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Ricercari d’Intavolatura d’Organo

Komponist: Claudio Merulo
Herausgeber: Jolando Scarpa

Verlag: Edition Walhall


Claudio Merulo (1533 – 1604) war zunächst Organist in Brescia und seit 1557 dann zweiter Organist am Markusdom in Venedig, 1566 wurde er erster Organist als Nachfolger von Annibale Padovano, Andrea Gabrieli wurde zweiter Organist. Kapellmeister zu seiner Zeit waren Adrian Willaert (bis 1562), Cipriano de Rore (1563/64) und Gioseffo Zarlino (1565–1590). Claudio Merulo schrieb Madrigale, Motetten und Messen, für Clavier gab er sein Libro Primo de Ricercari d'intavolatura d'organo (Venezia 1567) und einen Band mit Orgelmessen (Messe d'intavolatura d'organo 1568) heraus. Dazu kamen später die Canzoni d'intavolatura d'organo, fatte alla francese: Libro I (1594), Libro II (1606, posthum), Libro III (1611, posthum) und die Toccate d'intavolatura d'organo: Libro I (1598), Libro II (1604). 1584 ging er nach Parma u.a. als Domorganist, dort starb er 1604, sein Grab findet man in der Kathedrale. Merulo kannte sich auch im Orgelbau aus, im Konservatorium zu Parma befindet sich eine kleine Orgel mit 4 Registern mit angehängtem Stummelpedal, die zumindest teilweise von Merulo selber konstruiert worden sein soll. Merulo gilt als wichtigster Pionier der Toccata vor Frescobaldi, und somit des Stylus Phantasticus.

Das reiche Ricercar-Schaffen seit c 1500 - am bekanntesten sind die Werke von Marco Antonio Cavazzoni, Jacques Brunel, Jacques Buus und später die der beiden Gabrielis geblieben – prägte Merulo neu. Er reduzierte die Themenanzahl, stilisierte die Diminutionen und näherte dabei die Themen in ihrer Gestaltung an, doch bleiben die Ricercari dabei ganz abwechslungsreich in ihrer Rhythmik und Melodik. Die Prägnanz der Themen ist es denn auch, die gleich das erste Ricercar del primo tono. mit 7 Themen in 138 Takten auszeichnet. Der Herausgeber Jolando Scarpa vermutet, dass die „intavolierten“ Ricercari ohne eine Vorlage als primäre Orgelmusik in Partiturform komponiert sind. Jedenfalls verkörpern diese Kompositionen nun die Form der kontrapunktischen imitierenden Motette, nicht mehr das ursprünglich nach Klang und Form „suchende“ Experimentstück. Inwieweit hier also noch Verzierungen zu ergänzen sind, bleibt dem Interpreten zwar überlassen, doch sei hier zur Sparsamkeit ermahnt, um die Strukturen der fest gefügten Form noch durchhörbar zu halten. Auch diktiert im Cinquecento ja noch nicht der spätere Barockbeat, so dass rhythmische Freiheiten vor allem bei der Cadenzbildung gegeben sind. So wird z.B. von Girolamo Diruta die Eleganz, Fantasie und Ausdruckskraft Merulos hochgelobt (Il Transsilvano, 1593).

Nach einer Ausgabe von John Morehen, Madison (Wisconsin, USA): A-R Editions, Inc., 2000, hat nun Scarpa im Magdeburger Verlag Walhall eine sehr übersichtlich gesetzte Ausgabe mit einem informellen Vorwort ediert. Warum das Vorwort nur engl./ital. erscheint, mutet in einem deutschen Verlag seltsam an, ändert aber nichts an der Qualität und Wichtigkeit der Ausgabe.


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Mai 2019 / November 2019


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