der Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel in hochgradig authentischer Klanglichkeit zu hören und die Orgel dabei als wahrhaftes „Orchester“ zu erleben.
Auch die Entstehung der Canonischen Veränderungen über „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ fällt, wie Gregory Butler (siehe Bach-Jahrbuch 2000) überzeugend nachwies, in die Jahre 1745-1747 - also in genau jenen Zeitraum, in dem auch die Erbauung der Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel und ihre Abnahme durch J.S. Bach stattfand.

Besteht ein möglicher Zusammenhang zwischen Bachs Kanonwerk und dem Naumburger Instrument? Die komplexe 3. Variation des Autographs, die ein Gegeneinander-Ausspielen von Klangebenen (in Naumburg bestens möglich durch das Rückpositiv, dessen Bau Mitte des 18. Jahrhunderts eigentlich nicht mehr üblich war, das aber hier als räumlich eigenständiger und  klanglich ebenbürtiger Gegenspieler des Oberwerks zur klaren Darstellung dieser hochkomplexen Musik beste Verwendung finden kann) und eine großdimensionierte Orgel erfordert, lässt zumindest Gedanken in diese Richtung zu. Auch finden sich weitere verblüffende Entsprechungen und Möglichkeiten, Bachs „Canonische Veränderungen“ in großer Klarheit und zugleich poetischer Tiefe und Subtiliät an der Hildebrandt-Orgel von St. Wenzel darzustellen, mit deren Klangfarben dieses anspruchsvolle Bachsche Spätwerk für den Hörer auf besondere Weise emotional erlebbar wird.

Im Anschluss an das Konzert haben die Besucher noch die Möglichkeit, den originalen Spieltisch der Hildebrandt-Orgel von 1746 auf der Orgelempore aus nächster Nähe zu besichtigen. Wenzelsorganist David Franke erklärt Register und Funktionsweise des Instruments.


Der Eintritt für Gäste, die Kirchenführung, Konzert und Orgelführung um 14 Uhr in St. Wenzel besuchen möchten, beträgt 10 €, 7 € ermäßigt. Diese Eintrittskarten sind ausschließlich an der  Konzertkasse erhältlich.


Pressemeldung de Büro Hildebrandt-Orgel Naumburg - Text: David Franke
weiterführende Links:

Webseite Hildebrandt-Orgel Naumburg



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