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Daniel Magnus Gronau - Ein Danziger Organist und seine Choralvariationen

Herausgeber: Ekkehard Krüger
ISBN: 978-3-937788-56-2
Verlag: ortus
 
Nach der Entdeckung eines Mikrofilms von dem 40 Variationszyklen umfassenden Konvolut des Danziger Johannes-Organisten Daniel Magnus Gronau (c 1685/1700 – 1747) 2012 durch Martin Rost und Krzysztof Urbaniak und deren Edition vor zwei Jahren legt jetzt der Beeskower Verlag nach. Der vorliegende Band vereint die fünf Vorträge, die 2015 auf einem Symposion zur Vorstellung der Gronau-Choralvariationen bei der Greifswalder Bachwoche gehalten wurden.

Bernhard Schmidt widmet sich den Danziger Gottesdienstordnungen im 18. Jahrhundert, immens wichtig nicht nur für die allgemeine Liturgiegeschichte, sondern auch zum Verständnis der liturgischen Einordnung der Variationen. Auch wenn die drei vorgestellten liturgischen Ordnungen aus verschiedenen Zeiten stammen: dass damals in jedem Kirchspiel unterschiedliche Ordnungen herrschten, dürfte typisch für die Spätform der reformatorischen Gottesdienste orthodoxer Lutheraner in Deutschland gewesen sein. Interessant zu lesen, dass im Verlauf der Zeit in Danzig die Orgelmusik vergleichsweise weniger reduziert wurde als die vokal/instrumentale Musik und als andernorts.

Ein kürzerer Absatz beschäftigt sich mit der Besetzung der damals aufgeführten Kurzmessen und Kantaten. Der Name Johann Balthasar Christian Freislich (1687 – 1764) dürfte dabei durch Danziger Neueditionen und Einspielungen inzwischen wieder weiter bekannt geworden sein.

Wolfgang Miersemann stellt Gronaus Variationen vor dem Hintergrund der Entwicklung des geistlichen Liedes im 17. und 18. Jahrhundert vor. Ausgehend von Johann Crügers Praxis pietatis melica. Das ist Übung der Gottseligkeit in Christlichen und Trostreichen Gesängen untersucht er die Danziger Gesangbücher, ihr Werden und Vergehen in Rezeption, bzw. Kritik. Hans-Otto Korth sammelte bibliographische Angaben zu den von Gronau variierten Liedern. Hier finden sich detaillierte Anmerkungen zu den Melodien und ihren Quellen wie den Texten und ihren Dichtern, eine bewundernswerte Fleißarbeit, die das Studium der Gronau-Bearbeitungen erheblich grundiert!

Krzysztof Urbaniak schließlich beschreibt die Geschichte der Orgel Gronaus in der Johanniskirche in Danzig zwischen 1670 und 1760. Ohne diese Daten sind die Registrierangaben Gronaus, die seine Variationen zur reichhaltigen Quelle zum Verhältnis Satz- und Klangart machen, unverständlich, da hier oft im Pedal verhältnismäßig viele Register gezogen werden. Die Pedaltürme standen allerdings solistisch in den beiden Seitenschiffen, das Hauptgehäuse der Gronau-Orgel von 1629 ist heute in St. Marien zu bewundern.

Endlich beschäftigt sich Ekkehard Krüger mit der Biographie Gronaus, wobei auch die personelle Besetzung der Orgeln und ihre liturgischen Aufgaben aufgelistet werden. Die verschiedenen Variationstypen werden in einem letzten Absatz beschrieben. Der Band schließt mit einem Namenregister. Mit Kauffmanns Harmonischer Seelenlust und natürlich den Bearbeitungen von Johann Gottfried Walther und Johann Sebastian Bach stellen die Variationen Gronaus wohl den wichtigsten Teil hochbarocker Choralkunst dar, quantitätsmäßig und erst recht qualitätsmäßig, dazu noch mit Registrieranweisungen. An ihrem durchaus anspruchsvollen Studium kommt kein Organist vorbei, wozu dieser Band grundlegende Informationen bietet.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Januar 2018 / Juni 2018


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