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Der Orgelkönig

Komponist: Johann Gottlob Schneider
Interpret: Halgeir Schiager
Instrument: Orgel der Steinkjer Kirche
Label: LAWO

Eine gute Frage: wer ist der König der Orgel?
Nun, die hier vorliegende CD gibt Aufschluß!

In der Zeit nach Bachs Tod und den ersten Orgelkompositionen des Felix Mendelssohn scheint es keine sonderlich interessante und große Literatur für die Orgel zu geben. Und dennoch: weit gefehlt. Es gibt noch eine ganze Reihe von Komponisten, neben den bekannten Johann Chr. Rinck und M.G. Fischer, die nur der Entdeckung harren.

Der norwegische Organist Halgeir Schiager hat sich der Entdeckung dieser Komponisten angenommen und zeigt hier erstmalig in einer großartigen Einspielung die Werke Johann Gottlob Schneiders auf. Dieser Mann lebte von 1789 – 1864 und wurde in Altgersdorf (im Dialekt der Oberlausitz: Alt Gerschdorf) in der Nähe von Zittau geboren. Er erhielt bei seinem Vater, dem Lehrer und Organisten Joh. Gottlob Schneider sen. und beim Organisten Unger in Zittau seinen ersten Unterricht. Dort war er gut bedient, denn beide Lehrer waren wiederum Schüler des Bachschülers Johann Trier.
In Leipzig studierte er dann Musik und erhielt auch sogleich die Organistenstelle der Universitätskirche in Leipzig, wechselte dann aber an die Pfarrkirche St. Peter und Paul nach Görlitz. In diesem kathedralartigen Bau erwartete ihn die von Bach nicht sonderlich geschätzte Casparini-Sonnenorgel. Dennoch: Schneider hat sein Amt geliebt und führte hier nicht nur Orgelwerke Bachs, die ihm wohlvertraut waren auf, sondern machte die Bevölkerung auch mit der Musik Mozarts und Beethovens, vor allem auch als Lehrer, vertraut.
Als er an die Sophienkirche, der lutherischen Hofkirche Dresdens, wechselte, machte er die Bekanntschaft mit Felix Mendelssohn Bartholdys und auch mit Robert Schumann, der später sein Schüler werden sollte. Mendelssohn nannte Schneider, und hier löst sich das Rätsel: den KÖNIG Der ORGEL.
Schneider war nicht nur eben ein berühmter Organist, der sich auch im Handwerk des Orgelbaues auskannte, nein, auch als Pädagoge war er ein gefragter Mann. Als Improvisator war er europaweit bekannt, wie auch seine Einladung nach London bezeugt. Er soll regelmäßig vor den Gottesdiensten Fantasien und Fugen improvisiert haben, die eine große Zuhörerschaft anlockte.
An Kompositionen hat uns Schneider leider nicht so viel hinterlassen, jedenfalls nicht viel Gedrucktes. Im evangelischen Kirchenpräludienbuch gibt es eine Reihe von Sätzen, die allesamt hier eingespielt sind; bekannter geworden sind auch seine Phantasien und Fugen op. 1 und 3. Die eingespielten Variationen in A-Dur sind auch wieder im Druck erschienen, allerdings harren die zwölf leichten Spielstücke noch einer Veröffentlichung.

Halgeir Schiager nutzt für die Aufnahme zwei wunderbare Instrumente in der Steinkjer Kirke in Oslo, welche von Torkildsen Orgelbyggeri ganz im Sinne Joachim Wagners, aber mit klanglichem Vorbild von Silbermann erbaut wurden (Hauptorgel und Chororgel).
Die Instrumente weisen beide einen sehr voluminösen Grundtenor auf, ohne aufdringlich zu wirken. Dem steht ein strahlendes Pleno gegenüber, daß es nur so eine Freude ist. Die langsamen Teile der Phantasien werden mit berückend schönen Solostimmen aber auch lyrischen Grundstimmen, die schon stark auf Mendelssohns Orgelmusik hinweisen, interpretiert.

Ein hervorragend gestaltetes Booklet informiert ausführlich über den Komponisten, die Instrumente und den Interpreten. Es lohnt sich, diese schöne Musik des „Orgelkönigs“ im Hause zu haben.

Reinhard Kluth - für www.orgel-information.de
Mai 2017 / August 2017


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