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Familie Bach

Interpret: Stefano Molardi
Instrument: Dell’Orto e Lanzini Orgel der Chiesa di San Tomaso in Gesso di Zola Predosa
Label: Brilliant


Die CD sammelt Werke von Organisten der Familie Bach, von denen nur weniges überliefert ist, und etliche Incerta wie die Partiten „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ und „Herr Christ, der einig Gottes Sohn“, BWV Anh. 78 und 77. Überraschend viel Hörenswertes ist dabei zwischen den edlen Orgelchorälen des Arnstädter Bachvaters Heinrich Bach (1615 – 1692) und den nach seinem Vorbild Carl Philipp Emanuel überschäumenden freien Werken des späteren Weimarer Kapellmeisters Johann Ernst Bach II (1722 – 1777). Die Schule von Pachelbel ist herauszuhören bei den Ciaconen des Eisenacher Organisten Johann Bernhard Bach (1676 – 1749), die von Johann Sebastian bei Werken des Lahmer Organisten Johann Lorenz Bach (1795 - 1773) und des Weimarer Hoforganisten Johann Friedrich Bach (1682 – 1730). Dass da viel kompositorisches Geschick auch viel Freude macht, gilt auch für einige große Choralbearbeitungen, die anonym überliefert noch nicht einmal Eingang gefunden haben in das BWV wie „Mach‘s mit mir, Gott, nach deiner Güt‘“ oder „O Gott, du frommer Gott“, aber die Nähe zu dem großen Meister nicht leugnen können.

Die CD ist auch erschienen in der 24CD-Sammelbox „Bach Family, Complete Organ Music“ (Brilliant 95803), hier als CD 18 und 19. Solche Sammelboxen beeindrucken durch ihre Quantität, die Qualität muss da leiden sowohl bei den Einspielungen als auch bei den Booklets. Beides ist auch bei dieser Doppel-CD zu bedauern: das Booklet (nur engl.) erschöpft sich in wenigen Angaben zu den Komponisten und Werken, zur Orgel gibt es nur die Disposition, kein Bild u.a., dann noch zwei Seiten zum Solisten und zwei freie Seiten. Das Cover zeigt das Gewölbe oberhalb der Orgel in Ebersmünster, hat also mit dieser CD rein gar nichts zu tun. Die Einspielung Molardis ist zwar immer korrekt, manchmal sehr treffend, andere Male nur routiniert oder gar etwas willkürlich. Leiden tut die CD aber vor allem unter der verwendeten Orgel (2003, II/21, nach Silbermann, Frauenstein Stadtkirche 1738). Da ist die nicht gestimmte Trombone in Johann Bernhards Bearbeitung von Luthers Credolied, da ist die unzureichende Intonation der Cimbalo 2fach im Positiv, die etliche Pfeifen allzu spitz dominieren lässt. Letztlich stellt sich auch die verwendete Temperatur (Werckmeister III) als nicht sehr glücklich heraus. Fand man auf die Schnelle vielleicht kein besseres Instrument?

Fazit: gut gemeint, wohl schnell gemacht, zu viel Routine und daraus folgend Ungenauigkeiten wie so oft bei Gesamteinspielungen - eine Chance für die Konkurrenz!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Juni 2019 / November 2019


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
- unter anderem im Notenkeller in Celle (tel. Bestellung 05141-3081600 oder per Mail an info@notenkeller.de möglich).