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XIV. Worpsweder Orgelfestwochen
Auftakt am 01. März mit Mari Fukumoto in der Zionskirche
Vom 1. bis 15. März 2026 lädt die Zionskirche Worpswede herzlich zu den XIV. Worpsweder Orgelfestwochen ein. An drei Sonntagen jeweils um 17 Uhr erklingt die Orgel der Zionskirche in abwechslungsreichen Programmen mit herausragenden Interpretinnen und Interpreten. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei. Uns ist es eine besondere Freude, darauf hinzuweisen, dass die Worpsweder Orgelfestwochen damit erstmals seit vielen Jahren ohne Eintritt besucht werden können. Am Ausgang bitten wir herzlich um eine Spende. Auf diese Weise möchten wir möglichst vielen Menschen den Zugang zu diesem Festival eröffnen und laden Sie ein, die Vielfalt und Schönheit der Orgelmusik in der Zionskirche gemeinsam mit uns zu erleben und zu unterstützen.
Den Auftakt am 1. März um 17.00 Uhr gestaltet die international renommierte Organistin Mari Fukumoto mit Werken von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Gottfried Müthel und Christian Heinrich Rinck.
Johann Gottfried Müthel (1728–1788) gehört zu den interessantesten Gestalten der Übergangszeit zwischen Spätbarock und Empfindsamkeit. Als einer der letzten Schüler von Johann Sebastian Bach bewahrte er die kontrapunktische Strenge seines Lehrers, entwickelte jedoch zugleich eine hochgradig expressive, harmonisch kühne und virtuos durchformte Tonsprache. Seine Fantasie F-Dur steht exemplarisch für diese stilistische Synthese: frei improvisatorisch anmutende Abschnitte wechseln mit fugierten Partien, kontrastierende Affektbereiche erzeugen dramatische Spannungsfelder, und überraschende Modulationen sowie brillante Figurationen weisen bereits deutlich in die Ästhetik der Vorklassik.
Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) repräsentiert als zentrale Figur des empfindsamen Stils eine neue Ästhetik subjektiver Ausdrucksintensität; seine Fuge in d-Moll Wq 119/2 zeigt zwar die bewusste Auseinandersetzung mit der kontrapunktischen Tradition des Vaters, transformiert diese jedoch durch expressive Chromatik, motivische Verdichtung und unerwartete harmonische Wendungen in eine dramatisch aufgeladene Klangrede, die weniger auf architektonische Strenge als auf affektive Unmittelbarkeit zielt.
Christian Heinrich Rinck (1770–1846), Schüler Johann Christian Kittels und damit indirekt in der Bach-Nachfolge stehend, verbindet in seinem Konzert F-Dur op. 55 barocke Orgeltradition mit klassischer Formklarheit und frühromantischer Klangvorstellung; die dreisätzige Anlage mit einem repräsentativen Allegro maestoso, einem kantablen Adagio und einem thematisch geschlossenen Rondo-Finale orientiert sich am konzertanten Prinzip und überträgt orchestrale Denkweisen auf das Instrument Orgel, wodurch sich die Entwicklung von der liturgisch gebundenen Form zur autonom konzertanten Gattung paradigmatisch nachvollziehen lässt.
Die dem Namen Johann Sebastian Bach zugeschriebene Choralpartita über „Herr Christ, der einig Gottes Sohn“, BWV 1176, gehört zu jenen Werken, deren Authentizität in der Forschung diskutiert wird; stilistisch steht sie in der Tradition der mitteldeutschen Orgelpartita des frühen 18. Jahrhunderts, indem sie den lutherischen Choral Elisabeth Crucigers von 1524 in variierender Satztechnik entfaltet, den Cantus firmus in unterschiedlichen kontrapunktischen und figuralen Konstellationen verarbeitet und durch musikalisch-rhetorische Mittel eine theologische Deutungsebene eröffnet.
Mari Fukumoto zählt zu den gefragtesten Organistinnen unserer Zeit. Geboren 1987 in Tokio, geht sie heute einer regen Konzerttätigkeit an bedeutenden Orgeln nach und ist regelmäßig in zahlreichen internationalen Konzerthäusern zu Gast. Sie konzertiert mit herausragenden Klangkörpern wie mit dem City of Kyoto Symphony Orchestra, dem Tokyo City Philharmonic Orchestra, dem Symphonie-Orchester des Slowakischen Rundfunks und dem Sinfonieorchester der Nationalphilharmonie Warschau.
Mit zwölf Jahren erhielt Mari Fukumoto ihren ersten Orgelunterricht. Ab 2005 studierte sie an der Nationaluniversität für Kunst und Musik ihrer Heimatstadt, 2011 setzte sie ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Wolfgang Zerer fort. Ein Jahr später begann die Serie ihrer spektakulären Wettbewerbserfolge: 2012 gewann sie den Internationalen Orgelwettbewerb im japanischen Musashino, 2013 den ersten Preis (Johann-Pachelbel-Preis) beim Internationalen Orgelwettbewerb der 62. Internationalen Orgelwoche Nürnberg und den Rotary-Förderpreis der Otto-Stöterau-Stiftung, 2014 folgten die ersten Preise beim Daniel-Herz-Wettbewerb in Brixen und beim Agati-Tronci-Wettbewerb im italienischen Pistoia. 2017 und 2018 folgten Preise bei Wettbewerben in der Konzertkirche in Neubrandenburg, beim Internationalen Orgelwettbewerb „Jan Pieterszoon Sweelinck“ in Amsterdam und beim Internationalen Musikfestival Allegretto Žilina in der Slowakischen Republik.
Mari Fukumoto pflegt ein breit angelegtes Orgelrepertoire, das von Alter Musik bis zu zeitgenössischen Kompositionen reicht. Sie spielt regelmäßig Uraufführungen und arbeitet eng mit Komponist*innen wie Shiori Usui, Scott Wilson, Rafał Zapała und Elżbieta Sikora zusammen. 2014 veröffentlichte Naxos ihr Debüt-Album. Während ihrer Artists Residency am Nationalen Forum für Musik in Breslau (Polen) wurde 2022 eine CD-Aufnahme mit ihr und dem NFM Wrocław Philharmonic Orchestra veröffentlicht. Ihre neuste Solo-CD-Aufnahme an der Huß-Schnitger-Orgel in Stade ist im Herbst 2024 erschienen.
Von 2019 bis 2023 lehrte Mari Fukumoto als künstlerische Mitarbeiterin künstlerisches Orgelspiel, Orgelimprovisation und Generalbass an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar; sie war von 2022 bis 2024 Hauptvertreterin der vakanten Organist*innenstelle an der Frauenkirche Dresden. Derzeit lehrt Mari Fukumoto als Gastprofessorin künstlerisches Orgelspiel an der Universität der Künste Berlin.
Eintritt frei
Es wird um eine Spende gebeten |
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Pressemitteilung Worpsweder Orgelmusik (A. Kushniarova), 26.02.2026 |
weiterführende Links:
Die Orgeln der Zionskirche Worpswede |
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