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Die Orgel der neuapostolischen Kirche in Herford

1987
Disposition 1987
Berichte zur Orgel


1987
Sämtliche Register entstammen der ehemaligen Walcker-Orgel, Opus 2983, erbaut 1952 und disponiert von Gerard Bunk. Diese Orgel stand ursprünglich im Goldsaal der Westfalenhalle in Dortmund. 1984 wurde diese Orgel von der Neuapostolischen Kirche des Landes NRW gekauft. Das wertvolle Pfeifenwerk wurde in mehreren kleinen Pfeifenorgeln in NRW bei Kirchenerweiterungen und -neubauten wieder verwendet. 33 Register dieser Walcker-Orgel wurden in der Neuapostolischen Kirche Herford verbaut.


Disposition 1987

HW (I) POS (II) SW (III)

Pedal

Praestant 8'
Gemshorn 8'
Grob-Ged. 8'
Oktave 4'
Koppelfl. 4'
Nasat 2 2/3'
Superoktave 2'
Cornet 5f 8'
Mixtur 6-8f
Trompete 8'
Clairon 4'
Gedackt 8' *
Quintade 4'
Prinzipal 2'
Cymbel 4-5f

Rohrflöte 8'
Salicional 8'
Unda maris 8'
Prinzipal 4' *
Blockflöte 4'
Oktave 2' *
Sesqu. 2f
Superquinte 1 1/3'
Scharfz. 4-5f
Krummhorn 8'
Schalmei 4'

Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Choralbaß 4'
Nachthorn 2'
Mixtur 4-6f
Bombarde 16'
Trompete 8'

- elektrische Trakturen, Schleifladen
(zumindest teilweise von 1954)-

Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/Ped, II/Ped, III/Ped

- Prospektpfeifen von 1987-
Die mit * gekennzeichneten Register
stammen aus der Vorgängerorgel von Steinmeyer.


Kultur-Elfmeter für die NAK NRW
Originalregister des Orgelsinfonikers Gerard Bunk Wiederentdeckt

Welcher Musiker träumt nicht davon, seine Zuhörer mit dem Werk eines Komponisten zu verzaubern, indem er es auf einem Instrument darbietet, auf welchem der alte Meister selbst früher seine Töne entlockt hatte? In den NAK-Gemeinden Dortmund-Nord und Herford-Mitte ist dies jetzt möglich: die Wiedergabe von Werken des spätromantischen Komponisten Gerard Bunk (1888-1958) mit den Orgelpfeifen von Gerard Bunk.

Dortmund (gk). Schnell fiel der Mantel des Vergessens über den begnadeten Organisten und Komponisten Gerard Bunk nach seinem Tode 1958. Zu Unrecht: bereits zu Lebzeiten genossen seine Werke die Anerkennung der namhaftesten Orgelkomponisten und Organisten seiner Zeit. Albert Schweitzer sah in Bunks Legende op. 29 die gelungene Synthese der Stile Mendelssohns und Francks, und Charles-Marie Widor schätzte seine Werke ebenso wie Marco Enrico Bossi, der Bunks op.31 prophezeihte, das Werk "werde einmal Bestandteil des Repertoires eines jeden guten Organisten sein." Mit Max Reger bestand ein von gegenseitiger Hochachtung geprägter Kontakt.

Beinahe hätte die in den 20er/30er Jahren aufkommende "Orgelbewegung" die Werke Bunks auf die Müllhalde der vergessenen Werke befördert. Mit der "Orgelbewegung" wurden barocke ästhetische Ideale proklamiert, die der Klangwelt Johann Sebastian Bachs (1685-1750) entsprachen. Bunk, dessen Stil gefühlsbetont, sensibel und von großer harmonischer Komplexität geprägt ist, lehnte es ab, sich kompositorisch anzupassen.

Seit einigen Jahren erfährt sein Schaffen eine Renaissance: seine Musik wird als sehr farbig empfunden, die Noten sind wieder erhältlich (u.A. bei Breitkopf & Härtel), es gibt CDEinspielungen seiner Werke, namhafte Konzertorganisten haben seine Werke in ihrem Repertoire (u.A. Matthias Eisenberg). Prof. Stockmeier schreibt in einem Konzertprogramm vom 26.11.1997 in Neuss: "Seine harmonisch kühnen Werke voll persönlicher Eigenart verdienen es, in einem Atem mit denen Regers und Karg-Elerts genannt zu werden."

Und von diesem Komponisten existieren Register einer von ihm disponierten Orgel in verschiedenen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche. Nachdem im 2. Weltkrieg "seine" Orgel, eine Walcker mit 5 Manualen und 105 Registern in der Dortmunder St.Reinoldi-Kirche, kaputt gebombt wurde, hatte er erst 1952 wieder eine neue Konzertorgel: eine Walcker mit auf 3 Manualen verteilten 64 Registern im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle. Bunk war maßgeblich an der Disposition und Konzeption dieser Orgel beteiligt und gab bis zu seinem Tode 1958 eine Vielzahl von Konzerten auf ihr.

Nach 1958 verfiel die Orgel mit der Opuszahl 2983 nach und nach, bis sie 1984 aufgekauft wurde - von der NAK. Die verwendbaren Register wurden auf verschiedene Orgeln aufgeteilt: so wurde aus 33 Registern in Herford eine neue Orgel mit 3 Manualen aufgebaut. Die Walcker-Orgel der Gemeinde Dortmund-Nord aus dem Jahre 1948 wurde um 10 Register aus der Bunk-Orgel aufgestockt. Weitere einzelne Register verstreuen sich auf etliche Orgeln der Gebietskirche NRW.

Damit besitzt die NAK einen musikhistorischen Leckerbissen: die Musik eines Komponisten lässt sich am besten mit "seinen" Registern wiedergeben. Und solche Register stehen in der NAK.

d.korthals/, 2004-10-10
© glaubenskultur Verlag 1996-2007


Bunk-Register wiederentdeckt
Neuapostolische Kirche NRW kaufte 1984 bedeutende Orgel

Der Dortmunder Musikwissenschaftler und Organist Dietmar Korthals hat 43 Register der ehemaligen Goldsaalorgel der Westfalenhalle wieder entdeckt - verteilt auf neuapostolische Kirchen in ganz Nordrhein-Westfalen.

Dortmund (gk). Die Goldsaalorgel wurde 1952 von der Firma Walcker (Ludwigsburg) gebaut und von Gerard Bunk entworfen. Bunk war von 1925 bis zu seinem Tod 1958 Kantor und Organist an der Dortmunder St. Reinoldi-Kirche. Zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten, wird Gerard Bunk derzeit in Fachkreisen als Komponist bedeutender Orgelwerke wiederentdeckt. Nachdem seine „Hausorgel“ in der St. Reinoldi-Kirche 1944 durch einen Fliegerangriff zerstört worden war, investierte Bunk ab 1950 seine ganze Kraft in den Entwurf einer Orgel für den Goldsaal der Westfalenhalle. Doch nach seinem Tod verwaiste das Meisterwerk zusehens, bis es 1984 schliesslich verkauft wurde. Dem Musiker Dietmar Korthals gelang es nun, den Weg der Orgel nach ihrem Verkauf nachzuzeichnen.

Sie soll eine Konzertorgel nach französisch- romantischem Vorbild werden. Zusammen mit dem Dortmunder Organisten Max Lorf arbeitet Gerard Bunk ab 1950 an drei Entwürfen für die Disposition und den Spieltisch einer Orgel, die den Goldsaal der Westfalenhalle zieren soll. Die beiden legen Wert auf zahlreiche Spielhilfen mit denen sich beispielsweise die Musik der berühmten Komponisten der französischen Romantik Charles Marie Widor (1844 – 1937) und César Franck (1822 – 1890) spielen läßt.

Bunks „Haus und Hoflieferant“, die Ludwigsburger Firma Walcker, erhält den Zuschlag zum Bau des visionären Instrumentes. Harte Verhandlungen beginnen mit den Orgelbauern auf der einen Seite und der Westfalenhallen AG auf der anderen Seite, der Auftraggeberin. Bunk steht als Vermittler dazwischen. Er arbeitet, in der Hoffnung, später die Betreuung der Orgel übernehmen zu können, kostenlos. Eine mündliche Absprache mit der Westfalenhallen AG gibt ihm vermeintlich Sicherheit.

Für die Orgel des Goldsaales sind ursprünglich DM 60.000,- eingeplant. Ein Betrag, der später nach oben korrigiert werden muss. Es treten Probleme mit dem Raumarchitekten auf. Der Termin für die Fertigstellung kann nicht gehalten werden. Der Goldsaal wird schließlich am 27. Januar 1952 ohne Orgel eingeweiht. Bunk spielt auf einem Flügel. Zwei Monate später, am 7. März, ist es soweit: das erste öffentliche Konzert mit der neuen Orgel findet statt. Im Goldsaal der Westfalenhalle steht mit 64 Registern, drei Manualen und 5.000 Pfeifen Westdeutschlands größte Orgel.

Bunks Programm ist klug ausgewählt: mit dem Concerto F-Dur von Händel, der Sonate f-moll von Mendelsohn- Bartholdy, dem Intermezzo und der „Stunde der Freude“ von Enrico Bossi kann er zeigen, was in seinem Meisterstück steckt. Gerard Bunk hat aber nicht allen Grund zur Freude. Die Westfalenhallen AG hatte sich nicht an ihre mündliche Zusage gehalten und die Betreuung der Orgel ebenfalls an die Ludwigsburger Orgelbaufirma vergeben. Er befürchtet, dass die weite Entfernung kein Vorteil für den Zustand des Instrumentes ist. Offenbar bewahrheiten sich seine Befürchtungen: schon 1953 beschwert sich Bunk brieflich über die Verwahrlosung der Orgel.

Von Anfang an weiß die Westfalenhallen AG wohl nicht wirklich, was sie mit dem wertvollen Instrument anfangen soll. Große Konzerte finden kaum statt. Die Hauptaufgabe der Orgel besteht in der Umrahmung von Innungsfesten und Jubiläumsveranstaltungen. Im Januar 1958 teilt die Betreiberin mit, dass das Instrument in die Kleine Halle verlegt werden soll.

Nach dem Tode Gerard Bunks gerät die Walcker-Orgel immer mehr in Vergessenheit. Ein undatierter Zeitungsartikel spricht von einer „langen Pause“, nach der die Orgel wieder erklang: Paul Menzel spielte vor 1.500 Schülern auf ihr unter anderem Kompositionen ihres geistigen Vaters. Dass der neue Standort kein Platz für Konzerte ist, ahnt der Schreiber des Artikels: „Zwar hat die Orgel nun eine neue Heimat gefunden, doch hoffentlich ist sie in der Kleinen Halle nicht zum Dornröschenschlaf verurteilt.

An Pfingsten 1984 erklingt das Meisterstück der Orgelbaukunst zum letzten Mal – im Rahmen eines Gottesdienstes der Neuapostolischen Kirche. Dafür hatte Werner Silva es zusammen mit einem Team nocheinmal hergerichtet. Er betreut das fast vergessene Instrument schon seit längerem ehrenamtlich. Eine gründliche Restaurierung lehnt der Fachberater der Westfalenhallen AG, Prof. Ständer, ab: der Standort rechtfertige eine so große Investition nicht, behauptet er.

Silva, neuapostolischer Priester, fädelt zwischen 1984 und 1985 schließlich den Verkauf der Orgel an die Neuapostolische Kirche ein. Vierzehn Tage benötigt er mit seinen Helfern, um das Instrument auszubauen. Es wird in der kircheneigenen Orgelwerkstatt in Witten-Rüdinghausen eingelagert und von der neuen Besitzerin nach und nach aufgeteilt. Bekannt ist heute, dass 33 Register in der Kirche Herford verbaut wurden, zehn bekam die Dortmunder Zentralgemeinde. Ein 32’-Register wurde an die Katholische Kirche in Datteln verkauft. Den Rest findet man vermutlich in manch einer kleinen neuapostolischen Kirche in Nordrhein-Westfalen.

Dietmar Korthals brachte Werke von Gerard Bunk mit den Orgininalregistern, die in Dortmund erhalten, geblieben sind zu Gehör. Seiner Einladung folgten zwei Vertreter der Gerard- Bunk-Gesellschaft e.V. (Kamen) und 40 interessierte Besucher. Auf dem Programm standen mit der Legende op. 29 und der Fantasie op. 57 zwei große sinfonische Werke Bunks. Die Walcker-Orgel der neuapostolischen Gemeinde Dortmund-Nord in der Braunschweiger Straße stammt aus dem Jahre 1948 und bildet einen würdigen Rahmen für die zehn ehemaligen Goldsaal-Register. Eindrucksvoll gelang es dem Organisten ihre Farbigkeit vorzuführen.

Der weitaus größere Teil der Register (33) aus der Westfalenhallen-Orgel befindet sich jedoch in Herford.

m.koch/, 2004-10-23
© glaubenskultur Verlag 1996-2007