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Drei Werke für Orgel KV 594, 608 und 616

Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Herausgeber: Thierry Hirsch

Verlag: Carus


Der 1988 geborene Rhetorik-Spezialist, Leiter der „Cellule BPI“ bei ADEM in Luxemburg (einer Abteilung des Arbeitsamtes, die sich um die Integration von Flüchtlingen mit höherer Bildung kümmert) und Organist Thierry Hirsch hat die drei „Flötenuhrstücke“ Mozarts aufs Neue für die Orgel umgeschrieben. Die Stücke aus Mozarts letzter Schaffenszeit (1790/91) gehören zu den am besten rezipierten Orgelstücken überhaupt und brauchen hier keine neue Beschreibung. In unzähligen Bearbeitungen für Klavier zu zwei und vier Händen (so die Erstausgabe von Johann Mederitsch 1799), Orgel allein und im Duo, für großes Orchester, Blasinstrumente etc. etc. wurden die faszinierenden Werke immer wieder verbreitet. Die letzte Orgelbearbeitung erstellte 1973 Monika Henking (Doblinger DM 587). Braucht es da eine neue Barbeitung?

Ein Herausgeber der drei Stücke Mozarts sieht sich vor die Aufgabe gestellt, den für einen größeren Musikautomaten – Mozart titelt fälschlich „für eine Uhr“ (KV 594 und 608), bzw. „für eine Walze in eine kleine Orgel“ (KV 616) - in vier Systemen (nur das vierte steht im Bassschlüssel) geschriebenen Satz für die drei Systeme einer Orgelpartitur (mit zwei Systemen im Bassschlüssel) zu bearbeiten. Bei der Übertragung hat er sich zu entscheiden zwischen einer möglichst getreuen Übertragung, die möglichst alle bei Mozart notierten Noten bringt, einem grifftechnisch gut machbaren Auszug, bzw. allen dazwischen liegenden möglichen Lösungen. Die Frage, ob eine Orgel denn auch den Klang eines damaligen Automaten überhaupt wiedergeben kann oder soll, ist da noch eine ganz andere. Eine genauere Beschreibung eines größeren Automaten, wie er im Hause des Grafen Joseph Deym von Stritetz in Wien zu vermuten war, lieferte Hans Haselböck in Ars Organi 54 (2006), S. 71ff.

Thierry Hirschs Absicht war es, den Notentext so getreu als möglich nach der Mozart-Gesamtausgabe von 1982 wiederzugeben, auch wenn dadurch größere technische Ansprüche an den Spieler gestellt werden. Gerne hätte man da auch Faksimiles der Autographe gesehen, um die Übertragung richtig würdigen zu können. Legal ist es jedenfalls, den vorgelegten Notentext spieltechnisch da zu vereinfachen, wo Textdoppelungen keinen musikalischen Mehrwert bringen und die Durchhörbarkeit noch erschweren. Auch Zusätze Thierrys (z.B. KV 608, Pedal T. 5,3 und alle Pedaltiefoktavierungen T. 1 – 6) könnten um der Übertragungstreue willen eher gestrichen werden, was natürlich Einfluss hat auf die klangliche Wiedergabe. Die vorgeschlagenen Registrierangaben, die den traditionellen symphonischen Gewohnheiten bei KV 608 entsprechen, erübrigen sich, welche „moderne“ Orgel hier Pate stand, wird auch nicht erwähnt. Hilfreicher wäre hier der Blick auf Haselböcks Beschreibung (s.o.). Da Mozart wohl selber auch nicht so ganz glücklich war mit den beschränkten klanglichen Möglichkeiten der damaligen Automaten, ist ein eher symphonischer Zugriff natürlich ebenso möglich, übertrieben - wenn die Nähe zu einem Automaten ganz verloren geht - kann er aber auch Mozarts Kompositionen verzeichnen. Die Aufgabe eines Interpreten dieser Stücke, sie klanglich einer gültigen Lösung zuzuführen, ist also mit dem Kauf dieser Ausgabe noch nicht getan. Der Rezensent möchte daher zuraten, Mozarts Originaltext heranzuziehen und sich zunächst Gedanken zu machen, welche Art von Übertragung er anstrebt. Thierry Hirschs Übertragung ist eine gut mögliche, aber nicht für jeden!


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Mai 2019 / November 2019


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