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Die Orgel in St. Marien Zeltingen (Rachtig)

Geschichte der Rachtiger Orgel(n)
- Die erste Orgel
- Die zweite Orgel
- Die neue Orgel (inkl. Disposition)

Die Geschichte der Gemeinde
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Geschichte der Rachtiger Orgel(n)

Die erste Orgel

Die Rachtiger Orgelgeschichte beginnt irgendwann kurz vor 1739. Nachdem die neue Kirche fertiggestellt war, wurde unverzüglich mit der Ausstattung derselben begonnen. Zunächst behalf man sich wohl mit dem Inventar der alten Kirche, der Zeitgeist verlangte jedoch bald eine „modernere“ Ausschmückung in einem Stil, den wir heute Barock nennen; in diesem Falle sind besonders Einflüsse der sogenannten Mainzer Barockarchitektur erkennbar.

Als nächstes folgte vermutlich 1739 die Anschaffung der Orgel. Schriftliche Unterlagen darüber existieren nicht. Zwischen den Prospektpfeifen des Unterwerks sind über den Flachfeldern paarweise die verzierten Jahreszahlen 17 und 39 angebracht; ob dieses allerdings das Erbauungsjahr der Orgel ist, kann nicht zweifelsfrei angenommen werden. Ober- und Unterteil des Rachtiger Prospektes weisen darüber hinaus unterschiedliche Formen der Ausgestaltung auf, so daß die Vermutung naheliegt, daß sie zu verschiedenen Zeiten errichtet wurden. In Auftrag gegeben wurde das Orgelwerk auf jeden Fall von Pastor Johann Peter Glesius, der dies auch in mehreren Schriftstücken erwähnt, allerdings ohne je ein Kauf- oder Vertragsdatum oder gar einen Lieferanten zu nennen. 1760 erstellte er ein Verzeichnis seiner privaten Ausgaben zum Kirchenbau, darin heißt es:

... Ein gantz newe Orgel in hiesiger Rachtiger Pfarrkirch machen lassen sambt Schreinerarbeit 750 Rt.

... Item den Toxal mit Structurarbeit und Schreinerarbeit 32 Rt.

Er sorgte auch für den Fortbestand und die Unterhaltung der von ihm gestifteten Kirchenausstattung. So schreibt er in einer Urkunde aus dem Jahr 1745 (LHA Koblenz, Bestand 55 A 4, Nr. 1185, S.37):

Underhalt der von mir in die Pfarr-Kirch zu Rachtig erbauter Orgel.

Erstlich einer Person, so an Sonn= und Feyer=Tägen die Orgel schlaget, sollen Jährlich zu Lohn zahlt werden zwölf reichsthaler.

It. die Orgel zu unterhalten, und wannß nöthig, von Einem wohlerfahrnen Orgel=Macher stimmen zu lassen, gehen Jährlichs ein, und Vermache ich 4 rth. sage vier reichs-Thaler.

It. zum nöthigen Unterhalt deß von mir erbauten S. Annae altar in der Pfarrkirchen legire ich 2 rth.

Diese Gelder gehen ein Jährlichß von hiesiger gemeinde, bey welcher ein Capitale von 600 rth. stehen habe, die pension 4 p cent. Wird bezahlt umb Mariae Lichtmeß.

Dieß all recommendire ich der Obsorg eineß zeitlichen Herrn Pastoris, damit alles in Stand gehalten, und die übrig bleibende gelder auffbehalten werden: biß zur nothwendigen reparation der Orgel, oder deß bemelten S. Annae altars.

Also von mir verordnet. Rachtig den 7. juny 1745. JP Glesius

Zusammenfassend kann man folgende Tatsachen festhalten:
Pfarrer Glesius ließ die Orgel für 750 Taler errichten und stiftete 1745 ein Kapital von 600 Talern unter anderem zur Unterhaltung der Orgel und zur Entlohnung des Organisten. Außerdem verpflichtete er die Eigentümerin eines Hauses, für das Aufziehen der Bälge zu sorgen. Uns fehlen bis heute jegliche Informationen über diese erste Orgel. Die an einigen Prospektpfeifen vorgefundenen Signaturen deuten jedoch mit hoher Sicherheit in Richtung Balthasar König. Bearbeitungsspuren im Holz des Gehäuses weisen auf eine seitenspielige Anlage hin, was wiederum bedeutet, daß die Orgel wohl nur einmanualig gewesen ist. Warum der Prospekt heute zweigeschossig ist und eine Zweimanualigkeit vorspiegelt, kann man nur vermuten. Vielleicht stand im Prospekt zuerst nur der klingende Principal 8‘, das Untergeschoß war einfach in Holz gehalten. Zumindest die oberen Flachfelder waren mit Blindpfeifen besetzt. Später wurde vielleicht das untere Geschoß zusätzlich mit einer Prospektattrappe verziert, die zwar funktionsfähige, aber nicht anspielbare Pfeifen eines Praestant 4‘ enthielt. Die abweichende Verzierung der Schleierbretter und der übrigen Ornamente läßt diesen Schluß zu. Die Pfeifen können aufgrund ihrer Machart durchaus aus der Hand des jüngeren Christian Ludwig König stammen. Vergleicht man die Pfeifengravuren mit der tatsächlichen Tonhöhe, kann man zumindest nachweisen, daß die alte Orgel ca. einen halben Ton höher gestimmt war als heute, wie dies zur Erbauungszeit auch üblich war. Zieht man die Bemerkungen von Pfarrer Lentz von 1845 über das Verstimmen der Orgel je nach Witterung hinzu, kann man immerhin davon ausgehen, dass das Werk auch ein oder mehrere Zungenregister enthielt.

Ob die Orgel ein Pedal hatte, wissen wir ebenfalls nicht. Bis 2003 waren zwei alte Pedalregister aus Fichtenholz erhalten (Subbaß 16‘ und Octav 8‘), die aber sicher aus einer späteren Zeit stammten. Die beiden Register reichten von C bis f° und wurden zu einem noch späteren Zeitpunkt zusätzlich mit Maschinenschrauben gegen Aufreißen gesichert.

Das 19. Jahrhundert, Kirchenbrand

Am 12. August 1857 brannte der Kirchturm infolge Blitzschlages ab. Im Rahmen der Lösch- und Rettungsarbeiten wurde auch die Orgel stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Pfeifen wurden herausgenommen und vermutlich weder sachgerecht transportiert noch gelagert. Möglicherweise wurden sie auch schon durch die Hitze beschädigt, ohne daß direkte Brandeinwirkung erfolgte. Brandspuren sind zumindest am Gehäuse heute keine mehr feststellbar. Noch im gleichen Jahr wurde ein Reparaturkontrakt geschlossen mit dem Orgelbauer Joseph Claus zu Graach. Dieser ist zwar nicht erhalten, dafür aber die Antwort des Generalvikariats auf das entsprechende Genehmigungsgesuch:

Wir haben den anbei zurückgehenden vom Kirchenrath mit dem Orgelbauer Joseph Claus zu Graach wegen der Reparatur der Kirchenorgel zu Rachtig am 17. D. M. geschlossenen Vertrag in der Voraussetzung genehmigt, daß derselbe in zwei Exemplaren vollzogen worden ist, weil er sonst nach Art. 1325 des bürgerlichen Gesetzbuches null und nichtig sein würde.

Claus war Sproß einer alteingesessenen Orgelbauerfamilie, deren Stammvater Theodor Claus aus Cochem 1751 eine zehnregistrige Orgel für die Wallfahrtskirche Mater Dolorosa in Driesch baute. Vermutlich war es sein Enkel Peter Josef (geb. 26.02.1794), der sich als Orgelbauer in Lieser niederließ, oder dessen Sohn Johann Josef Claus / Klaus (1815 – 1863), der den Vertrag mit der Pfarrei Rachtig abschloß (Internetaufsatz von Reinhold Schneck im Trierer Orgelpunkt).

Ende 1905 wurde das Schiff der Pfarrkirche eingerissen und ab 1906 an den bestehenden Westturm ein neues Kirchenschiff angebaut. Von Orgelbauer Heinrich Voltmann aus Klausen ist folgende undatierte Rechnung erhalten:

Rechnung

Über abtragen der Orgel in der Pfarrkirche zu Rachtig an Mosel
beträgt für 2 Mann mit Zeitversäumniss Mk. 21

Auf dem gleichen Zettel ist auch der Empfang der Summe quittiert mit Datum vom 7.4.1908 (1906?)


Die zweite Orgel

1910 baute dann der nur kurze Zeit tätige Trierer Orgelbauer Nikolaus Franzen eine neue Orgel. Franzen, geboren am 15.3.1875 in Metterich bei Bitburg, machte sich 1897 in Winterspelt selbständig und kam über Butzweiler schließlich nach Trier, von wo aus er im Bistum Trier einige wenige Orgelneubauten fertigte. Er starb am 16.3.1927.

Franzen beließ den zweiteiligen Prospekt und die Seitenteile des Gehäuses und verlängerte dieses nach hinten mit einem oben offenen Kasten aus Sperrholz. Hinter den Prospekt setzte er auf zwei Ebenen die Laden und Pfeifen des zweiten Manuals; dahinter standen rechts die Pedalregister auf Sturz, links der große Magazinbalg und darüber das mehrfach geteilte Hauptwerk, ebenfalls auf Sturz.

Der Prospekt mit seinen alten Pfeifen blieb ohne Verbindung zum eigentlichen Orgelwerk. Fast das komplette Pfeifenwerk wurde erneuert, lediglich die zwei Pedalregister Subbaß 16‘ und Octav 8‘ wurden von C bis f° übernommen und bis d‘ ergänzt. Seltsamerweise war der Registerzug der Octav 8’ mit Salicetbass 16‘ beschriftet; dieser Name taucht auch auf dem Orgelmeldebogen vom 10.6.1944 auf. Die pneumatischen Membranladen (Abstromprinzip) wurden von einem neuen freistehenden Spieltisch auf der linken Seite aus angesteuert. Das Instrument hatte zunächst folgende Disposition:

I. Hauptwerk
(C – f³, Lade ausgebaut bis c4)
II. Nebenwerk
(C – f³, Lade ausgebaut bis c4)
Pedal: (C – d‘)

Bordun 16‘

Geigenprincipal 8‘ Violonbass 16‘

Principal 8‘

Lieblich Gedackt 8‘ Subbass 16‘
(C – f° alte Pfeifen mit engerer Mensur)
Flöte 8‘

Salicional 8‘

Oktavbass 8‘
(Alte Holzpfeifen, am Spieltisch steht: Salicetbass 16‘)

Gamba 8‘

Äoline 8‘
Octav 4‘

Traversflöte 4‘ (überblasend)
Rohrflöte 4‘

Quinte 2 2/3‘

Octav 2‘

Trompete 8‘
(ab fs³ labial und doppelt besetzt)

Koppeln: I – P, II – P, Oktavcoppel im Pedal (C – h°);  II – I; Superoctav II – I, Superoctav in I, Melodiekoppel
Freie Kombination, Auslöser, Feste Kombinationen für Piano, Mezzoforte, Forte und Tutti.


Den zweiten Weltkrieg überstand auch die Orgel nicht unversehrt. 1946 führte Anton Turk aus Klausen, Schwiegersohn und Werkstattnachfolger von Heinrich Voltmann, eine erste Reparatur durch. Dabei wurden vermutlich nur die allernotwendigsten Dinge erledigt. Umfangreicher waren Reparatur und Umbau 1959 durch Hubert Elsen aus Wittlich. Für Ausbau des Pfeifenwerkes, Reinigung, Einbau und Intonation sowie die Überholung der Windladen berechnet er einschl. Material 652,17 DM; das Auswechseln der Membranen kostete 60,75 DM; Aeoline 8‘ wurde umgearbeitet zu Nasat 1 1/3‘ für 25,70 DM und der Geigendprincipal 8‘ umgestellt zu Octave 2‘ für 12,60 DM. Die Gesamtkosten der Maßnahme beliefen sich demnach auf 751,22 DM.

In den folgenden Jahren mußte die Orgel mehr oder weniger regelmäßig repariert werden. Vorbälgchen und Membranen wiesen häufig Risse auf; die Bleiröhren der Pneumatik brachen an den Stellen ab, wo sie in Kontakt mit Eichenholz (Lohe!) kamen. Im Laufe der 90er Jahre gaben nacheinander die Pedalregister den Geist auf, schließlich auch die Pedalkoppel des 1. Manuals, so daß zum Schluß nur noch die 2. Pedalkoppel mit den leisesten Registern spielbar war. Allein diese Reparatur hätte den Abbau fast des ganzen Orgelwerkes erfordert, da die defekten Windladen an unzugänglichen Stellen knapp über dem Emporenboden lagen. Die Füllungen der Gehäuseerweiterung von 1910 waren in der trockenen Kirchenluft mittlerweile stark zusammengeschrumpft und wiesen erhebliche Risse auf, so daß bereits bei leichter Berührung die eine oder andere davon während der Messe mit lautem Krachen zu Boden polterte.

Eine umfangreiche Reparatur des gesamten Werkes mit demenstprechenden Kosten wäre nötig gewesen, allein diese hätte die Konstruktionsmängel bei den Laden und die klanglichen Defizite nicht behoben. Das im Geiste der Romantik errichtete Instrument wies durchaus einige sehr schöne Stimmen auf, vor allem die Gamba 8‘ und der Violon 16‘ waren exzellent, ebenso die 8‘-Register des 2. Manuals. Leider waren von diesen schon zwei verloren gegangen.

So wurde denn die Anschaffung eines neuen Werkes beschlossen, das unter Beibehaltung des herrlichen Prospektes im musikalischen und handwerklichen Geiste Balthasar Königs errichtet werden sollte. Den Auftrag dazu erhielt die Firma Josef Weimbs aus Hellenthal / Eifel, die über umfangreiche Erfahrung mit einer Reihe von König-Orgeln verfügt. Am 9.11.2003 wurde die alte Orgel mit einem Wortgottesdienst verabschiedet und an den folgenden Tagen demontiert, die Pfeifen übernahm der polnische Orgelbauer Jan Drozdowidcz aus Posen.
Die neue Orgel

Am Sonntag „Laetare“, dem 6. März 2005 wurde das neue Werk in einem feierlichen Gottesdienst durch Domkapitular Hans Wilhelm Ehlen geweiht. Das vollmechanisch traktierte Instrument mit der Opusnr. 296 hat folgende Disposition:

I Rückpositiv II Hauptwerk Pedal
Hollpfeif 8‘ Bourdon 16‘ Subbaß 16‘
Flaut travers Discant 8‘ Principal 8‘ Octavbaß 8‘
Praestant 4‘ Viola di Gamba 8‘ Gedacktbaß 8‘
Flaut 4‘ Hollpfeif 8‘ Bombart 16‘
Octav 2‘ Octav 4‘ Trompet 8‘
Quint 1 ½‘ Flaut 4‘
Tintinabulum Disc. 2f Quint 3‘
Mixtur 3f Octav 2‘
Cromhorn 8‘ Terz 1 3/5‘
Tremolant Cornett Disc. 3f
Mixtur 4f
Trompet 8‘
Claron Bass C-h° 4‘

Rückpositiv: 600 Pfeifen
Hauptwerk: 904 Pfeifen
Pedal: 150 Pfeifen

Koppeln I/II; I/P; II/P
Nebenzüge: Nachtigall; Kuckuck und Zimbelstern wurden 2007 hinzugefügt

Das Gehäuse wurde restauriert und nach hinten erweitert, die historischen Prospektpfeifen (ca. 84% Sn) konnten alle repariert werden, trotz großer Splitterlöcher aus dem Krieg. Alle Innenpfeifen sind nach König’schen Mensuren gefertigt aus 70% Sn. Nur der Subbaß, der nach hinten spricht und quasi einen rückwärtigen Prospekt bildet, ist aus Holz; 3 Seiten Fichte und die Front aus Eiche. Hinter dem Hauptwerk liegt die Windanlage mit klassischen Keilbälgen, darüber das Pedalwerk. Der Winddruck beträgt für die Manualwerke 68 mm WS, für das Pedal 85 mm WS. In umfangreichen Versuchen auf der Intonierlade in der Hellenthaler Werkstatt wurde für die Stimmung eine Temperatur nach Neidhart (1732 „für ein Dorf“) festgelegt. Die deutliche Tonartencharakteristik und die Art der Intonation durch OBM Friedbert Weimbs präferieren natürlich die Aufführung klassischer, besonders der französischen Orgelliteratur, aber auch die Romantiker haben durchaus ihren Reiz. Mit Bachs D-Dur-Präludium und Guilmants 1. Sonate im Gottesdienst sowie Werken von Torner, Bach, Mendelssohn, Brahms und Schroeder im Weihekonzert von Josef Still stellte die Orgel ihre vielfältige Verwendbarkeit unter Beweis.

Im Zuge des Orgelbaues wurden weitere Erhaltungsmaßnahmen notwendig: Die Empore mußte statisch gesichert und erweitert werden; das umfangreiche Schnitz- und Schleierwerk, das teilweise stark zerstört war, wurde durch die Restauratorin Stefanie Neumann gesichert, ergänzt, gefasst und neu vergoldet; die drei Figuren auf der Orgel (König David mit Harfe und zwei Posaunenengel) wurden durch Thomas Lutgen restauriert; weitere Schnitzarbeiten (Emporenbrüstung, Davidskrone) lieferte der ehemalige Rachtiger Organist Franz Rudolf Kön.

Besonders stolz ist der 1995 gegründete Orgelförderverein darauf, dass die Orgel allein durch vielfältige Veranstaltungen und die dabei erzielten Spenden bezahlt werden konnte. Weder das Bistum noch die Pfarrei gaben einen Cent dazu.

Josef Thiesen


Die Geschichte der Pfarrkirche „Maria Immaculata“ im Ortsteil Rachtig

Nach über 130 Jahren Streitereien zwischen Deutschem Orden und Gemeinde um Kirche und Pfarrhaus errichtete der aus Rachtig gebürtige Deutschordenspriester Johann Peter Glesius (1679 – 1762) nach Plänen des kurtrierischen Hofbaumeisters Philipp Honorius Ravensteyn die neue Pfarrkirche, wobei er für den Bau und die Ausstattung viel aus eigener Tasche beisteuerte. Baubeginn war im Frühjahr 1720 an der Stelle, wo schon seit 1670 im Ort eine Kapelle bestand; am 1. April 1723 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung, an Weihnachten 1725 wurde die erste Messe darin gefeiert und am 11.11.1736 (1734?) das Gotteshaus der Maria Immakulata (Patronatstag 8. Dezember) geweiht.

Das Kirchenschiff war innen 25 m lang und 14 m breit, daran stieß der Chor mit oktogonalem Abschluß,einer Länge von 11 m und einer Breite von 8,50 m. An der Nordseite stand die Sakristei und im Westen der imposante, 64,5 m hohe Kirchturm. Die alten Glocken wurden in den neuen Turm umgehängt und 1747 um eine dritte von 14 Zentnern Gewicht ergänzt. Die meisten Ausstattungsgegenstände wurden neu angeschafft, lediglich die Kalvariengruppe von 1634 im Turmeingang aufgehängt. 1739 ließ Pastor Glesius für 750 Taler die Orgel bauen, stiftete einen Betrag, aus dessen Erlös der Organist zu entlohnen war und verpflichtete den Eigentümer eines Hauses, die Bälge der Orgel zu ziehen (siehe auch unter „Geschichte der Orgel“). Die Empore, das „Toxal“, kostete mit Struktur und Schreinerwerk 32 Reichstaler. Für die Ausstattung der Kirche gab er 1517 Taler aus eigener Tasche aus, 872 Taler für Paramente.

Ein Fragebogen des Bistums, ausgefüllt 1846 von Pastor Lentz enthält weitere Einzelheiten: einschiffiger Bau, Mauerwerk von Schiefer-Bruchsteinen, mehrere Statuen, keine Glas- oder Wandgemälde; die Strebepfeiler haben keine Verzierungen und laufen schräg aus; drei Altäre: Mariä der Patronin (Hauptaltar) , Anna und Apostel.

Bereits 1771 mußte das Gewölbe auf dem Kirchenschiff eingeschlagen werden, da es zu schwer war und die Wände auseinander drückte. Anstelle des Schwibbogengewölbes bekam das Schiff nun eine gebogene Holzdecke.

Am 12. August 1857 schlug der Blitz ein; der Turmhelm brannte ab, die Glocken stürzten herab, Kirchendach und Orgel wurden schwer beschädigt. In der Folge wurde der Helm wieder mit der gleichen Höhe durch Zimmermeister Bungert aus Wittlich erneuert.

Ende des 19. Jahrhunderts mehren sich die Klagen über den schlechten Zustand der Kirche. Mit Verfügung der bischöflichen Behörde vom 3. März 1903 wurde schließlich wegen Einsturzgefahr und verschiedener Mauerrisse im Chorraum zunächst der Gottesdienst untersagt, später die Kirche ganz geschlossen.

Auf Betreiben von Pfarrer Rohr wurde nach Plänen des Trierer Dombaumeisters Julius Wirz unter Beibehaltung des Westturmes ein Kirchenneubau errichtet, der romanische Bauformen aufweist. Am 26.08.1906 wurde der Grundstein gelegt; am Patronatsfest, dem 8. Dezember 1907 die erste Messe darin gefeiert und der Bau im Wesentlichen 1908 fertiggestellt. Die alte Ausstattung wurde dabei zu einem Großteil übernommen, lediglich der schwere und dunkle barocke Altar wurde 1913 nach Afden, St. Gertrud (heute Herzogenrath bei Aachen) verkauft und ein neogotischer dafür angeschafft.

Im März 1945 wurde die Kirche durch 18 Granattreffer schwer beschädigt. Ersten Reparaturen folgte 1968 eine Grundsanierung und Umgestaltung im Sinne der Reformen des 2. Vatikanischen Konzils, bis im Jahre 2000 der heutige Zustand hergestellt wurde. Am 6. März 2005 wurde die neue Orgel eingeweiht, bei der das historische Gehäuse und zwei Pfeifenreihen von 1739 Verwendung fanden.

(Josef Thiesen)

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Ansprechpartner / Kontakt

Pfarrbüro St. Marien Zeltingen-Rachtig
Schulstraße 11
54470 Bernkastel-Kues


Mit freundlicher Genehmigung des Kultursommer Rheinland-Pfalz e.V. und des Orgelfördervereins
OI-Z-6
weiterführende Links:

Webseite Orgelförderverein Rachtig



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