- Orgeln - Aachen Dom

Die Klais-Orgel im Dom zu Aachen


Aus der Festschrift zur Einweihung der Orgel nach Sanierung und Restaurierung
Es ist soweit! Unsere Domorgel erklingt wieder in strahlender Pracht, damit ist der wichtige Mosaikstein im Hinblick auf den Aachener Dom als einer "klingenden Kathedrale" - wie es der frühere Domkapellmeister Theodor Bi Rehmann trefflich formulierte - eingefügt. .

Die Aufgabe der Sanierung und Restaurierung hat uns lange Zeit begleitet. Von den ersten Überlegungen bis zur Fertigstellung sind sogar fast 5 Jahre vergangen.

Viel Kraft und Zeit, aber auch erhebliche finanzielle Mittel, mußten in das Projekt investiert werden, damit dieses neue-alte Instrument nun hoffentlich viele Jahrzehnte lang zum Lobe Gottes und zur Erbauung der Menschen erklingt.

Allein auf uns gestellt wären wir nur wenige Schritte weitergekommen. Aber wir fanden tatkräftige Helfer in vielen Bereichen. Orgelfreunde aus allen Schichten der Gesellschaft unterstützten unser Anliegen, jeder noch so kleine Beitrag war ein unverzichtbarer Baustein für dieses Werk.

Aber ohne das große Engagement unseres Hauptförderers der Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft wären die noch so schönen Pläne der gründlichen Instandsetzung unserer Domorgel auch weiterhin ein "Traum" geblieben.

So aber wird die Musik im Aachener Dom ihren ohnehin schon "guten Klang" festigen und ausbauen können, und die Königin der Instrumente wird nicht nur bei der feierlichen Liturgie das "Wort" ergreifen, sondern auch bei den zahlreichen Konzerten und Veranstaltungen anspruchsvoller Kirchenmusik die Zuhörer faszinieren.

Deshalb möchte ich allen Dank abstatten, die dieses Projekt ermöglicht haben,,die geholfen und ermutigt haben: dem Orgelbauer Hans Gerd Klais und seinen Mitarbeitern, den Handwerkern, Denkmalpflegern/und Fachleuten und der ganzen Orgelbaukömmission, sowie einmal mehr dem Karlsverein für die Unterstützung (...).

Aachen im Herbst 1993
Dr. Hans Müllejans
Dompropst


Geschichte
Die erste Erwähnung einer Orgel diesseits der Alpen ist mit Aachen verbunden. Kaiser Konstantin aus Byzanz macht dieses Instrument im Jahr 757 dem fränkischen König Pippin dem Kleinen zum Geschenk. Später veranlaßt Karl der Große einen Nachbau. Es ist allerdings nicht nachgewiesen, ob diese Orgeln für den Gebrauch im Gottesdienst bestimmt waren und wo sie gestanden haben.

Spärlichen Mitteilungen ist zu entnehmen, daß es in der Zeit des Mittelalters Orgeln in der Pfalzkapelle gegeben hat. Erst in der "Aachener Chronik" des Johannes Nopius ist wieder Genaueres zu erfahren: im Jahr 1628 baut der westfälische Meister Johannes Schade eine neue Orgel mit 24 Registern, die im Hochmünster im Joch hinter dem Königsstuhl ihren Platz findet. Im Jahr 1795 wird sie abgebrochen.

Einige Jahre vorher (1780) wurde eigens für die Chorhalle durch den Orgelbauer Johan Mathias Wyskirchen eine selbständige Orgel gebaut - ein Indiz dafür, daß auch damals schon die Schwierigkeit gesehen wurde, die heterogenen Räume Oktogon und Chorhalle gleichmäßig mit Musik zu erfüllen.

In der napoleonischen Zeit, in der Aachen erstmals - aber auf diese Zeit beschränkt - Bischofsstadt ist, wird unter dem ersten Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet eine neue Orgel erworben, die von Peter Kemper aus Poppelsdorf erbaut wurde, allerdings ursprünglich für die Kirche St. Maximin in Trier bestimmt war. In drei Werke aufgeteilt, besaß sie vermutlich 41 Register und war im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin im Hochmünster auf der Grenze zwischen Oktogon und Chorhalle plaziert, vollendet 1809 durch den Lütticher Orgelbauer Graindorge.

Wenig spater, in den Jahren 1845/47 baut Wilhelm Korfmacher aus Linnich eine neue Orgel, bestehend aus drei Werken mit 42.Registern für den Dom, wenn auch unter Verwendung brauchbarer Teile der Vorgängerin. Standort ist nach wie vor die Raumgrenze Öktogon/Chorhalle, diesmal aber in einer Zweiteilung, die einen besseren Durchblick zwischen diesen Räumen ermöglicht. Im Jahr 1939 erfährt die Korfmacher-Orgel eine Neugestaltung und Erweiterung auf 65 Register, verteilt auf fünf Werke durch die Orgelbauwerkstatt Johannes Klais, Bonn. Dabei wird auch der bisherige Standort aufgegeben. Die Werke werden getrennt in den Jochen Nordost und Südost des Sechzehnecks im Hochmünster und als Schwalbennest, hoch an den Ostpfeilern des Oktogons hängend, verteilt. Ende der 60er Jahre häuften sich an diesem Instrument die Mängel, Teilfunktionen fielen ganz aus.

Nach vielen alternativen Überlegungen entschied sich die Orgelkommission für die Instandsetzung und Erweiterung der Klais-Orgel und beauftragte dieselbe Orgelbauwerkstatt, jetzt unter Leitung von Hans Gerd Klais, Enkel des Erbauers Johannes Klais. Die Standorte der Teilwerke Nordost und Südost wurden beibehalten, während die Schwalbennestorgel abgebaut und in erweiterter Form an der Raumgrenze Oktogon/Chorhalle ihren neuen Platz fand, als selbständige Orgel, von einem eigenen Spieltisch mechanisch bespielbar, aber gleichzeitig Teil der großen Orgel.


Disposition

Nordost- und Südostorgel

Hauptwerk (Nordost-Orgel)
Chorwerk (Südost-Orgel)
Schwellwerk (Südost-Orgel)
Prinzipal 16'
Octave 8'
Rohrflöte ('
Superoctave 4'
Koppelflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Doublette 2'
Cornett 5 fach
Mixtur 6 fach
Cymbel 3 fach
Trompete 16'
Trompete 8'
Glockenspiel
Bodun 16'
Prinzipal 8'
Holzflöte 8'
Gemshorn 8'
Octave 4'
Rohrflöte 4'
Spitzquinte 2 2/3'
Superoctave 2'
Hohlflöte 2'
Terz 1 3/5'
Mixtur 4-6 fach
Cymbel 4 fach
Dulcian 16'
Trompete 8'
Kopftrompete 4'
(Tremulant)
Gedacktpommer 16'
Geigenprinzipal 8'
Liebl. Gedackt 8'
Gamba 8'
Vox coelestis 8'
Prinzipal 4'
Blockflöte 4'
Octave 2'
Nasard 2 2/3'
Sesquialter 2 fach
Scharff 4'
Basson 16'
Tromp. harm. 8'
Hautbois 8'
Clairon 4'
(Tremulant)
Pedal (Nordost-Orgel)
Pedal (Südost-Orgel)
Offenbaß 16'
Quintbaß 10 2/3'
Bartpfeife 8'
Venizianerflöte 4'
Bauernflöte 2'
Hintersatz 6 fach
Bombarde 32'
Bombarde 16'
Trompete 8'
Klarine 4'
Prinzipalbaß 16'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Spillpfeife 8'
Superoctave 4'
Glöckleinton 2 fach
Baßtrompete 8'
Koppeln III-P, II-P, I-P, III-II, III-I, II-I
elektrische Traktur und Regierwerk
Schweller
Walze
Sequenzer
128 Setzer
Hochmünsterorgel zuschaltbar

Hochmünster Orgel

I. Hauptwerk
II. Positiv
III. Echo
Pedal
Praestant 8'
Sing. Gedackt 8'
Prinzipal 4'
Spielflöte 4'
Walsflöte 2'
Scharddmixtur 4 fach
Trompete 8'
Vox humana 8'

Spitzflöte 8'
Quintade 8'
Praestant 4'
Holzgedackt 4'
Octave 2'
Quinte 1 1/3'
Glockenzymbel 3 fach
Cromorne 8'
(Tremulant)

Gedackt 8'
Rohrgedackt 4'
Nasard 2 2/3'
Flachflöte 2'
Terz 1 3/5'
Sifflet 1'
(Tremulant)
Violon 16'
Gedackt 16'
Prinzipalbaß 8'
Gedackt 8'
Flöte 4'
Posaune 16'
Tromete 8'
Trompete 4'
Koppeln III-P, II-P, I-P, III-II, III-I, II-I
Mechanische Traktur
elektrisches Regierwerk
64 Setzer
Sequenzer

Die Zoboli-Orgel
Die im Sechzehneck des Aachener Münsters stehende Orgel stammt vom norditalienischen Orgelbauer Cesare Zoboli, der Mitte des 19. Jahrhunderts eine größere Anzahl von Orgeln in der Region Emilia-Romagna erbaut hat.

Das Entstehungsdatum der Orgel dürfte um 1850 liegen.

Die Orgel vereinigt die Elemente der klassischen italienischen Orgel – lückenloser Prinzipalchor, in Einzelregister gegliedert, zusätzlich ein dreifaches Ripieno als Klangkrone. Zusätzlich zum Ripieno kommen typische Register der Romantik hinzu: Viola, überblasende Flöte, Prinzipalschwebung und als Besonderheit eine in Fagott und Trompete gegliederte Zungenstimme.

Das Instrument war an seinem ursprünglichen Aufstellungsort bereits vor mehreren Jahrzehnten unbrauchbar geworden. Das Gehäuse ging damals verloren.

Das Pfeifenwerk sowie die Windladen und die Spieltraktur entstammen jedoch aus der Entstehungszeit.

Der ehemalige Diözesanbaumeister Franz Reidt entwarf das Orgelgehäuse im Stile der oberitalienischen Schrankorgel mit ihren klassizistischen Elementen und Formen.

Disposition:

Manual Pedal

Prinzipale 8’ Bass/Diskant
Voce Umana 8’
Flauto 8’ Diskant
Ottava 4’ Bass/Diskant
Viola 4’ Bass
Flauto in VIII 4’ Bass/Diskant
Flauto in XXII 2 2/3’ Diskant
Decimaquinta 2’
Flauto in XV 2’ Diskant
Decimanona 1 1/3’
Vigesimaseconda 1’
Vigesimasesta 2/3', XXIX-XXXIII-XXXVI 3fach
Fagotto 8’ Bass
Tromba 8’ Diskant

Contrabassi 16’

Koppeln: Manual an Pedal;
Superoktavkoppel (Terza Mano)
Spielhilfen: Ripieno an/ab; Zungen an/ab


Das Scholz-Orgelpositiv
Seit dem Jahre 2004 steht für Gottesdienste in der Nikolauskapelle und für Domkonzerte ein neues Orgelpositiv zur Verfügung. Es wurde erbaut von der Firma Martin Scholz, Mönchengladbach.

Disposition:

Bourdon 8’ Bass/Diskant
Flöte 8’ ab c1
Prinzipal 4’ C-H als Quintade
Rohrflöte 4’
Nasard 2 2/3’ ab c1
Oktave 2’

Stimmung: Neidhard 1;
Transponiervorrichtung nach 415 Hz