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Die Ritter-Orgel von 1764 in der Hugenottenkirche Erlangen
Die Orgelbauer
Das Instrument
Geschichte und Disposition
Die Orgelbauer
Der Hoforgelbauer Johann Nikolaus Ritter (1702 - 1782) und sein späterer Partner Johann Jakob Graichen (1701 -1760) arbeiteten in ihren Lehr- und Wanderjahren u. a. bei den berühmten Orgelbauern Christian Müller in Amsterdam und Gottfried Silbermann in Freiberg (Sachsen).
Sie ließen sich 1739 in Hof nieder und wurden beide zwei Jahre später als Hochfürstlich Brandenburgisch-Culmbachische Hof-Orgel- und Instrumentenmacher privilegiert. Nachweislich haben sie gemeinsam innerhalb von 25 Jahren 12 Orgeln erbaut, von denen lediglich fünf Prospekte erhalten sind (Berg, Benk, Neustädtlein, Beiersdorf und Nemmersdorf). Die Handschrift G. Silbermanns zeigt sich nicht nur an der äußeren Machart, sondern auch in der Disposition, die, basierend auf dem 8Œ Prinzipal, eine lückenlose Octavreihe bis zum 1Œ Flageolett aufweist. Außerdem sei noch die geteilte Quint und Terz hervorzuheben; die Stimmung ist gleichschwebend.
Das Instrument
Das einzige Spielwerk, das noch an die beiden großartigen Orgelbauer erinnert, steht in der Evangelisch-reformierten Kirche Erlangen, obgleich Ritter es nicht mit Graichen erbauen konnte da dieser schon vier Jahre zuvor starb sondern zusammen mit seinem Meistergesellen Friedrich Heidenreich. Danach zog er sich langsam aus dem aktiven Orgelbau zurück. Wenn man den Quellen Glauben schenken darf, handelt es sich bei diesem einmanualigen Instrument also um die einzige Ritter-Orgel. Sie genoss bereits kurz nach ihrer Erbauung 1764 einen besonderen Ruf und zählt heute zu den bedeutendsten Denkmal-Orgeln Frankens. Leider hat sie durch Umgestaltungen bzw. durch Folgen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, etwas von ihrer Klangpracht und Leuchtkraft verloren, was auch eine Teil-Restaurierung durch die Firma G. F. Steinmeyer (Öttingen) 1977/78 nicht wieder rückgängig machen konnte. Nun ist eine Komplett-Restaurierung geplant, die die imponierende Geschlossenheit des Plenums erneut hörbar machen wird.
Man kann nur wünschen, dass die dafür notwendigen Spenden zusammenkommen werden, damit der Klang und die äußere Erscheinung des spätbarocken Instrumentes wieder eine Einheit bilden.
Der Prospekt lädt den Betrachter zum Verweilen ein. Er ist kunstvoll verziert und bemalt; über dem Manual des Spieltisches und auf dessen geöffneten Flügeln befindet sich eine Darstellung der Anbetung des Lammes durch die 24 Ältesten (Offenbarung 4 u. 5).
Besonders hervorzuheben sind die drei Wappen, die über der Orgel harmonisch angeordnet wurden. Mit dem markgräflich-brandenburgischen Wappen wurde Markgraf Christian Ernst für seine Großzügigkeit gedankt. Er bot den französischen Glaubensflüchtlingen eine neue Heimat in Erlangen und schenkte ihnen ein eigenes Gotteshaus, die Hugenottenkirche (1686 Grundsteinlegung, 1693 Weihe). Rechts befindet sich das Familienwappen des Stifters und Mäzens Abraham Marchand, links das Siegelbild der französisch-reformierten Gemeinde: die Arche mit Taube und Ölzweig.
Geschichte und DispositionAm 13. Oktober 1764 wurde die Orgel der Evangelisch-reformierten Kirche in Erlangen vom Hoforgelbauer Johann Nikolaus Ritter nach neun Jahren Bauzeit fertig gestellt. Ihre Errichtung kostete die Gemeinde 2.738 Gulden, wovon der Kaufmann Abraham Marchand alleine 2.000 Gulden stiftete.
Das Besondere an der Orgel ist der einmanualige Typus, der einen kraftvollen Plenumsklang sowie die berühmten Silbermannschen „donnernden Bässe“ aufweist. Schon kurz nach ihrer Erbauung war die Orgel weit bekannt.
Die Orgel hat folgende Klanggestalt (Disposition):
| ManualwerkC bis c''' |
PedalwerkC bis C' bzw. d' |
Principal 8'
Bourdon 8'
Quintatön 8'
Octav 4'
Kleingedeckt 4'
Nassat = Terz 3' + 13/5 ab a
Quinta 3'
Superoctava 2'
Terz 13/5'
Flageolet 1'
Mixtur 4fach
Trompete 8' |
Sub Bas 16'
Principal Baß 8'
Posaunen=Baß 16 |
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Das Manual ist an das Pedal durch eine Ventilkoppel permanent gekoppelt. Hilfszüge sind ein Kanal-Tremulant und Kalkantenzug.
Wer sich ein Bild vom Klang der Orgel machen möchte, der kann sie in allen unserne Gottesdiensten hören oder unsere neue Orgel-CD erwerben.
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