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Ascendo ad patrem meum

Interpret: Simon Reichert
Instrument: Bernhardt-Edskes-Orgel der Stiftskirche Neustadt/Weinstraße
Label: Paschen Records


Ein CD-Portrait einer neuen Orgel ist zwar allgemein fällig, trägt hier aber einen besonderen Zug: nach der letzten Renovierung der simultan genutzten Stiftskirche 2010 erhielt das seit 1708 abgemauerte protestantische Langhaus 2016 ein Instrument von Bernhard Edskes als Chororgel mit II/17 und drei Pedaltransmissionen (Chorton, Stimmung mit zwei reinen Terzen und sechs reinen Quinten, Winddruck nicht mitgeteilt).

Hausorganist Simon Reichert spielt entsprechend Werke von Sweelinck und Scheidt, mit Bezug auf die pfälzische Kurfürstenvergangenheit Werke von u.a. Schlick – seine Himmelfahrtssequenz mit dem vierstimmigen Pedalsatz gab der CD ihren Titel - süddeutsche Meister wie Froberger und Kerll und norddeutsche Meister von Scheidemann bis Bach. Buxtehudes Toccata in d, BuxWV 155, beschließt das Rundum-Programm, mit dem die Vielseitigkeit der Orgel betont wird.

Simon Reichert spielt sein Programm mit stupender Technik und musikalischer Hingabe. Die Orgel hat zwar für die Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts einen etwas hellen Klang, vermag aber durchaus zu überzeugen. Die Stärken der Stimmung werden bereits mit den ersten Tönen der Fantasia Chrommatica A. 4. Sweelincks gezeigt, schöne Abstufungen zwischen dem HW und dem BW bieten sich mit Scheidts Echo ad manuale duplex. Einen Beitrag zur reformierten Vergangenheit der Pfalz bilden zwei Psalmen Goudimels und glanzvoll besteht das Instrument die Windprobe mit Schlicks 10-stimmiger Sequenz im vollen Werk. Der bikonfessionellen Wirklichkeit des Kirchenraumes sind die beiden Werke Frobergers und Kerrls geschuldet, für die protestantische Heimat stehen eine Canzone von Scheidemann, Weckmanns Praeambulum primi toni und verschiedene Orgelchoräle von Buxtehude, Böhm und Bach, wobei auf der Bookletseite der Registrierungen einiges durcheinander geraten ist. Reicherts Bookletbeitrag zu den Werken liest sich sympathisch, die Auswahl so mancher allzu bekannter Werke wie Sweelincks Fantasia chrommatica, Kerrls Capriccio sopra il Cucu, Böhms Vater unser im Himmelreich und Buxtehudes Toccata in d bietet zwar hohen Wiedererkennungswert, bleibt aber dennoch zu hinterfragen, weil gerade hier die Klangvorbilder historischer Instrumente andere Klänge aufzeigen. Dennoch: ein schönes Orgelportrait, das sich da einreiht in eine lange Reihe von Vergleichsaufnahmen.


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2018 / März 2019


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
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