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Die Orgel des Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch-Gmünd

Informationen zur Orgel
Disposition


Die Orgel des Heilig-Kreuz-Münsters Schwäbisch Gmünd (Autor: Münsterorganist Stephan Beck)

Mit dem prachtvollen barocken Orgelgehäuse auf der Westempore des Heilig-Kreuz-Münsters besitzt Schwäbisch Gmünd eines der bedeutendsten Orgeldenkmäler des süddeutschen Raums. Und der großartige Prospekt fasziniert den Betrachter heute noch genauso wie vor 300 Jahren.

Ein erstes Orgelpositiv befand sich bereits 1530 im Gmünder Münster und hatte seinen Platz auf einer kleinen Empore über der heutigen Taufkapelle. Es blieb dort bis zum Jahr 1750.

Schon 1544 wird aber eine neue und größere Orgel erwähnt, die Benedict Klotz erstellte und die um 1590 einen ersten Umbau erfuhr. Seit der Fertigstellung der steinernen Renaissanceempore über dem Westportal um 1550 wurde sie dort platziert.

Eine testamentarische Spende des Bürgermeisters Johann Burkhart Mössnang ermöglichte es in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts, eine neue große Orgel anzuschaffen.
Der Gmünder Johann Michael Maucher und dessen Bruder Christian schufen in den Jahren 1687/88 nicht nur das großartige, elf Meter hohe und die ganze Breite des Mittelschiffs einnehmende Orgelgehäuse, sondern auch eine zweite barocke Empore, die von acht überlebensgroßen knienden Atlanten auf den Schultern getragen wird.
Paul Prescher aus Nördlingen baute in das neue Gehäuse eine Orgel mit knapp 30 Registern. Das Instrument überdauerte beinahe 200 Jahre ohne größere Reparaturen oder Umbaumaßnahmen.

Erst im Jahr 1877 wurde die Prescher-Orgel ausgebaut und hinter dem barocken Prospekt ein romantisches Orgelwerk aufgestellt, das, obwohl kaum größer, einen gänzlich anderen Klang hatte. Mit zahlreichen grundtönigen Registern trug die neue Orgel den geänderten Klangvorstellungen der Romantik Rechnung. Um die zahlreichen großvolumigen Pfeifen ausreichend mit Wind versorgen zu können, baute der Orgelbauer Carl Gottlob Weigle aus Echterdingen sein opus 88 mit mechanischen Kegelladen. Zur besseren Unterbringung der komplizierten und raumintensiven Konstruktion im kleinen Orgelgehäuse entfernte er Verzinkungen und große Teile der Rückwand, durchtrennte Gurtrahmen und wichtige Tragehölzer und schwächte damit die Stabilität des Gehäuses beträchtlich.
Ein Großteil der Prospektpfeifen blieb blind, d.h. war stumme Fassade.
Die Orgel erhielt, wie damals üblich, einen neuen freistehenden Spieltisch, der dem Organisten den Blick zum Altar freigab; heute befindet er sich im Städtischen Museum.

Obwohl schon 1961 von Gutachtern auf den mangelhaften Zustand des Instruments hingewiesen wurde, sollte es noch über zwanzig Jahre dauern, bis 1983 die heutige Münsterorgel aus der Werkstatt Johannes Klais, Bonn eingeweiht werden konnte.

Das historische Gehäuse wurde gründlich restauriert und um wiederaufgefundene oder fehlende Teile ergänzt. Aus der Weigle-Orgel wurden beim Neubau nach sorgfältiger Restaurierung zwölf Register übernommen, darunter nahezu alle Holzpfeifen. Fehlende Metallpfeifen wurden aus eingeschmolzenem Orgelmetall nicht wiederverwendeter alter Pfeifen neu gefertigt. Einige Metallregister wurden umgearbeitet und in die neue Konzeption integriert. Noch heute bewundern viele den warmen und vollen Klang der alten Pfeifen.

Eine Orgel kann niemals für alle Stile gleichermaßen geeignet sein. Dennoch versucht die Münsterorgel für viele Bereiche der Orgelliteratur adäquate Klangfarben bereit zu stellen, ohne dabei ihre eigene Identität aufzugeben. Sie will keine Stilkopie sein, wie man sie heute vielerorts findet, sondern versucht, von den Klängen vergangener Jahrhunderte inspiriert, zu einer Klangsprache unserer Zeit zu finden.

Am Barock orientiert sich das Oberwerk mit seinem silbrig hellen Glanz, an der Romantik das Schwellwerk, das der Orgel mit dunklen warmen Klängen und schmetternden Zungenregistern sinfonische Dimensionen erschließt oder aber in zarten Streicherfarben an romantische Sinfonieorchester erinnert.

Hauptwerk und Pedal mit ihren zwei 16’-Principalen, den 16’-Zungen und den beiden 32’-Registern tragen in ihrer monumentalen Größe dem Parlerbau Rechnung und es ist wahrhaft ein Erlebnis, wenn die Klänge der Orgel die Hallenkirche bis in die Höhen des herrlichen Chorraums füllen.

Der Orgelbauer Hans-Gerd Klais schreibt 1983 zu seinem neuen Instrument: „Die neue Münsterorgel ist ein aktuelles Instrument, unter Berücksichtigung auf vergangene Epochen und Jahrhunderte. Es wurde das Erlernte fortgeführt, gepaart mit heute Erlebtem und Phantasie, ohne das handwerkliche Gesetz zu verlassen. Es galt, das Gewachsene neu zu beleben, ohne in Kopien zu verfallen. Das Einbeziehen der Tradition in unser heutiges Empfinden wird so Bestand haben, auch wenn die nächste Generation zu anderen Ideen gelangen wird.“

Das 20. Jahrhundert war geprägt von technischem Fortschritt und zunehmender Bedeutung der Elektronik. Auch den Orgelbau hat das elektronische Zeitalter erreicht und um Spielhilfen wie elektrische Koppeln und elektronische Setzerkombinationen bereichert. Diese elektronische Speichermöglichkeit ist eine enorme Hilfe, wenn es darum geht, die 56 Register der Münsterorgel mit ihren 3800 Pfeifen und 25 Röhrenglockentönen schnell ein- oder auszuschalten.

Im Jahre 2009 wurde die Elektronik der Münsterorgel vollständig erneuert und die Disposition behutsam überarbeitet. Dabei wurde neben klanglichen Veränderungen in Oberwerk und Pedal im Hauptwerk eine weit mensurierte Portunalflöte 8´ eingebaut, die sowohl solistisch verwendbar als auch in der Lage ist, den Gesamtklang der Orgel voluminöser und fülliger zu machen.

Der Besucher des Heilig-Kreuz-Münsters kann sich kaum der grandiosen Wirkung entziehen, die die Münsterorgel in diesem monumentalen Kirchenraum hervorzubringen vermag; ein Klang, der vielleicht an die großen sinfonischen Orgeln französischer Kathedralen erinnert und dennoch einen ganz eigenen Charakter hat.


Disposition
erbaut 1983 Orgelbau Klais

I. Manual C-g´´´ Oberwerk II. Manual C-g´´´ Hauptwerk III. Manual C-g´´´ Schwellwerk Pedal C-f ´
Praestant 8´ * Praestant1 16´ * Bourdon 16´ * Contraviolon 32´ *
Holzgedackt 8´ Principal 8´ * Holzprincipal 8´ Principal 16´ *
Principal 4´ Rohrflöte 8´ Trichtergedackt 8´ Subbaß 16´ * !
Rohrflöte 4´ Portunalflöte 8´ Gamba 8´ Violon 16´ *
Nasard 2 2/3´ Salicionall 8´ Vox coelestis 8´ * Octave 8´ * !
Octave 2´ Octave 4´ Principal 4´ Bourdon 8´ !
Waldflöte 2´ Spitzflöte 4´ Traversflöte 4´ Cello 8´ * !
Terz 1 3/5´ Quinte 2 2/3´ Flageolett 2´ Superoctave 4´ !
Quinte 1 1/3´ Superoctave 2´ Sesquialter 2f. 2 2/3´ Hintersatz 5f.2 4´
Superoctave 1´ Mixtura major 4f. 2´ Mixtur 5f. 2 2/3´ Contraposaune 32´
Scharff 5f. 1´ Mixtura minor 4f. 1/2´ Basson 16´ Posaune 16´
Holzdulcian 16´ Cornet 5f.1 8´ Tromp. harm. 8´ Bombarde 16´ *
Cromorne 8´ Trompete 16´ Hautbois 8´ Trompete 8´ !
Tremulant Trompete 8´ Clairon harm. 4´ Kopftrompete 4´ !
Glocken 4’
Tremulant

* Register stammen ganz oder teilweise von 1877
! Solopedallade

Technische Anlage
Tonkanzellen-Schleifladen, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur,
Absteller: Glocken 4´ III,
elektronische Setzerkombination 10 000-fach mit USB-Schnittstelle, Verrieglungsmöglichkeit der verschiedenen Speicherebenen (4 Bereiche),
Sequenzer auf/ab,
mechanische Koppeln (wahlweise auch elektronisch spielbar): I/II; III/II; III/I; I/Ped; II/Ped; III/Ped; III/Ped 4´
Jalousieschweller

Disposition: Hubert Beck und Hans-Gerd Klais 1983; Stephan Beck und Philipp Klais 2009


Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Schwäbisch Gmünd - Kulturbüro
Foto: Festival Europäische Kirchenmusik
OI-S-57
weiterführende Links:

Webseite Kirchenmusik-Festival Schwäbisch Gmünd
Webseite Seelsorgeeinheit Schwäbisch-Gmünd-Mitte



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