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Saint-Saens - Organ Works

Interpret: Magne H. Draagen
Instrument: Heuvel-Orgel der Katarina Kyrka auf Södermalm in Stockholm
Label: LAWO Classics


Die Aufnahme dieser Einspielung (2011) liegt zeitlich zwar schon etwas zurück, weist aber doch auf eine Marktlücke hin, hat sich doch seither niemand an eine weitere Aufnahme heran getraut. Seltsam, dass im Booklet nur die Disposition der Orgel erwähnt wird. Nach einem Brand erhielt die 1695 fertiggestellte Kirche das hier vorgeführte Instrument von der Firma Heuvel (III/61), zwar französisch romantisch disponiert, aber mit einem sehr hellen Klangbild intoniert. Für Stockholm mag das etwas Besonderes sein. Den eingespielten Werken von Saint-Saens, Préludes et Fugues op. 99 (1894) und op. 109 (1898), diversen kleineren Werken (u.a. Le Cygne aus dem Karneval der Tiere in der Transcription von Guilmant) und der großen Fantaisei No. 3, op. 157 steht das gar nicht schlecht.

Camille Saint Saens (1835 – 1921) war am Pariser Konservatorium Schüler von François Benoist, 1852 wurde er Organist von Saint-Séverin in Paris, 1854 der Église Saint-Merry, 1858 – 1877 der Madeleine-Kirche als Nachfolger von Lefébure-Wély. An der École Niedermeyer de Paris gehörte u.a. auch Gabriel Fauré und Eugène Gigout zu seinen Schülern. Bekannt geblieben ist er vor allem mit seinem Oratorio de Noël op. 12 (1858), der Oper Samson et Dalila (1868), dem Danse macabre (1874), der Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 78, der Orgelsinfonie (1886) und seinem Requiem von 1878. In den 1880er Jahren galt er als größter Musiker des Landes, da mag es am Platz sein, auch seine Orgelkompositionen einmal wieder vor Ohren zu holen.

Die wichtigsten Orgelwerke Saint Saens‘ hat Magne H. Draagen, Director of Music of Nidaros Cathedral, hier unprätentiös wie kompetent eingespielt. Zusammen mit dem Klangbild der Heuvel-Orgel zeigen sie einen Komponisten der Romantik, der die barocke Fugenkunst sich auf sehr seriöse Weise zu eigen gemacht hat. Dass er auch anders konnte, zeigt sich in seiner mächtigen Fantaisei C-Dur op. 157 (1919) sowie in den liturgischen Kompositionen der Benediction Nuptiale op. 9 (1859) und dem Marche Religieuse op. 107 (1897).

Das Booklet (nur norwegisch/englisch) bringt eine gute Einführung Draages, eine Abbildung der Orgel (mit einer Dohle, leider ohne eine Erklärung warum) und die Disposition der Orgel (kaum lesbar) ohne Hinweis auf den Erbauer und das Erbauungsjahr. Nicht wegen der Kunst Draages, sondern wegen einer vollständigen Einspielung aller Werke Saint Saens‘ und wegen eines besseren Booklets kann hier der Hinweis auf andere Parallel-Einspielungen von z.B. Ben van Oosten, Joris Verdin und Andrew-John Smith nicht unterbleiben.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Dezember 2018 / Mai 2019


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