- Orgeln - St. Pankratius Hamburg-Neuenfelde << zurück

Die Orgel von Arp Schnitger in der Kirche St. Pankratius
in Hamburg-Neuenfelde (1683/88, II/34)


Heutige Disposition
Kurze Baugeschichte
Technische Details
Detaillierte Angaben



Die heutige Disposition im Überblick:

Oberwerk Rückpositiv Pedal
Quintadena 16´ Gedackt 8´ Prinzipal 16´
Prinzipal 8´ Quintadena 8´ Oktave 8´
Rohrflöte 8´ Prinzipal 4´ Oktave 4´
Oktave 4´ Blockflöte 4´ Flöte 4´
Spitzflöte 4´ Quintflöte 3´ Nachthorn 2´
Nasat 3´ Oktave 2´ Rauschpfeife 2´
Oktave 2´ Sifflöte 1 1/2´ Mixtur V
Spielflöte 2´ Sesquialtera II Posaune 16´
Rauschpfeife II Terzian II Trompete 8´
Mixtur V-VI Scharf IV-VI Cornet 2´
Zimbel III Krummhorn 8´
Trompete 8´
Vox humana 8´
(13) (11) (10)

Manualschiebekoppel, Tremulant, 2 Zimbelsterne, Ventil zum Pedal (früher auch zu OW und RP), Symmetrie-Registerzug “Noli me tangere”, Stimmton a’ = 469 Hz, nahezu gleichstufige Temperatur (seit 19. Jhdt.?), Winddruck 68 mm WS, 6 Keilbälge von Schnitger


Kurze Baugeschichte:

Im Dezember 1682 wurde die Neuenfelder Kirche nach nur siebeneinhalb Monaten Bauzeit auf dem Platz des Vorgängerbaus fertiggestellt. Schnitger hatte zunächst nur die Aufgabe, die Orgel der alten Kirche in der neuen wieder aufzustellen, erhielt aber 1683 außerdem den Auftrag für einen Neubau, der 1688 mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal fertiggestellt wurde. (Das alte Instrument wurde von Schnitger später in der Stader Burgkirche aufgestellt.)

1750 fand der erste verändernde Eingriff in das Instrument statt: Jakob Albrecht (Lamstedt) entfernte aus dem Rückpositiv das Trechterregal 8’ und setzte auf den freien Platz das Krummhorn 8’ aus dem Hauptwerk. Den nun freien Platz des Krummhorns besetzte er mit einer neuen Vox humana 8’.

1867 legte der Stader Orgelbauer Johann Hinrich Röver das Rückpositiv still und baute ein Hinterwerk mit sechs Registern unter Einbeziehung von Schnitgers Gedackt 8’ und Blockflöte 4’. Anscheinend – die Quellenlage ist etwas ungenau – entfernte sein Sohn Heinrich Röver im Jahr 1886 weitere aus der Mode gekommene Register.

1926 wurde eine erste Restaurierung unternommen: Der Hamburger Orgelsachverständige Hans Henny Jahnn und der Lübecker Orgelbauer Karl Kemper reaktivierten das Rückpositiv. Um den Fehlbestand im Schnitgerschen Pfeifenwerk zu ergänzen, stellte Kemper Pfeifen aus seinem Lager abgebrochener Instrumente ein, darunter Pfeifen aus der Orgel in Lübeck St. Aegidien von Hans Scherer d. J. (1624). 1938 fertigte Paul Ott (Göttingen) alle hohen Mixturen sowie die Zungenpfeifen fast vollständig neu an, wobei aufgrund der damaligen Metallrationierung anstelle von Orgelmetall für die Becher der Posaune 16’ Holz und für die der Pedal-Trompete Kupfer verwendet wurde.

1950/51 beseitigte Rudolf von Beckerath (Hamburg) Feuchtigkeitsschäden an den Windladen und Kanälen, veränderte die Spieltraktur und baute eine neue Vox humana für das Hauptwerk nach Vorbild der Schnitger-Orgel in Hamburg St. Jacobi. Eine größere Restaurierung durch die Firma Ott fand 1978 ihren Abschluß. Dabei wurden vor allem die inzwischen sehr undichten Windladen gesichert und abgedichtet, die Änderungen der Spieltraktur teilweise rückgängig und die erhaltene Balganlage wieder betriebsfähig gemacht. Am Pfeifenwerk wurden Reparaturen ausgeführt.

Im gegenwärtigen Zustand besticht die Orgel in vielen Registrierungen durch ihren Charakter und durch die intensive akustische Verbindung mit dem Kirchengebäude. Gleichzeitig sind allerdings klangliche Probleme, resultierend aus der Inhomogenität des Pfeifenwerks (vor allem in Rückpositiv und Pedal) und gut gemeinten Eingriffen des 20. Jahrhunderts, unüberhörbar. Die sensible Akustik transportiert diese ebenso wie die deutlichen Trakturgeräusche. Zunehmend auftretende Stimmungsprobleme im Labialpfeifenwerk behindern das Nachstimmen der Zungenregister. Eine umfassende und verantwortungsvolle Restaurierung des Instruments ist daher beabsichtigt.



Technische Details :

Oberwerk (C D E F G A - c´´´; Windlade Schnitger, action partially new)

Metal alloy: Percentage
of tin in lead:

Quintadena 16´

Schnitger, with "beards"

4 %

Prinzipal 8´

Schnitger (C from Rohrflöte, facade from D, front covered with tin foil)

10 %

Rohrflöte 8´

Schnitger (C-H stopped,  chimneys from c)

7 %

Oktave 4´

Schnitger

11 %

Spitzflöte 4´       

Schnitger

12 %

Nasat 3´

Schnitger, conical

20 %

Oktave 2´

Schnitger

8 %

Spielflöte 2´ 

Schnitger, conical

9 %

Rauschpfeife II 

Schnitger, C: 2´ + 1 1/3´ (original?)

9 %

Mixtur V-VI 

Ott 1938<

25 %

Zimbel III    

Ott 1938

25 %

Trompete 8´ 

9 %

Vox humana 8´

v. Beckerath 1951 (not in Schnitger´s specification, installed first by J. Albrecht 1750)

37 %


Rückpositiv (C D E F G A - c´´´, wind chest by Schnitger, action renovated)

Gedackt 8´

Schnitger until  h´, C-g# oak, from a metal, hats later

31 %

Quintadena 8´

Ott 1938 and 1979

Prinzipal 4´

Schnitger, facade

10 %

Blockflöte 4´

C-c´´ Schnitger, metal, stopped, open from cis’’

7 %

Quintflöte 3´

C-f#´´ Schnitger, older from g´´, installed by Kemper in 1926, partially originating from the Scherer organ in Lübeck St Aegidien church; stopped, metal, hats soldered, open from g´´

Schnitger 11 %
older 1 %

Oktave 2´

older than Schnitger (s. a.)

1 %

Sifflöte 1 1/2´

C-e older than Schnitger (s. a.)

1 %

Sesquialtera II

older than Schnitger (s. a.), C: 1 1/3´ + 1 3/5´, from c: 2 2/3´ + 1 3/5´

1 %

Terzian II

Ott 1938

30 %

Scharf IV-VI

Ott 1938

27 %

Krummhorn 8´

Ott 1938 (until 1750 Trichterregal, replaced through Oberwerk Krummhorn by Albrecht)

65 %

 

Pedal   (C D E - d´, wind chests by Arp Schnitger, action partially new)


 

Prinzipal 16´

Schnitger, facade from F, C D E metal stopped, front covered with tin foil

10 %

Oktave 8´

Schnitger

7 %

Oktave 4´

Schnitger

10 %

Flöte 4´

Schnitger, stopped, hats soldered

7 %

Nachthorn 2´

installed by Kemper 1926, 19th century, cut-down string stop?

68 %

Rauschpfeife II

2´ mostly Schnitger, 1 1/3´ Kemper

Schnitger 6 %

Mixtur V

Ott 1938

23 %

Posaune 16´

Ott 1938, cups of pine wood




Detaillerte Angaben:

Oberwerk (C D E F G A - c´´´; Windlade Schnitger, Traktur z. T. neu)


Quintadena 16´

Schnitger, Kastenbärte

Prinzipal 8´

Schnitger (C mit Rohrfl. kombiniert, ab D Prospekt, Vorderseite mit Zinnfolie belegt)

Rohrflöte 8´

Schnitger (C-H gedeckt, ab c Rohre)

Oktave 4´

Schnitger

Spitzflöte 4´       

Schnitger

Nasat 3´

Schnitger, konisch

Oktave 2´

Schnitger

Spielflöte 2´ 

Schnitger, konisch

Rauschpfeife II 

Schnitger, C: 2´ + 1 1/3´ (original?)

Mixtur V-VI 

Ott 1938

Zimbel III    

Ott 1938

Trompete 8´ 

teilweise Schnitger (Stiefel, Becher)

Vox humana 8´

v. Beckerath 1951 nach der Vox humana in Hamburg St. Jacobi (nicht in der Schnitger-Disposition, erstmals von J. Albrecht 1750 anstelle des von ihm ins Rückpositiv versetzte Krummhorn eingestellt)



Rückpositiv (C D E F G A - c´´´, Windlade Schnitger, Traktur erneuert)


Gedackt 8´

Schnitger bis h´, C-gis Eiche, ab a Metall, Hüte später

Quintadena 8´

Ott 1938 und 1979

Prinzipal 4´

Schnitger, Prospekt

Blockflöte 4´

C-c´´ Schnitger, Metall gedeckt, ab cis2 offen, uneinheitlich

Quintflöte 3´

C-fis´´ Metall gedeckt, zugelötet, ab g´´ offen, uneinheitlich, von Kemper 1926 eingebaut, nach dessen Angaben teilweise aus der ehemaligen Scherer-Orgel in Lübeck St. Aegidien stammend

Oktave 2´ 

älter als Schnitger?, uneinheitlich, ebenfalls von Kemper eingestellt

Sifflöte 1 1/2´ 

C-e älter als Schnitger (s. o.), dann uneinheitlich

Sesquialtera II

älter als Schnitger (s. o.), uneinheitlich, C: 1 1/3´ + 1 3/5´, ab c: 2 2/3´ + 1 3/5´

Scharf IV-VI

Ott 1938

Krummhorn 8´

Ott 1938 (bis 1750 Trichterregal, dieses wurde dann von Albrecht durch das Krummhorn aus dem Oberwerk ersetzt, das wiederum der Vox humana weichen mußte)



Pedal (C D E - d´, Windladen Arp Schnitger, Traktur z. T. erneuert)



Prinzipal 16´ 

Schnitger, ab F Prospekt, C D E Metall gedeckt, Vorderseite mit Zinnfolie belegt

Oktave 8´

Schnitger

Oktave 4´

Schnitger

Flöte 4´

Schnitger, gedeckt, zugelötet

Nachthorn 2´

von Kemper 1926 eingestellt, Bauart 19. Jahrhundert (abgesägte Streicherstimme?)

Rauschpfeife II

2´ teilweise Schnitger, 1 1/3´ Kemper

Mixtur V

Ott 1938

Posaune 16´

Ott 1938, Becher Kiefernholz

Trompete 8´

Ott 1938, Becher Kupfer

Cornet 2´

Ott 1938