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Die Orgel in der Schlosskirche zu Ahorn

Kurzvorstellung
- Spendenaufruf -
Der Orgelbauer
Ausfürliche Geschichte


Kurzvorstellung
Im Kirchenlied von Benjamin Schmolck heißt es: "Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein, ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht."
Daß die Seele fröhlich werden kann, dazu trägt nicht unwesentlich der harmonische und freundliche Klang der Orgel aus dem Jahre 1794 bei. Johann Andreas Hofmann aus Neustadt bei Coburg hat sie erbaut. Als eine der ersten Orgeln einer reichen Familientradition gibt sie Zeugnis von hoher handwerklicher Orgelbaukunst.
Das Gehäuse besteht aus schmalem Unterbau mit dem Spielschrank, konvexen Konsolen und fünfteiligem Prospekt. Dieser ist in Rundturm, Zwischenfesder und konkav vorgezogene Rechteckfelder gegliedert. Das Dekor besteht aus Rankenwerk, klassizistischen Gehängen und Versen, die vergoldet sind. Die Blindflügel schmücken Musikinstrumente. Zu beachten sind die schwarzen Untertasten. Die Orgel besitzt zweimal je diagonal versetzte Registerreihen.
Vermutlich stand die Vorgängerin an anderer Stelle in der Kirche. Denn Johann Andreas Hofmann hat die neue Orgel von "hinter der Kanzel nach gegenüber der Kanzel" eingebaut. Damit trat der Zeit entsprechend die Verkündigung des Wortes zentral in den Mittelpunkt. Der Kanzelkorpus steht auf der Hauptachse und ist in der Ostwand des Querbaues integriert.


- Spendenaufruf -
Die Orgel, die Königin der Instrumente…
… kommt in Ahorn leider gar nicht sehr königlich daher. So mancher wurde in den letzten Jahren durch einen Dauerpfeifton oder durch die unüberhörbaren Klappergeräusche der Orgelmechanik während des Gottesdienstes gestört. Kein Wunder, denn unsere Orgel ist schon eine alte Dame:
1794 wurde unsere Orgel fertiggestellt – viele erinnern sich an das festliche Jubiläum zum 200. Jahrestag 1994, das mit Konzertveranstaltungen festlich begangen wurde. -

Die Ahorner Orgel ist ein Werk von Johann Andreas Hofman aus der in unserer Region sehr bekannten Orgelbauerfamilie Hofmann aus Neustadt. In der Fachliteratur wird die Bedeutung der Familie so beschrieben: "Ihre Instrumente sind nicht nur unverwechselbar, sondern auch überdurchschnittlich in der Machart und im Klang. Die .. Werkstatt gehört … in die Spitzengruppe der fränkischen Orgelbauer."

Die Ahorner Orgel gehört zu den bedeutenden Zeugnissen damaliger Kunst und bis in die heutigen Tage hinein ein beredtes Zeugnis heimatlicher Kultur und Glaubenskraft. Sie ist in weiten Teilen im Originalzustand erhalten. Von Orgelsachverständigen wird uns bescheinigt, dass es sich um ein äußerst wertvolles Instrument handelt.

Dieses Instrument ist mittlerweile in höchstem Maß gefährdet.
Insbesondere die Beschädigung vieler Pfeifen und die defekte Luftzufuhr benötigen eine entsprechende Behandlung. Die Mechanik ist hörbar abgenutzt und stark verschmutzt und auch der Holzwurm hat sich eingenistet.
Irreparable Schäden wären die Folge, würde das Instrument nicht in absehbarer Zeit instandgesetzt. Vor allem das „Innenleben“ unserer Orgel benötigt eine umfangreiche Instandsetzung, um ihren vielseitigen und prächtigen Klang wieder her zu stellen.

Knapp 30000.-Euro wird die Instandsetzung voraussichtlich kosten. Eine über Jahrzehnte wieder voll intakte Orgel wäre das Ergebnis dieser Sanierung. Diese Aufgabe übersteigt jedoch die finanziellen Möglichkeiten unserer Kirchengemeinde bei weitem. Sie kann nur mit der Hilfe all derjenigen gelingen, denen unsere Ahorner Orgel am Herzen liegt.
Helfen Sie mit Ihrer Spende die Ahorner Orgel zu erhalten!

Unser Spendekonto:
Evang. Kirchengemeinde Ahorn „Orgelrestaurierung“
BLZ 770 918 00 Konto: 203420876

Gerne erteilen Ihnen auch unser Organist Manfred Deinhart oder Pfarrer Rolf Gorny nähere Auskünfte, wenn Sie sich für unser Projekt „Orgelrestaurierung“ interessieren
Für Ihre Unterstützung schon heute ein herzliches Dankeschön!

Rolf Gorny, Pfarrer -- Karl Heinz Bauer, Vertrauensmann -- Manfred Deinhart, Organist


Der Orgelbauer
Die Familientradition begann mit Johann Andreas Hofmann, dem Erbauer unserer Ahorner Orgel. Er wurde am 30. Juni 1749 in Hohenhofen geboren. Heute ist dies ein Ortsteil von Haselbach im Landkreis Sonneberg. Der spätere Orgelbauer war das älteste von insgesamt acht Kindern. Jugendzeit und Ausbildung liegen im Dunkeln. Die Kirchengemeinde Fechheim ließ "den in Saalfeldischen Landen recipirten und in der hiesigen Diecoes bestallten Orgelmacher Hl. Johann Andreas Hofmann von Hohenhofen aus dem Saalfeldischen" kommen. So ist es in einem Schreiben vom 7. Oktober 1777 zu lesen. Mit der Erweiterung der Orgel in Fechheim beginnt die Tätigkeit der Hofmann im Coburger Land.

Im Juli 1778 dann wird ihm nach einer Eingabe beim Konsistorium in Coburg zugesagt, daß man ihn wegen seines bisherigen Erfolgs in Zukunft im Coburger Land berücksichtigen werde.

So entstand 1788 für Mönchröden die etwas höhere Zwillingsschwester der Ahorner Orgel. Oettingshausen (1791), Ebneth (1794), Bundorf (1798), Gauerstadt (1800), Neu-stadt (1810), Meeder (1811/12), Herreth (1818) und die Schloßkapelle in Tambach, deren Alter nicht bekannt ist, schmücken Orgeln von Johann Andreas Hofmann.


Ausführliche Geschicht
Die Ahorner Orgel gehört zu den bedeutenden Zeugnissen damaliger Kunst. Die Mitglieder der Orgelbaufamilie Hofmann, die diese Orgel 1794 errichteten, haben in drei Generationen von 1782 bis 1867 in "Neustadt an der Heide", wie es damals noch hieß, gewirkt. Sie haben in dieser Zeit eine beachtliche Zahl hervorragender Orgeln gebaut. 44 davon sind noch erhalten. Die Fachleute sprechen von einer "Nach-blüte des barocken Orgelbaus" im Coburger Land, denn die Hofmann hatten hier seit etwa 1800 praktisch das Monopol.

In der Fachliteratur wird die Bedeutung der Familie so beschrieben: "Ihre Instrumente sind nicht nur unverwechselbar, sondern auch überdurchschnittlich in der Machart und im Klang. Die bis vor etwa eineinhalb Jahrzehnten [d.h. 1968] noch fast völlig unbekannte Werkstatt gehört daher in die Spitzendgruppe der fränkischen Orgelbauer. ... waren die Hofmann neben den Heidenreich in Hof zweifellos die bedeutendsten Meister ihrer Zeit in Franken." In der Prospektgestaltung sind sie eigene Wege gegangen und haben die Orgellandschaft dadurch bereichert. "Das ist immerhin ein Indiz für ihr überdurchschnittliches Können. Den Nachbau bestimmter Standardgehäuse überließen sie anderen."

Jede seiner Orgeln hat er signiert: Eingeschnittene Doppelringe an den Füßen der Holzpfeifen, einheitlich geformte, schwarz polierte Registerzugknöpfe mit Beschriftung in gebrannten Porzellanplättchen. Zur Manualeinfassung wurde Ahornfurnier verwendet. Das Manual hat schwarze Untertasten. Auf den Holzkern ist eine Ebenholzauflage aufgebracht. Bei den weißen Obertasten für die Halbtöne ist das Holz mit Bein belegt. Den genannten Doppelringen entsprechen zwei Doppellinien über die ganze Manualbreite, "Unterschrift" des großen Orgelbauers.

Hofmanns Nachkomme Christoph reparierte die Ahorner Orgel 1863 in größerem Umfang. 1869 übernahm der Orgelbauer Hollandt aus Schmiedefeld die jährliche Wartung. 1876 ging der Wartungsvertrag auf Anton Hasselbarth aus Coburg über. Karl Herig aus Rodach durfte eine tiefgreifende Veränderung an der Orgel lediglich planen, zur Durchführung kam sie nicht. 1925 zerschlug sich der Ankauf einer Seminarübungsorgel aus Rosenheim, die die schadhafte Barockorgel ersetzen sollte. Kleinere Instandsetzungen folgten.

Die weitere Geschichte
Eine grundlegende Restaurierung nahm die Firma Walcker aus Ludwigsburg in den Jahren 1953 bis 1955 durch. 6267 Mark und 39 Pfennige hat diese Maßnahme verschlungen, eine Summe, die dem damaligen Pfarrer Carl Kalb und dem Kirchenvorstand einiges Kopfzerbrechen bereitete. Zwei dicke Ordner sind im Pfarrarchiv gefüllt mit Schriftwechsel mit Genehmigungs- und Zuschußstellen.

Ende November 1954 schreibt die Orgelbaufirma ans Ahorner Pfarramt: "Wir bitten Sie, die Rechnung erst begleichen zu wollen, wenn die ersten Teile nach Ahorn kommen. Wir tragen dafür Sorge, daß wenigstens der Windmotor noch vor Weihnachten angeschlossen wird, damit Sie die Orgel auf Weihnachten spielen können. Des weiteren werden wir wahrscheinlich bis zu diesem Zeitpunkt auch die Pfeifchen, die fehlen, liefern."

Die Pfeiffchen, die fehlen, hatten wohl eine Geschichte hinter sich gebracht, die ganz und gar nichts mit dem ursprünglichen Sinn der Orgel zu tun hatte, nämlich zum Lobe Gottes zu erklingen und den Menschen Freude zu bereiten und manchmal auch zum Nachdenken zu helfen.

So ist im Ahorner Pfarramt eine "Anordnung, betr. Eigentumsübertragung auf den Reichsmilitärfiskus" vom 15. Februar 1917 archiviert. Darin heißt es: "Die Zinnprospektpfeifen sind aus der Orgel zu entfernen und am Sonnabend, den 14.4. vorm. 8-12 Uhr an die Sammelstelle" zu bringen. Ansonsten würde man sich strafbar machen. Eine Zwangsmaßnahme auf Kosten des Eigentümers müßte die Folge sein. Den Schluß des Schreibens bildet der lapidare Satz: "Gilt für die Orgel der Kirche in Ahorn."

Der schlimme Mißbrauch der zum gottesdienstlichen Gebrauch geweihten Orgelteile für Kriegszwecke wiederholte sich im zweiten Weltkrieg. Im März 1944 veröffentlichte der kommissarische Reichsbeauftragte für Eisen und Metalle die "Anordnung M 66 ... über Beschlagnahme und Ablieferung von Orgelpfeifen und Windleitungen." Auch hier war die Ahorner Orgel wieder betroffen. Zwischen den beiden Papieren findet sich im gleichen Aktenordner ein Kostenvoranschlag der Firma Walcker aus dem Jahre 1941, die die Orgel gerne reinigen und grundlegend restaurieren wolle! - Eine gründliche Restaurierung steht bis heute noch aus.

Verschiedene Reparaturen und Eingriffe haben dem Instrument etwas die musikalische Authentizität genommen, ihr großer historischer Wert ist geblieben. Sie ist immer noch - seit über 200 Jahren - zur Freude der Seele und zum Lobe Gottes gespielt, z.Zt. meist von Organist Manfred Deinhart.