Daniel Kunert - Musik-Medienhaus
Das Portal der Königin

- Startseite - Rezensionen - Orgellandschaft Schlesien Vol. 3 "Musica ex Moenibus"


Orgellandschaft Schlesien Vol. 3 "Musica ex Moenibus"

Interpreten: Stefan Baier und Gabriela Czurlok
Instrument: Schlag&Söhne in St. Johannis Patschkau
Label: Ambiente


Der hohe Turm und das aufgestockte Dach der großen dreischiffigen Hallenkirche St. Johannis bestimmen das Stadtbild von Patschkau in Oberschlesien. 1882 erhielt die Kirche ihre jetzige Orgel (II/30) von Schlag&Söhne aus Schweidnitz, erbaut als mechanische Kegellade, Opus 214. 2008 wurde sie restauriert von „M. Nawrot i Synowie“ aus Wronki. Womit die Orgel wohl das geborene Instrument ist für ein Komponistenportrait von Moritz Brosig (*1815 in Fuchswinkel bei Patschkau/Oberschlesien; † 1887 in Breslau). Brosig war seit 1843 Domorganist und seit 1853 Domkapellmeister in Breslau, mit der Gründung des „Schlesischen Cäcilien-Vereins“ 1868 in Oppeln wurde er der führende Vertreter der sogenannten „Breslauer Schule“. Seit 1871 unterrichtete er auch an der Universität, veröffentlichte einige Theoriearbeiten und schrieb vor allem ein umfangreiches Werk für Orgel: Praeludien und Fugen, Choralvorspiele und Choralfantasien, freie Fantasien und Orgelstücke verschiedenster Art.

Das Booklet mit den beiden Aufsätzen von Grzegorz Pozniak zur Patschkauer Orgel und von Dieter Haberl zu Leben und Werk von Moritz Brosig weckt hohe Erwartungen, die die beiden Organisten leider nicht erfüllen. Die eingespielten Werke bewegen sich im Tempobereich von „Allegro maestoso, Adagio, Maestoso, Andante und Poco animato“. Kein einziges Stück reißt hier tempomäßig mit, manchmal hat man sogar den Eindruck, dass die Werke „moderiert“ von Blatt gespielt werden. Das kann natürlich auch an der Werkauswahl liegen, die, wenn typisch, Brosig z.B. gegenüber seinen Zeitgenossen Mendelssohn und Gottfried August Ritter kein gutes Zeugnis ausstellt, immerhin ist mit dem Andante As-Dur, op. 47,3, auch einmal ein wirklich schönes Stück zu hören, was aber den Gesamteindruck braver Mittelmäßigkeit nicht wirklich hebt. Einzelstimmen der Orgel werden auch zu wenig vorgeführt, so dass man von einem gelungenen Orgelportrait nicht sprechen kann. Zudem dominiert die HW-Mixtur derart neobarock, was doch etwas unglaubwürdig für 1882 ist.

Ohne die Kritikpunkte wirklich fundieren zu können aus dem räumlichen und stilistischen Abstand, bleibt doch ein enttäuschender Gesamteindruck von dieser CD.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Februar 2019 / September 2019


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
- unter anderem im Notenkeller in Celle (tel. Bestellung 05141-3081600 oder per Mail an info@notenkeller.de möglich).