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Die Orgel in der Neuapostolischen Kirche in Sontheim/Brenz

Das Instrument
Disposition


Das Instrument

Das Instrument stammt von einem unbekannten Orgelbauer und wurde vermutlich um 1911, das lassen verwendete Zeitungsausschnitte im Inneren der Orgel vermuten, für die Crown Hill Church (Barracks) in Plymouth gebaut. 1951 wurde die Orgel durch Eric G. Sergeant aus Launceston nach Chilsworthy, Methodist Church umgesetzt, vermutlich erhielt das Instrument dabei ein Gebläse, die Schöpfanlage wurde zurückgebaut. Die Orgel stand von da an in einer Nische, die originale Aufstellung in Plymouth kann auch frei stehend mit den Baßpfeifen an beiden Seiten gewesen sein.

Nach Abbau und Einlagerung wurde sie 2007 von Orgelbau Oppel, Schmallenberg, nach Deutschland verbracht, restauriert und im Mai 2008 in Sontheim eingebaut und aufgestellt. Auch hier steht sie nun in einer Nische. Die ursprünglich vermutlich links und rechts verteilten Baßpfeifen wurden insgesamt nach links versetzt, um Platz für Gebläsemotor und dahinter die Rekonstruktion der Schöpfanlage zu schaffen. Die Orgel kann nun also wieder ohne Strom mit Muskelkraft gespielt werden. Zum Einbau in die Nische mußte der Schwellkasten ein wenig in der Höhe reduziert, Salicionalpfeifen mußten im Inneren daher versetzt werden. Bis auf diese beiden Details wurde das Instrument behutsam restauriert und in den vermuteten Ursprungszustand versetzt. Erfreulicherweise ließ sich die Inneneinrichtung der Kirche auch im Farbton dem Holz des Orgelgehäuses anpassen. Die Prospektpfeifen waren Mitte des 20. Jahrhunderts silbern gestrichen worden, unter dieser Schicht konnte eine originale Farbschicht mit elfenbeinerner Grundfarbe und Vergoldungen am Labium und am oberen Pfeifenende freigelegt werden, die das Wagnis erlaubte, die alte Farbigkeit wiederherzustellen.

Am Spieltisch wurde die im 20. Jahrhundert eingesetzte Klaviatur belassen. Die noch originalen Registerzüge wurden überholt, derjenige der Octave Coupler wurde aus Elfenbein rekonstruiert. Die grob eingefügten elektrischen Einbauten wurden entfernt und dezent auf einen schwarzer Drucktaster für den Motor reduziert. Die Spieltischbeleuchtung fand ihren unauffälligen Platz hinter einer Leiste und dient mit der Pedalbeleuchtung als Kontrolle für den extrem leisen Motor. Der original erhaltene Schwellkastentritt wurde beibehalten, wie im 19. Jahrhundert üblich öffnet er den Schwellkasten durch Einhaken einer Leiste.

Die Intonation der Pfeifen wurde vorsichtig an den Raum angepaßt, soweit möglich wurden Klang und Verlauf beibehalten. Dadurch blieb das ursprüngliche und sehr interessante Klangkonzept erhalten, das die Oktavkoppel gezielt integriert. So bildet der Open Diapason wie im Englischen üblich die Grundlage der Orgel, die Flute 4' gibt dazu einen kräftigen und hellen Oberton. Durch den Verlauf im Diskant tritt aber über die Oktavkoppel zum Open 8', der in der Mittellage relativ rund ist, auch ein obertonreicher 4'-Klang hinzu. Da die Flute 4' im Diskant sehr klar und hell wird, ist über die Superkoppel ein krönender 2' möglich. Ähnlich verhalten sich Stopped Diapason (Gedeckt) und Salicional. Diese beiden Register stehen im kleinen Schwellkasten und können in der Lautstärke zurückgenommen werden. Mit diesem Klangkonzept ist dem Organisten so größtmögliche klangliche Vielfalt und eine große dynamische Palette zur Verfügung gestellt bei gleichzeitig sehr einfacher Bedienbarkeit. Im Pedal ist ein Bourdon 16' vorhanden, der durch Zufügung von 12 Pfeifen aus dem Stopped gewonnen ist. Diese 30 Pfeifen aus Bourdon und Stopped sind pneumatisch angesteuert. Ebenso ist der Prospekt nicht abkonduktiert sondern steht auf pneumatischen Laden, die von der Schleiflade des Manuals aus angespielt werden.

Die Bälgchen der pneumatischen Ventile ebenso wie der Magazin- und der Schöpfbalg wurden neu beledert. Die Pneumatik funktioniert absolut präzise und schnell. Die Ausmaße des Magazinbalges und des Schöpfers lassen vermuten, daß die Orgel ursprünglich sehr stark atmend war, daß vor allem ein Spiel mit allen Registern und der Superkoppel nicht eingeplant war. Daher wurde die Orgel jetzt in gemäßigter Form auf atmenden Wind einreguliert, was ein Plenumspiel durchaus noch zuläßt.

Die Temperatur und Stimmung der Orgel wurde von den vorhandenen Pfeifen abgenommen. Die gemessenen Werte zeigten eine große Nähe zur 4. Stimmung nach Janke, sie unterschieden sich in Centwerten fast nur in den Stellen nach dem Komma. Diese Temperatur wurde daher auch zugrunde gelegt, die Stimmtonhöhe beträgt 440,1 Hz bei 23 ° C.

Der Kirchenneubau in Sontheim und die restaurierte Orgel wurden am 8. Juni 2008 eingeweiht. Als weiteres mechanisches Instrument im Kirchenbezirk Heidenheim erweitert diese Orgel die Landschaft und das Spektrum der vertretenen Firmen in einzigartiger Weise. Das Instrument ist zur Zeit die älteste Orgel in der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, die zweitälteste Orgel in der Neuapostolischen Kirche Europa, ja weltweit. Es ist die erste englische Orgel der Neuapostolischen Kirche.

(Andreas Ostheimer)


Disposition:

Manual (C-a''')
Pedal (C-f')
Open Diapason 8’ 5. Bourdon 16’
* Stopped Diapason 8’ (C-H selbständig,
* Salicional 8’ ab c° mit Nr. 2)
Flute 4’

Koppeln:
Manual to Pedal
Octave Coupler

Register mit * im Schwellkasten (Echo).
Mechanischer Spiel- und Registertraktur (Schleiflade), Pedal und Prospekt pneumatisch angesteuert (Einzelton-, Scheibenventile)
Erbaut: unbekannt (England), ca. 1911.
Restauriert und umgesetzt: Orgelbau Oppel, Schmallenberg


Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Ostheimer
OI-S-17



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