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Velvet
Ensemble & Organ Music from 17th century Austria

Interpreten: Ensemble delirio
Label: CDelirio

In ein leinenbindiges Grundgewebe wird ein weiteres Schussfaden-System eingearbeitet, Schuss-Samt (auch Velvet) genannt, heraus kommt ein samtweicher rot/weißer Krönungsmantel, in den die vier Mitglieder des Wiener Ensembles Delirio, das sind David Drabek (Violine), Pablo de Pedro (Viola), Philipp Comploi (Violoncello) und Jeremy Joseph (Orgel) Musik von Poglietti, Schmelzer, Bertali, Froberger und Biber kleiden, besser zeremonieren!

Und so, wie es kein Synonym für zeremonieren gibt, so spielen die vier jungen Jungens, virtuos, drahtig, athletisch schlank, nervig - und kundig! Im Mittelpunkt steht die Wöckherl-Orgel der Franziskanerkirche in Wiens Stadtmitte von 1642, 2010 von Kuhn vorbildlich restauriert. Seine Begeisterung für dieses Instrument überträgt Jeremy Joseph auf seine Streicherkollegen und die Kompositionen, das kann ja nicht sein, dass auch nur ein Takt dieser Wiener Kammermusik aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts langweilt. So atemlos, wie das musiziert ist, so schließen auch die Tracks aneinander an, auch der Hörer kommt da vor lauter Blättern und Nachlesen aus dem Atem.

Der Booklettext von Markus Grassl führt gekonnt ein in die Situation Wiens und seiner Musik, im Kontext von Pest, Franzosen- und Türkenkriegen und Gegenreformation. Interessante Klangfarben ergeben sich durch die Verwendung der Orgel als Continuoinstrument – die in den Solostücken aber auch etliche ihrer anderen Klangfarben entfalten darf, leider fehlen hier die Registrierangaben - und einer Viola anstelle einer Gambe, ergänzt durch das Violoncello als zusätzliches Bassinstrument.

Hinreißend schön musiziert ist diese CD, also gleich noch einmal aufgelegt!


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Mai/Juli 2015




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