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Die Orgel der ev.-luth. Kirche Zschorlau

Allgemein
Disposition

Die Baugeschichte der Kirche
Der Vorgängerbau
Der Bau der jetzigen Kirche
Kontakt zur Gemeinde

Allgemein

Erbauer:
Gebr. Jehmlich, Orgelbau Dresden, 1971, historisches Prospekt vom Ersteinbau 1628/29 von J. Zschuke/Plauen (für 218 Gulden) *
Traktur: mechanische Spiel- und Registratur
Tonumfänge: Manuale c-f3 - Pedal c-f1


Disposition

Pedal Hauptwerk Schwellwerk
1 Subbaß 16 ´ 7 Prinzipal 8´ 14 Gedackt 8´
2 Gemshorn 8´ 8 Rohrflöte 8´ 15 Koppelflöte 4´
3 Rohrpfeife 4´ 9 Oktave 4´ 16 Prinzipal 2´
4 Choralbaß 3-fach 10 Spitzflöte 4´ 17 Sifflöte 1´
5 Baßzink 3-fach 11 Waldflöte 2´ 18 Sesquialter 2-fach
6 Trompete 8´ 12 Quinte 1 1/3 19 Zimbel 3-fach
13 Mixtur 5-fach 20 Musette 16´

Tremulant
Koppeln: II-Pedal / 1-Ped / II-I. Schweller
*Prospekt ist der einzige original erhaltene von Zschucke


Die Baugeschichte der Kirche

Der Vorgängerbau
Unser heutiges Kirchengebäude hatte einen Vorgängerbau, über den wir einiges aus alten Unterlagen wissen. Wann diese ursprüngliche Kirche gegründet wurde, ist leider unbekannt. Zwar schrieb der damalige Pfarrer bei der Erbauung der jetzigen Kirche: „...nachdem die Kirch an die 300 Jahr allhier gestanden...“, doch diese Zeitangabe dürfte nur geschätzt sein. Der heutige Ort Zschorlau wurde zwischen 1170 und 1192 besiedelt. Ein Gotteshaus, in welcher Form auch immer, wird mit der Besiedlung entstanden sein, ein feste und in der Regel hölzerne Kirche entstand mit dem Wachsen der Gemeinde wohl um 1200. Zschorlau war anfangs nach Grießbach (als „ältist und obist Pfarr“) eingepfarrt und wurde auch von dort durch einen extra angestellten Kaplan kirchlich versorgt. Um 1542 wurde es zum eigenständigen Pfarramt erhoben.

Die alte Kirche befand sich am heutigen Standort, sie war relativ klein und hätte in die jetzige Kirche hineingepasst. Die Säulen der heutigen Emporen bezeichnen den ehemaligen Standort der alten Umfassungsmauern. Das Gebäude war sehr hoch und bestand aus einem Steinunterbau. Darauf befand sich ein Holzgebälk mit Bretterverschlag, darüber der Dachstuhl. In der Mitte des Dachfirstes ragte ein hölzerner Kirchturm hervor. Die Kirche besaß eine Empore, die 1555 unter Pfarrer Rosenbach, „dem Predigtstuhl gegenüber“, eingebaut wurde.

Der bauliche Zustand der Kirche wurde mit den Jahren so schlecht, dass es sogar zu einem Todesfall kam. Am 26.2.1569 brach die Frau des Kirchners Barbara Pechstein durch den Dachboden, da sich die von unten angenagelten Deckenbretter lösten, und blieb tot vor dem Altar liegen. Ab etwa 1600 wurde an der Kirche ständig gebaut, um diese zu verschönern; der bauliche Zustand aber wurde trotzdem weiter bedenklicher. Im Jahr 1601 bekam die Kirche eine neue Kanzel, „weil die alte wandelbar geworden“, und 1606 wurde ein neuer Taufstein gesetzt, zu dem die 42 Junggesellen des Ortes eine Steuer zu errichten hatten. 1608 ist auf allen Häusern eine Umlage eingefordert worden, um die “Kirche mahlen zu lassen”. Die Arbeit zog sich bis 1611 hin, weil für die Arbeit ursprünglich der Schneeberger Mahler Matthias Krodell verdingt worden war, dieser das Werk aber seinem Bruder Wolfgang Krodell übergeben musste. Die Krodells waren Maler der Cranachschen Schule und erlangten enorme Berühmtheit. Am 13.7.1611 hat Margarethe Setzer, Frau des Kirchners, das große Kruzifix zum Mahler Wolf Krodell nach Schneeberg getragen, damit dieser einen neuen weißen Anstrich ausführt. Im Jahre 1612 wurde ein größeres Fenster links von der Kanzel durchgebrochen, „um dem Prediger mehr Licht zuzuführen“; dafür erhielt der Maurer einen Taler.

Als Ehrerbietung gegenüber dem damaligen Pfarrer hat Just Nier, Meister auf Antony Agricolas neuem Hammerwerk bei der Schwefelhütte an der Mulde, am 16.5.1614 einen Stuhl für die Sakristei machen lassen. Im Jahr 1618 hat man die Kirchenstühle, „die ganz wandelbar und unten verfaulet gewesen“, abgetragen und herausreißen müssen. Die Kirche hat man nun im vorderen Teil mit breiten Steinen aus Hans Friedrichs Gut belegt, die Gänge zwischen den Stühlen mit Ziegeln gepflastert. Die Stühle wurden ausgebessert und auf neue gezimmerte Schwellen gesetzt. Der tiefer liegende Chor wurde gehoben und ebenfalls mit Ziegeln gepflastert. Im Jahre 1620 hat man auf jedes Haus im Ort eine Anlage erhoben, um einen zweiten Turm auf die Kirche setzen und eine Uhr anzuschaffen zu lassen. Bis dahin gab es im Ort keinerlei Zeitmessung, darum schreibt der Pfarrer: „zum helfen der Schule und guten Zuständen“.

Eine weitere große Anschaffung erfolgte im Jahre 1628 mit dem Einbau der ersten Orgel, hier im damaligen Wortlaut: „Anno 1628 ist Von der gantzen Gemein allhier einfelliglich beschlossen Und abgeredet worden, das sie Gott und seinem Lob zu ehren, Und der Gemeinde zum ewigen Gedächtniß ein feines Orgelwerk in die Kirch zu machen lassen wollten, dannenhero auch durch eine Gemeindeanlag ein jeder gutwillig etwas darzu gesteuret, dazu auch Herr Matz Gnaspe Und alle von der Schwefelhütt haben auch ein jeder etwas darzugeben, davon ist der Chor samt dem Orgelwerk gebauet worden,. Anno 1628 ist es angefangen zu machen, Und anno 1629 von Herrn Joachim Zschugken, Orgelmacher zu Plauen Vorfertiget, Und ist am Weihnacht Fest Ao. 29 das erstemal geschlagen worden.“

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 218Taler und 9 Groschen, dazu kamen noch 14 1/2Taler für die Bemalung des Gehäuses.
Der bisherige Schulmeister Hans Setzer musste wegen der Orgelanschaffung nach Härtensdorf versetzt werden, „weil er die Orgel nicht zu schlagen verstand“. Sein Amt übernahm nun Valentin Görner, Schulmeister und Organist aus Stollberg, dessen Bild jetzt neben der Orgel hängt.

Während des 30jährigen Krieges wurde unsere Kirche mehrmals ausgeraubt. Dabei hatte man es besonders auf Messgewänder, Kelche, Leuchter und Altartücher abgesehen. Zum einen wurden die Verluste durch Wiederbeschaffung mit Hilfe von Spenden ausgeglichen, zum anderen versuchte die Obrigkeit, durch unkonventionelle Maßnahmen die Schäden zu beheben: Nachdem sich Dorothea Becher und Margaretha Hirsch geschlagen und die Ärmel ausgerissen hatten, wurde vom Schöffenstuhl in Leipzig auf Anregung des Pfarrers folgende Strafe für beide ausgesprochen: sie hatten mit je 6 Ellen schwäbisch Tuch den Altar zu bekleiden.


Der Bau der jetzigen Kirche
In den Kriegsjahren standen natürlich kaum Mittel zu Verfügung, die Kirche weiter auszubessern; der bauliche Zustand war sogar so schlecht geworden, dass man sich 1652 zu einem Neubau entschloss. Dabei ging man einen ganz besonderen bautechnischen Weg. Man lies die alte Kirche stehen und baute die neue um diese herum. Daher wurde während des ganzen Baues nur ein Mal der Gottesdienst außerhalb der Kirche gehalten. Da es regnete und man das Dach abgenommen hatte, musste in Hans Bauers Stube Gottesdienst gehalten werden.

Am 4. Juli 1659 fingen die Tischlermeister Hanß von Grünhain und Samuel aus Aue an, die Kirchendecke zu erstellen. Drei Tischler haben in dieser Zeit ständig daran gearbeitet, bis sie am 6. August damit fertig wurden. Unterdessen begann Hans Steinherr, Maler und Kirchner aus Schneeberg, am 25. Juli die Deckentafeln ebenerdig zu bemalen. Am 4.3.1660 wurde vom Maurer Balzer Schubert aus Hartmannsdorf ein Gerüst in die Kirche gesetzt. Vom 29.3. bis 6.4.1660 konnten dann von den Tischlern die Deckentafeln angebracht und mit den profilierten Rahmen versehen werden. Damit erhielt der Neubau der Kirche seinen vorläufigen Abschluss.

Im 18. Jahrhundert wurde eine stattliche Anzahl personenbezogener neuer Kirchenstühle gebaut, was mehrmals zu Streitigkeiten mit der zuständigen Wiesenburger Herrschaft führte, die das Patronat über unsere Kirche innehatte. Im Jahre 1708 wurden trotzdem drei neue Weiberstühle neben dem Taufstein gesetzt. Die Inhaber hatten dafür einen kurz vorher in Auftrag gegebenen Taufengel zu bezahlen. Dieser Taufengel mit Schale war bis etwa 1925 in der Kirche schwebend angebracht und wurde in den 20er Jahren im Auftrag des Denkmalsamtes Dresden neu bemalt. Das Gesicht geriet dabei so dunkel, das der Kirchenvorstand sich weigerte, diesen wieder aufzuhängen.

Wahrscheinlich im Jahre 1731 wurde ein neuer Taufstein mit einer Taufschale aus Wildenfelser Marmor gesetzt. Er trägt die Initialen M. D. B. (Magister Daniel Bahrt) und wird heute wieder als Taufstein benutzt. Der Taufsteindeckel trägt ein wertvolles Gemälde einer Gott-Vater-Darstellung von C. Kleinert, das in den letzten Jahren durch die Akademie der Bildenden Künste, Dresden in Form einer Diplomarbeit restauriert wurde.

An die Kirche wurden nun im 18. Jahrhundert überdachte Erbbegräbnisse angebaut. Ein eigenes Abteil mit Zugang zur Empore hatten z.B. die Besitzer des Schindlerschen Blaufarbenwerks, der später durch örtliche Familien und für Grabstellen der Ortspfarrer genutzt wurde. Bis weit unter das Gestühl reichend befinden sich im Altarraum ausgemauerte Grabstellen ehemals einflussreicher Familien wie dem Besitzer des Hammerwerks Neidharsdtsthal, ehemaliger Geistlicher und anderer Herrschaften. Im Jahre 1732 wurde eine 2. Empore in die Kirche eingebaut.

Mehrmals hat man, oft auch kriegsbedingt, die Glocken der Kirche erneuert. So mussten unsere Glocken am Ende des Ersten Weltkrieges für Kriegszwecke eingeschmolzen werden, wurden aber 1922 durch ein neues Stahlgussgeläute ersetzt. Dieses wurde 2002 abgenommen, weil sein großes Gewicht Schäden am Turm verursacht hatte. Ein in Passau gegossenes Bronzegeläut dient heute unserer Gemeinde.

Ein umfassender Innenumbau der Kirche erfolgte im Jahre 1880. Neben Reparaturen, Ausbau des Beichtstuhles, Abriss der 2. Empore, Schließung der Zugänge von außen zu den herrschaftlichen Abteilen und Fenstererweiterungen baute man einen Kanzelaltar mit Wandverkleidung ein, der dem damaligen Zeitgeist der Neogotik entsprach. Im Jahre 1892 erhielt die Kirche eine neue Orgel. Im Jahre 1896 wurden an der Ost- und Nordseite der Kirche weitere Eingänge angelegt. 1926 erfolgte der Einbau einer Dampfheizung.

Im Jahre 1963 begann die Umgestaltung des Innenraumes, wobei der Kanzelaltar abgebrochen und zugleich die teilweise verfaulten Holzverkleidungen entfernt wurden. Unter großen Materialbeschaffungsnöten konnte eine neue Kanzel und ein neuer Altar samt Taufstein aus Sandstein aufgestellt werden. Gleichzeitig erweiterte man die Fenster links und rechts vom Altar und schuf damit einen helleren und freundlicheren Innenraum. Die Arbeiten dauerten in den Folgejahren weiter an; so wurde 1968 der gesamte Anbau am Westflügel mit Eingang baulich neu gestaltet. Schließlich erhielt die Kirche eine neue Orgel der Firma Jehmlich, Dresden, die im alten Prospekt aus dem 17. Jahrhundert ihren Platz fand. Anfang der 80er Jahre erfolgte mit Unterstützung der Partnergemeinde Freden der Einbau einer Warmwasserheizung.

In den letzten Jahren mussten große Teile des Dachgebälks wegen Schwammbefall erneuert werden, gleichzeitig wurde dabei das Dach neu gedeckt, die Turmkugel neu vergoldet und der Wetterhahn erneuert. Die Kirche samt Turm ist neu verputzt und gestrichen, der ehemals vorhandene Turmbalkon wieder angebaut. 2005 und 2006 erfolgten mit Hilfe vieler Spenden aus der Gemeinde eine Aufarbeitung des Gestühls von 1880 und die Zusammenführung der Altarfiguren einer Kreuzigungsgruppe zu einem neuen Kanzelaltar. Im Zusammenhang mit der Restaurierung der Bilderdecke entstand somit ein Kircheninnenraum, der denkmalwürdige Bau- und Kunstgeschichte mit den Anforderungen des Gemeindelebens harmonisch verbindet.


Kontakt

Evangelisch-Lutherische Kirche Zschorlau
August-Bebel-Str. 46
08321 Zschorlau

Tel: 03771/458194
Fax: 03771/457601

www.Kirche-Zschorlau.de
pfarramt(at)kirche-zschorlau.de


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde
OI-Z-5
weiterführende Links:

Webseite Kirchengemeinde Zschorlau



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