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Sonaten für Orgel - Band 2

Komponist: Felix Bräuer
Verlag: Daniel Kunert - Dienstleistungen

Felix Bräuers neue Choralsonaten

Spannend ist es, etwas in die Hand zu bekommen, was eigentlich für den Kirchenmusiker natürlich sein sollte, aber so in der Form nicht erhältlich ist: Ich meine die sogenannten Choralsonaten für Orgel von dem Bautzener Organisten und Kirchenmusiker Felix Bräuer. Der Begriff „Choralsonate“ erscheint m.W. in der gesamten Orgelliteratur nur sehr selten: bei Conrad Beck, bei Helmut Bornefeld (für Flöte und Orgel) und vor allem bei Johannes Driessler, der davon 20 Stück geschrieben hat, und die allesamt in der Zwölftontechnik erfunden sind.

Felix Bräuer geht da ganz andere Wege und überrascht den Interpreten. Der erste Band ist auf die Advent-, Weihnachts-, Passions- und Osterzeit ausgerichtet und  mit lateinischen Überschriften ausgestattet. „Sonata in Adventum“ oder  „Sonata Nativitate Domini Nostri Jesu Christi“ heißt es dort. Dahinter verbergen sich aber ganz reizende Choralbearbeitungen über Lieder aus dem katholischen Gotteslob oder evangelischen Gesangbuch. Etwa z.B. in der ersten Sonate gibt es eine schlichte Choralausführung über „Komm, du Heiland aller Welt“,  ein taufrisches zartes Trio über „Tauet Himmel den Gerechten“, ein Intermezzo (in französisch barocker Form?) über „O komm, o komm, Imanuel“ und ein französisch-akkordgerasseltes Carillon über  „Gott heilger Schöpfer aller Stern“. Warum nicht? Diese Sonate, die ich im letzten Advent im Rottenburger Dom gespielt habe, fand dort sehr großen Anklang.

Im zweiten Band wird das Kirchenjahr fortgeführt mit den Sonaten „...spiritui Sancto“, einer Mariensonate „ ...della Beata Vergine Maria“ der Sonaten Eucharistica,  Ecclesia und pro defunctis. Auch hier handelt es sich um äußerst erfindungsreiche, farbige Choralbearbeitungen, die nie den tonalen Boden verlassen und immer Appetit auf mehr machen. Ich glaube kaum, daß es sich um aufgeschriebene Improvisationen handelt. Hier ist alles sehr genau durchdacht, dem cantus firmus angepaßt und orgelgerecht geschrieben. Die Stücke eignen sich, auch satzweise, sehr gut für den Gottesdienst und machen erheblichen Eindruck im Konzert. Was will man mehr? Doch: eine Kleinigkeit habe ich schon zu meckern: warum schreibt der so begabte Komponist fast immer die Schlußakkorde als Sixte ajoutée oder Nonenakkorde? Das hat er nicht nötig.

Ich kann die beiden Bände jedem Kirchenmusiker nur wärmstens empfehlen und ans Herz legen.

Reinhard Kluth - für www.orgel-information.de
Februar 2016 / August 2016



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